Am richtigen Ort gespart

Am 21. Mai 2017 hat sich das Schweizer Volk für die Energiestrategie 2050 entschieden, die längerfristig den Ausstieg aus der Atom- energie anstrebt. Damit dies möglich wird, soll der Energieverbrauch gesamthaft um 43 Prozent und der Stromverbrauch um 13 Prozent sinken. Seit dem 1. Januar 2018 ist das revidierte Energiegesetz (EnG) in Kraft, womit unter anderem der Netzzuschlag steigt. Mit der Differenz vom alten zum neuen Strompreis wird Strom aus erneuerbaren Energien gefördert. Ein Nebeneffekt dürfte sein, dass dadurch für Firmen und Private ein weiterer Anreiz entsteht, energieeffiziente Geräte zu nutzen – denn die Strompreise sind durch die Erhöhung des Netzzuschlages angestiegen.

Spätestens seit Adolf Ogi 1988 energie- effizient Eier kochte, haben sich verschiedene Stellen der Förderung erneuerbarer Energien und der Erhöhung der Energieeffizienz verschrieben. Eines dieser Programme ist das Förderprogramm ProKilowatt des Bundesamts für Energie. Zum einen unterstützt ProKilowatt Projekte, deren Stromeffizienzmassnahmen die Investitionskosten von 70 000 Franken überschreiten und sich darüber hinaus in einem Wettbewerb gegen andere Projekte durchsetzen. Zum anderen fördert ProKilowatt Programme, die einfache Stromeffizienzmassnahmen mit geringeren Investitionskosten unterstützen. Aufgrund der Investitionshöhe dürften für die Hotellerie besonders die Programme spannend sein. Hinzu kommt, dass die Überprüfbarkeit der Effizienzsteigerung Voraussetzung dafür ist, dass ein Projekt von ProKilowatt angenommen wird. Dabei besteht jedoch die Schwierigkeit, dass Räumlichkeiten nach einem Umbau nicht immer eins zu eins verglichen werden können.

Dave Meyer, Mitglied der Geschäftsleitung im Hotel Central Plaza in Zürich, redet aus Erfahrung: «Wir haben beim Umbau 2017 unter anderem die Küche vom ersten Stock in das Erdgeschoss verlegt. Dort, wo die Küche war, befinden sich nun Zimmer. Zudem haben wir die Bar und die Lobby neu gemacht. Da kann man nicht einfach vorher und nachher vergleichen.» Nach langem Hin und Her mit ProKilowatt entschied sich Meyer schliesslich, das Projekt zurückzuziehen und sich nach einer anderen Lösung umzusehen. «Für grössere Industriebetriebe ist die Einreichung eines Projektes bei ProKilowatt sicher spannend. Für ein Hotel wie das unsere ist das Risiko jedoch einfach zu gross.» Ein Messkonzept muss nämlich auch dann erstellt werden, wenn die Subvention noch nicht zugesichert ist, «dies hätte rund 7000 Franken gekostet», erläutert Meyer.

Durch einen Kundenberater vom Elekrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz) gelangte Meyer schliesslich an Stephan Künzle, den Energieberater des ewz, welcher ihm wiederum vom Programm ProHotelWatt erzählte. «Zwar ist die Geldsumme dort geringer ausgefallen, dafür hielt sich aber auch der bürokratische Aufwand stark in Grenzen», erläutert Meyer. Ein weiteres Programm, das für die Hotellerie interessant ist und durch Stephan Künzle vom ewz betreut wird, ist das Programm EcoGastro. Dabei kommt Künzle in den Betrieb und macht einen ersten Rundgang mit dem Hotelier, um diesem zu zeigen, wo gespart werden kann. «Es sind häufig jene, die anfangs bezweifeln, dass bei ihnen noch Optimierungspotential besteht, die mich am Ende kaum mehr gehen lassen wollen», erzählt Künzle. Wichtig sei es, das Bewusstsein für Energie zu schaffen. Jeder wisse, dass man Energie sparen müsse, «aber wer kann schon an einem Beispiel sagen, wie viel man mit einer kWh anstellen kann? Kaum jemand», konstatiert Künzle und nennt postwendend ein eindrückliches Beispiel: «Wenn Sie zehn Kilometer in einem Hamsterrad zurücklegen, dann haben Sie gerade mal genug Energie erzeugt, um zwei bis fünf Minuten unter der heissen Dusche zu stehen.»

Das Wissen allein reiche nicht, es brauche ein tiefergehendes Verständnis. «Wenn man weiss, welche energietechnische Bedeutung etwas hat, dann überlegt man sich vielleicht zweimal, ob man das Licht brennen oder Geräte unbenutzt eingeschaltet lässt.» Deshalb ist ein anderer, wichtiger Bestandteil von EcoGastro die Schulung des Personals. «In den allermeisten Fällen haben die Mitarbeitenden sehr gute Ideen und lösen damit auch das eine oder andere ‹Aha-Erlebnis› bei der Führungsperson aus», erzählt Künzle weiter. Die Möglichkeiten, Strom zu sparen, seien vielfältig und von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich.

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