Aus der Zeit gefallenes Seilbahnprojekt

Als Demütigung kann man das durchaus auch verstehen, obwohl die treibenden Kräfte um die Zürcher Kantonalbank und die Zürcher Stadtpräsidentin Corinne Mauch das natürlich nicht so meinen: Wenn eine Kantonalbank aus dem Motorraum der Schweizer Wirtschaft zu ihrem 150. Geburtstag für ungefähr 60 Millionen Franken eine Seilbahn über den Zürichsee spannen und nach ein paar Jahren wieder abreissen will, muss dieser Plausch all die schlingernden ­Bahnen und Dörfer im alpinen Erholungsraum tief beschämen.

Kritiker würden das «Haar in der Suppe» suchen, schrieb in der «NZZ» ein Redaktor, dessen Name auf den Heimatort Grindelwald schliessen lässt. Dort beisst sich eine der wenigen rentablen Schweizer Bergbahnen gerade die Zähne an Haaren aus, die ein paar Einsprecher in der Suppe gefunden haben. Die Jungfraubahn richtet hier nicht zum Plausch an: Für rund 400 Millionen Franken will sie aus eigener Kraft den Zugang zu Jungfraujoch und Skigebiet Männlichen-Kleine Scheidegg modernisieren – ein existenzielles Projekt.

Ähnlich, wie das von Zürich angeregte Expo-Projekt von Schweizer Städten nun die alpine Olympia-Kandidatur untergräbt, wirkt auch das Zürcher Seilbahnprojekt: Hier wie dort ist im Speziellen nichts dagegen zu sagen, beiden Projekten ist bei näherer Betrachtung viel abzugewinnen.

Aus grosser Flughöhe jedoch tauchen sozusagen Berge von Fragen auf. Sie sind staatspolitischer Natur und drehen sich darum, welche Schweiz und welche Werte wir meinen und einsetzen, wenn wir über uns und unsere Ideen reden.