Kräfte bündeln im Nachtleben

Jürg König ist seit 1991 Präsident der ASCO (Verband Schweizerischer Konzertlokale, Cabarets, Dancings und Discotheken) und war langjähriger Gastgeber im Zürcher Kings Club. Alexander Bücheli ist Vorstandsmitglied und auf Mandatsebene Geschäftsführer der SBCK (Schweizer Bar und Club Kommission).

GastroJournal: Wie steht es um die ASCO / die SBCK im Moment sowie um Ihre Branche im Allgemeinen?

Jürg König: Nicht sehr rosig, denn gerade das letzte Jahr, das vom Wegfall der L-Bewilligung geprägt war, hat uns nochmals Mitglieder gekostet. Überhaupt haben wir seit ein paar Jahren mit einem rapiden Mitglieder- Schwund zu kämpfen, waren es 2012 noch 165, sind es heute 63. Die Hoffnung, dass wir wieder wachsen und neue Cabarets für unsere Vereinigung gewinnen können, siedle ich an einem eher kleinen Ort an. Denn gerade unsere Nische im Bereich Nachtleben wird immer mehr von Anbietern verdrängt, die über eine gepflegte erotische Unterhaltung hinausgehen. Positiv ist indes, dass wir finanziell, und auch was das fachliche Know-how betrifft, nach wie vor gut aufgestellt sind.


«Gemeinsam könnten wir mehr bewirken»

Jürg König

 

 


Alexander Bücheli:
Die Nachtkultur erfreut sich grosser Beliebtheit. Ausgehen ist ein gesellschaftliches Bedürfnis. Die Zürcher Technokultur wurde zudem gerade erst in die Liste des Schweizer UNESCO-Kulturerbes aufgenommen. Doch es gibt auch graue Wolken am Himmel: Die Mieten und die Gagen der Künstler sind quasi explodiert, aber auch die Anforderungen an Sicherheit und Infrastruktur sind gestiegen. Die Betriebskosten nahmen in den letzten Jahren zu, ohne dass die Gäste mehr Geld ausgeben. Zunehmend entsteht auch eine Konkurrenz durch 24-Stunden-Shops, die zwar keinen kulturellen Inhalt bieten, trotzdem irgendwie auch Bestandteil des Nachtlebens sind. Dadurch setzte verstärkt ein Verdrängungskampf ein.

Was sind zurzeit die grössten Herausforderungen?

König: Neben den herausfordernden politischen Hürden, die nicht weniger werden, beschäftigt uns das veränderte Ausgehverhalten unserer Gäste. Waren wir vor ein paar Jahren noch ein Anziehungsort für viele Geschäftsleute, sind diese heute praktisch nicht mehr an unseren Betrieben interessiert. Hier ist die Herausforderung, sich in den nächsten Jahren neu zu erfinden. Bücheli: Wir kämpfen weiterhin für die politische und gesellschaftliche Anerkennung des Nachtlebens und setzen uns für einen liberalen Umgang mit der Nachtkultur und für eine Politik des Ermöglichens ein. Freiräume wie Bars, Clubs und Festivals sind wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft. Leider ist dies noch nicht allen Entscheidungsträgern bewusst. Weitere Themen sind die Reglementierung privater Sicherheitsdienstleistungen und natürlich die SUISA-Gebühren.

Wohin soll sich die ASCO / die SBCK entwickeln?

König: Wir sehen uns nach wie vor als Teil des Nacht-Unterhaltungssektors. Wir sehen aber in den nächsten Jahren durchaus die Möglichkeit für eine intensivierte Zusammenarbeit mit anderen Akteuren des Nachtlebens, beispielsweise mit der SBCK. Denn wir haben etliche Berührungspunkte, gerade was die politischen Rahmenbedingungen betrifft. Und es ist nun mal so, gemeinsam könnten wir langfristig mehr bewirken.

Bücheli: Die SBCK soll sich zu dem nationalen Ansprechpartner für Nachtleben-Anliegen entwickeln. Dazu gehört auch die politische Arbeit. So soll die SBCK künftig in Bern direkt die Anliegen der Nachtkultur einbringen können. Eine wichtige Rolle nimmt die Unterstützung lokaler Bar und Club Kommissionen ein. Da vieles lokal reguliert wird, macht eine SBCK ohne starke lokale Netzwerke nur wenig Sinn. Die Zusammenarbeit mit anderen nationalen Nachtleben-Netzwerken soll zudem weitergeführt werden.

Weil es Jürg König bereits erwähnt hat: Es gibt erste Diskussionen, die ASCO in die SBCK zu integrieren…

Bücheli: Ja, auch Cabarets sind Bestandteil des nächtlichen Angebots einer Stadt. Dadurch ergeben sich viele Schnittstellen zwischen den Bars, Clubs und Cabarets, weshalb eine intensivere Zusammenarbeit unter einem gemeinsamen Dach eine Vielzahl von Synergien bietet. Wir versprechen uns dadurch mehr Gewicht, eine grössere Möglichkeit, Einfluss auf politische Entscheide nehmen zu können, aber auch mehr Potenzial, um Sponsoren zu akquirieren. Denn eines ist klar, für ein gemeinsames starkes Dach braucht es zusätzliche finanzielle Mittel, welche aktuell weder von der ASCO noch von der SBCK alleine getragen werden können.

«Wir kämpfen für die Anerkennung des Nachtlebens»

Alexander Bücheli

 

 

Wie könnte so eine Integration konkret aussehen?

König: Die ASCO soll weiterhin ein eigenständiger Verband bleiben, der jedoch neu als Mitglied in die SBCK integriert wird. Das wäre insofern positiv, da wir Herausforderungen, die nur die ASCO betreffen, weiterhin selbständig anpacken, bei denjenigen, die uns alle betreffen aber gemeinsam agieren könnten – und wir könnten sicher auch finanziell Unterstützung bieten.

Was sind die nächsten Schritte?

Bücheli: Als nächster Schritt geht es darum, eine gemeinsame Absichtserklärung zu unterzeichnen und ein Projektkonzept, inklusive Budget und Zeitplan, zu erstellen. Wir sind sehr optimistisch, dass wir nach dem Sommer 2017 mit der konkreten Diskussion beginnen können, und freuen uns jetzt schon auf diesen spannenden Prozess.

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Die ASCO – Die Langjährige

Die ASCO wurde 1934 als Verband Schweizer Konzertlokalinhaber gegründet und war in den ersten 50 Jahren der Verband der Gastgeber von Konzertlokalen, Musik-Restaurants sowie Varietés. Mit dem Wachstum der Cabaret-Szene in den 80er Jahren änderte sich das radikal, sodass die ASCO heute ausschliesslich der Verband der Cabaret- Besitzer ist. Wie damals so auch heute, setzt sich die ASCO für ein attraktives Nachtleben sowie politisch gute Rahmenbedingungen ein und wehrt sich gegen übertriebene staatliche Interventionen. www.asco-nightclubs.ch


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Die SBCK – Die Frische

Die Schweizerische Bar und Club Kommission (SBCK) ist ein 2014 gegründeter Zusammenschluss lokaler Bar- und Clubkommissionen. Ihr gehören 9 Mitglieder sowie 2 Associated Members (Petzi, Safer Clubbing Schweiz) an. Die Vereinigung verfolgt das Ziel, die Interessen der Nacht-Kulturschaffenden auf nationaler Ebene zu vertreten. Sie fördert die Interessen der Mitglieder in politischer und kultureller Hinsicht und versteht sich als Bindeglied zwischen den im Nachtleben tätigen Unternehmen, den Behörden, der Politik und der Öffentlichkeit. www.sbck.ch