Die Kehrseite der Koch-Wettbewerbe

Die Zeit nach dem Wettbewerb erwies sich für die Schweizer Mannschaft, die an der Weltmeisterschaft der Pâtissiers im vergangenen Januar Bronze holte, als schwierig. Zwei Monate nach dem Wettbewerb hatten zwei Mitglieder des Dreierteams noch keine neue Arbeit in der Schweiz gefunden.

Während eineinhalb Jahren bereitete sich das Trio, welches die Schweiz an der Weltmeisterschaft der Pâtissiers vertrat, zusammen mit ihrem Coach auf den Wettbewerb vor. Zwei von ihnen, die jungen Konditoren Cédric Pilloud und Jean-Baptiste Jolliet, gaben ihre Stelle auf, um sich ganz dem Wettbewerb zu widmen. Während Monaten übten sie unerlässlich und kümmerten sich um die nötige Finanzierung, die es für die Vorbereitung auf den zehnstündigen Wettbewerb in Lyon brauchte. Am Wettbewerbstag ­wurden die Schweizer für ihren Einsatz belohnt: Sie belegten den dritten Platz. Doch damit nicht genug. Dank ihrem Resultat konnte sich die Schweiz zum ersten Mal in der Weltelite der Pâtissiers platzieren. Ein Resultat, das nur mit intensivem Training und grossem Verzicht möglich wurde, und das kein Platz mehr für Alltagsarbeit zuliess.

Trotz dieser fantastischen Leistung wurde das Trio am Folgetag von seinem Berufsstand ausser Gefecht gesetzt. Bei jeder Bewerbung bekamen sie eine Absage. Keine einzige Stelle wurde ihnen in der Schweiz angeboten, obwohl sie vom Ausland verschiedene Jobangebote erhielten. Erst nach einer mehrmonatigen Suche fanden sie endlich Arbeit und können nun ihr Handwerk, würdig der Weltbesten, erneut ausüben.

Diese Situation schockiert und zeugt von einem Missstand. Wer besser ist als die anderen, ist in der Schweiz nicht gefragt. Und das ist bedauernswert. Hinter verborgener Hand wird gemunkelt, dass die Dritt­besten der Welt wohl zu hohe Ansprüche an die kleinen Westschweizer Betriebe stellen, sie zu qualifiziert, zu gut sind.

Dabei sind die drei nur Vorreiter. Diese jungen Leute haben den Weg geebnet für die schon lange an­gestrebte Professionalisierung bei Wettbewerben. Sie nahmen ihr Schicksal in die Hand, suchten nach Finanzierung, Sponsoren und Unterstützung, um während mehrerer Monate bei einem Wettbewerb, bei dem sie ihr Land vertraten, ihr Bestes zu geben. Das Mindeste wäre gewesen, vor ihnen den Hut zu ziehen und ihnen die Mittel zu geben, um auf diesem dritten Platz auf­zubauen. Aber vielleicht fehlt es uns ja an Ambitionen.