Alwin Kecht: "Gute Leute gut bezahlen"

Alwin Kecht ist in Bayern aufgewachsen und hat eine Kochlehre ab­solviert. 1963 kam er in die Schweiz und war in diversen Grandhotels ­tätig, bevor er sich 1973 selbst­ständig machte und jahrzehntelang die Badener Gastronomie-Landschaft mitprägte – unter anderem als Mitinhaber des Restaurants Bodega, das ihm noch heute gehört, sowie der Dancings Mirage und Joy. Alwin Kecht ist zudem Mitbegründer des Grand Casino Baden. Heute ist er Besitzer der Kecht Gastro AG sowie der Alena Hotel AG, in deren Portfolio sich das neue Hotel Ibis Red in Baden-Neuenhof befindet, das am 1. Mai seine Türen öffnen wird.

GastroJournal: Sie sind gelernter Koch, waren jahrzehntelang als Gastro- und Casino-Unternehmer unterwegs. Was fasziniert Alwin Kecht an der Hotellerie?
Alwin Kecht: Als ich in der Kochlehre war, da habe ich mir immer gesagt: Ein eigenes Hotel, das wäre schon eine tolle Sache. Aber es hat dann über 55 Jahre gedauert, bis es so weit war – und das zuerst nicht ganz freiwillig. Denn eigentlich wollte ich ja einen Investor für das Bauprojekt. Die Situation 2014 brachte dann aber mit sich, dass ich zwar eine Baubewilligung für das Projekt hatte, aber keinen Investor. Und bevor wir die Bewilligung verloren hätten, habe ich mir halt gesagt, mache ich es lieber in meinem hohen Alter selber (er lacht).

«Es gab keine Alternative zu einer Zusammenarbeit mit einer Hotelkette»

War für Sie von Anfang an klar, dass Sie für den operativen Betrieb auf eine Hotelkette setzen?
Ja, das war von Anfang an klar. Für mich gab es keine Alternative zu einer Zusammenarbeit mit einer Hotelkette. Denn meine Nachfolgerin ist erst 21 Jahre alt, und ich selber möchte aufgrund der Umstände nicht wieder täglich arbeiten, sondern vielmehr langsam loslassen.

In Zeiten, in denen Banken Hoteliers praktisch kein Geld mehr geben, weil es ein Risiko-Investment ist, investieren Sie in die Hotellerie. Warum?
Es werden unglaublich viele Hotels gebaut… Also ich sehe insbesondere mit der Investition in die System-­Hotellerie kein finanzielles Risiko, weil das Konzept, das Management, das Controlling, das diese Ketten mit sich bringen, einfach funktio­nieren. Hinzu kommt, dass der Umgang mit den Verantwortlichen von ­Accorhotels von Anfang an sehr angenehm war, wir uns auf Anhieb verstanden haben und die Mitarbeitenden, die bereits jetzt im Projekt involviert sind, unglaublich serviceorientiert sind. Insofern kann man heute in der Hotellerie etwas Besseres als einen Vertrag mit dieser Kette gar nicht mehr abschliessen.

«Ein guter Gastgeber ist freundlich und versteht ­etwas vom Geschäft»

Kettenhotellerie versus Familienbetrieb: Wo liegt die Zukunft?
Das kann ich so nicht sagen. Aber ich bekomme einfach mit, dass immer mehr Familienbetriebe sich einer Kette anschliessen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Das Hotel Krone in Lenzburg war jahrzehntelang eigenständig und läuft heute auch unter dem Dach von Accorhotels. Gründe mögen hier sein, dass gerade He­rausforderungen durch die Digitalisierung et cetera von den grossen Ketten einfach besser abgefangen werden können.

Beim Hotelneubau: Was waren für Sie die grossen Herausforderungen?
Neben der Finanzierung (Anm. d. Red.: Das Hotel kostet rund 20 Millionen Franken) war vor allem das ­Erhalten der Baubewilligung eine Herausforderung, weil die Platzverhältnisse so unmittelbar an der Kantonsstrasse einfach beschränkt sind. Das hat viel Goodwill von diversen Seiten gebraucht. Glücklicherweise hat insbesondere die Gemeinde Neuenhof das Projekt von Beginn an unterstützt und Hand geboten, so hat am Ende alles geklappt.

Wenn Sie zurückblicken, wie nehmen Sie die Entwicklung der Schweizer Hotellerie sowie Gastronomie wahr?
Als ich 1973 mit meiner Geschäftspartnerin in der Bodega in Baden begann, haben wir den Betrieb mit viel Fleiss, Arbeit und guter Qualität zum Erfolg geführt. Das ist zwar heute immer noch möglich, aber nicht mehr so einfach. Denn heutzutage kämpfen wir gegen Bürokratie, hohe Waren- und Personalkosten et cetera. Fakt ist doch: Wenn ich mich engagiere und trotz grossem Einsatz kein Geld verdiene, dann verliere ich die Lust. Das ist wohl auch mitunter ein Grund, dass viele Familienbetriebe schliessen, weil für viele Nachfolger die Arbeitszeiten unattraktiv sind und die Bereitschaft zum Arbeiten fehlt.

«Eine Expansion ist ­definitiv nicht mehr auf ­meiner Wunschliste»

Was ist heute ein guter Gastgeber?
Ein guter Gastgeber sollte etwas vom Geschäft verstehen sowie kommunikativ und freundlich sein.

Was war und ist bis heute Ihre ganz persönliche Unternehmer-Philosophie?
Gute Qualität in den Restaurants: Das heisst, gute Qualität kaufen, zubereiten und zu einem vernünftigen Preis verkaufen. Und im Bereich der Mitarbeitenden habe ich immer ­hervorragende Löhne bezahlt und dafür auch hervorragende Leute erhalten. Denn gute Leute gut bezahlen, das ist das A und O.

In Baden sind Sie nicht nur als Unternehmer bekannt, sondern auch als Mitbegründer des Casinos. Wie kam das?
Als ich in den 90er-Jahren das Dancing Joy übernommen habe, das dem finanziell unter Druck stehenden Stadtcasino gehörte, hatte ich die Idee, ein Casino zu lancieren, um mehr Einnahmen zu generieren. Wir haben uns dann rund zwei Jahre lang um eine Konzession bemüht, die wir 1995 erhalten haben – gleichzeitig mit dem Geldspiel­automatenverbot in Zürich. Ein Glück für uns, denn als wir eröffneten, haben wir mehr als Geld verdient. Bis heute ist das Casino ein Erfolg geblieben.

Zurück zum neuen Betrieb: Inwiefern ist eine weitere Expansion im Hotelbereich eine Option, beziehungsweise was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Eine Expansion ist definitiv nicht mehr auf meiner Wunschliste. Vielmehr möchte ich nun langsam kürzertreten und dereinst meiner Tochter meine Betriebe übergeben.

 

Ein Lieblingsrestaurant
Das Lieblingsrestaurant von Alwin Kecht ist das Restaurant Smolinsky’s Sihlhalde in Gattikon: «Weil die ­Gastgeber sehr höflich sind, das Essen einfach immer gut ist – und ich bin wirklich heikel», sagt er mit einem Schmunzeln, «und weil das Preis-­Leistungs-Verhältnis stimmt».

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