Der Interlakner Immobilienkönig und die Krise der Institutionen

2008 war der Tamile mit seiner Frau eingebürgert worden, jahrelang arbeitete er bei einem Grossverteiler zuerst in Wengen, dann in Interlaken. Praktisch parallel zum Friedensschluss in Sri Lanka begann er 2009, in Interlaken Liegenschaften zu kaufen. «Leider noch nicht», meint er auf die Frage, ob er im Lotto gewonnen habe, ansonsten mag er sich nicht über seine Finanzierungsmodelle äussern. Jedenfalls gehört er mittlerweile zu den grössten privaten Immobilienbesitzern in der Gegend, kontrolliert etwa an der Centralstrasse mitten in Interlaken ganze Häuserzeilen. Präsent ist er aber auch in Ringgenberg, Niederried oder Wilderswil, wo er an der zentral gelegenen Lehngasse ebenfalls stark vertreten ist.

Die Nutzungen sind dabei meist mit Gastgewerbe und Tourismus verbunden, seien dies nun Pachten oder Personalwohnungen. Vor allem in Interlaken seien «die Leute nur interessiert an Restaurants», erzählt er immerhin aus seinem Geschäftsmodell, das wundere ihn selbst, letztlich sei ihm aber die Art der Nutzung egal.

Rajans Gewicht gibt zwar in der Region zu reden, und insbesondere die Entwicklung der Centralstrasse hin zu einem exotischen Basar sticht vielen buchstäblich in die Nase. Doch angesichts der starken Internationalisierung des Tourismus und weil auch frühere Generationen von Immigranten in der Schweiz Geschäftssinn zeigten, ist Rajans Dominanz kein öffentliches Thema.

Stellvertretend steht er aber für eine Krise der Institutionen. Es gebe in Interlaken immer mehr Eigentümer und Betreiber von Hotels und Restaurants ausländischen Urprungs, erklärte jüngst der Interlakner Gemeindepräsident Urs Graf in GastroJournal: «Das hat nicht nur mit reichen Ausländern zu tun, die sich hier Hotels kaufen, sondern auch mit der Bereitschaft, unter prekäreren Bedingungen in der Branche zu arbeiten.»

Dies wird laut Graf dann problematisch, «wenn unsere Regeln nicht bekannt sind, nicht verstanden oder nicht akzeptiert und umgesetzt werden – sei dies nun bei allgemeinverbindlichen Landes-Gesamtarbeitsverträgen und bei verwaltungs- und wettbewerbsrechtlichen Vorgaben.»

Bei der Kontrolle und Umsetzung stosse «die Gemeinde manchmal an ihre Grenzen», räumt Graf ein, «was besonders damit zu tun hat, dass viele Kompetenzen bei übergeordneten Ebenen liegen und die Gemeinde wenig Handlungsspielraum hat.» Dass Interlakens Anziehungskraft Spannungsfelder schafft, ist Graf klar: «Im Tourismus sind schon immer Welten aufeinandergetroffen». Insofern sind Konflikte programmiert, doch fühlt sich der Interlakner etwas alleingelassen: Die Phänomene zeigten sich vor Ort, und die übergeordneten Ebenen müssten «ein offeneres Ohr für Anliegen der Gemeinden haben und sie tatkräftig darin unterstützen, unsere Rechtsordnung aufrechtzuerhalten.»