Adanks Sauvignon Blanc: kein simpler Apéro-Wein

Nein, als Geheimtipp kann man die Weine der Familie Hansruedi Adank nicht mehr betiteln. 2019 verdiente sich Jungwinzer Patrick Adank von GaultMillau den Titel «Rookie of the Year». Rookie? Debütant, Neuling, Grünschnabel – so lauten die gängigsten Übersetzungen. Patrick ist nach seinen Wanderjahren in Deutschland, Frankreich und Neuseeland nach Fläsch GR heimgekehrt und redet im elterlichen Betrieb mehr als nur ein Wörtchen mit.

Den Schaumwein versektet er im Gegensatz zu den meisten Berufskollegen selbst und wendet sein in der Champagne erlerntes Wissen an. Das Resultat: Sein feinfruchtiger, verführerischer «Brut» hält mit ganz vielen Champagner-Tropfen locker mit und schlägt diese in Sachen Preis/Leistung (32 Franken). Beim Pinot Noir und künftig auch beim Chardonnay setzt er teils auf Einzellagen, was für viel Charakter im Glas sorgt.

«Er hat viel Zug»
Doch während über Adanks Pinot Noir und über den Schaumwein mittlerweile viel geschrieben und gesprochen wurde, kommt ein vermeintlich simpler Wein zu kurz: der Sauvignon Blanc. Oft als spassiger Apéro-Wein oder höchstens als Begleiter einer Vorspeise abgetan, zeigt sich gerade bei diesem Erzeugnis Adanks Hingabe zur Winzertätigkeit. Nicht dass dieser Sauvignon Blanc keinen Spass bereitet, aber banale Weine produziert der 29-Jährige nicht. Der Sauvignon Blanc wird mit einem Anteil an Ganzbeeren im Barrique vergoren. Das verleiht ihm einen tollen Körper und einen langen Abgang. Dank der frischen Säure wirkt der Wein dennoch knackig. «Er hat viel Zug», würde Patrick Adank in seiner Weinsprache kommentieren und so beschreiben, dass das Glas – kaum eingeschenkt – im Nu schon wieder leer ist.

Die typischen Aromen von Holunderblüte und Stachelbeere zeigen sich deutlich und zeugen von präziser Arbeit. Zum Wein passen Spargel- und Gemüsegerichte, Fische und Meeresfrüchte. Und wie die letzten Tage zeigten, begleitet er auch ein Käsefondue wunderbar. Die Struktur des Weins deutet an, dass dieser gar über ein gewisses Alterungspotenzial verfügt.

Es dürfte sich lohnen, sich bald in die Kundenkartei des talentierten Bündners setzen zu lassen. 36'000 Flaschen produziert er pro Jahr. Es gibt derzeit keinen Grund, weshalb in den kommenden Jahren nicht ein wahrer Hype rund um Adanks Weine entstehen sollte.

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Benny Epstein ist Redaktor des GastroJournals und Weinliebhaber. Am liebsten geniesst er Pinot Noir aus der Bündner Herrschaft oder dem Burgund. In dieser Rubrik stellt die Redaktion des GastroJournals regelmässig Trouvaillen zur Empfehlung auf der Weinkarte vor.

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