Berghilfe bietet Unterstützung für Hotelprojekte

Martina Fischli ist gelernte Köchin und hat die Höhere Fachschule für Tourismus absolviert. Seit 2016 ist sie Projektleiterin Tourismus bei der Schweizer Berghilfe.

GastroJournal: Wer an die Berghilfe denkt, denkt an Landwirtschaft. Weshalb ist es der Schweizer Berghilfe ein Anliegen, auch touristische und gastgewerbliche Projekte zu unterstützen?
Martina Fischli: Im Rahmen der Stiftungsgründung 2005 haben wir festgestellt, dass auch andere Wirtschaftszweige in den Berggebieten für eine langfristige Perspektive der Bergbevölkerung wichtig sind. Gerade der touristische Bereich ist wichtig. Deshalb soll dieser weiterhin gestärkt werden. Denn es braucht so wenig. Etwas zum Übernachten und ein Angebot. Aber wenn man nichts investiert, dann wird es immer weniger und weniger… und das wollen wir nicht.

Wie viel des Gesamtbudgets der Berg­hilfe steht hier zur Verfügung?
Wir sprechen pro Jahr rund 25 Millionen Franken an über 500 Projekte, davon gehen durchschnittlich 3 Millionen Franken, gut 10 Prozent, an rund 30 Tourismusprojekte.

«Durchschnittlich gehen 3 Millionen Franken an ­Tourismusprojekte»

Wie viele touristische und gastgewerbliche Gesuche erhalten Sie pro Jahr ­beziehungsweise wie viele werden ­finanziert?
Wir bekommen rund 50 Gesuche pro Jahr, können aber im Schnitt nur 30 davon unterstützen. Die Berg­hilfe ist im Tourismus noch nicht so bekannt wie beispielsweise in der Landwirtschaft. Deshalb erhalten wir auch einige Gesuche, die wir nicht unterstützen können, weil sie nicht unseren Kriterien entsprechen – und wir unterstützen natürlich nur dort, wo es wirklich notwendig ist und alle Finanzierungsquellen ausgeschöpft sind.

Welche Projekte haben eine gute Chance auf Unterstützung, welche fallen in die Kategorie «Leider nein»?
Das Projekt muss einerseits in einer Bergzone oder im Sömmerungsgebiet liegen und andererseits Wertschöpfung in der Region generieren und Arbeitsplätze schaffen oder mindestens erhalten. Ausserdem müssen Projektträger eigene Mittel einbringen und das unternehmerische Risiko tragen, wenn sie von uns Unterstützung erhalten möchten. Bei Hotelprojekten helfen wir ausschliesslich Betrieben bis zur 3-Sterne-Kategorie mit maximal 50 Zimmern. Weiter ist wichtig, dass sich der Betrieb nicht in einem alpinen Tourismuszentrum befindet (siehe Kasten). Zentren wie Zermatt, St. Moritz et cetera haben andere Frequenzen und können dadurch auch andere Finanzierungsmöglichkeiten für ihre Projekte finden.

«Wir unterstützen Betriebe bis maximal 50 Zimmer»

Sonstige Ablehnungsgründe?
Eine Ablehnung erfahren auch Projekte, die bereits realisiert worden sind. Diese prüfen wir nicht mehr, weil wir davon ausgehen, dass ein Projekt finanziert ist, wenn es realisiert wird. Wichtig ist zudem, dass die Projektträger gleichzeitig auch Inhaber sind und den Betrieb führen. Für uns braucht es klare Verhältnisse mit einer langfristigen Perspektive. Denn am Ende müssen wir die Unterstützung eines Projektes auch gegenüber ­unseren Spendern rechtfertigen können.

Woher kommen die Projekte?
Tourismusprojekte werden vor allem aus den Kantonen Graubünden und Wallis eingereicht.

Aus welchem Kanton hätten Sie gerne mehr Projekte?
Aus dem Tessin kommen erst wenige Gesuche. Überhaupt wünschen wir uns viel mehr Projekte aus Gegenden, die zwar grosses touristisches Potenzial haben, aber wo sich niemand traut, zu investieren. Wir haben Beispiele, die zeigen, dass ein Impuls durchaus zu einer touristischen Entwicklung führen kann: die Huskylodge in Muotathal beispielsweise (siehe Bild-Kombo). So ein Vorzeigeprojekt ist gut, um Wertschöpfung in die Region zu bringen. Mittlerweile bietet die Lodge rund 40 Teil- und Vollzeitstellen, das ist enorm für so ein Gebiet.

Wie speziell muss ein Projekt sein?
Für uns ist es keine Voraussetzung, dass der Betrieb einen USP haben muss. Wir unterstützen auch die Sanierung einer Terrasse oder wenn ein Dach rinnt. Der Betrieb muss allerdings ein klares Konzept haben und die Trägerschaft muss engagiert sein und mit Leidenschaft hinter dem Projekt stehen.

Wie hoch sind die Beträge, welche die Berghilfe sprechen kann?
Allgemein gesagt: Unter 10 000 Franken ist selten. Zwischen 10 000 und 100 000 Franken bekommt der grösste Teil der Projekte. Beiträge über 100 000 Franken sind ebenfalls selten. Im Tourismus sind die gesprochenen Beiträge tendenziell höher. Das hat einen einfachen Grund, die Investitionssummen sind einfach höher und die Wirkung ist grösser als bei den meisten anderen Projekten, welche die Berg­hilfe unterstützt. Wenn wir einem Schreiner eine Maschine finanzieren, dann hilft es ihm, aber wenn wir ein Hotel finanzieren, dann haben wir eine viel grössere Wertschöpfung und Wirkung vor Ort. Eines der grössten touristischen Projekte der letzten Jahre, das wir mitfinanziert ­haben, war das Berghotel Mettmen in Schwanden im Kanton Glarus (siehe Bild-Kombo). Hier haben wir 600 000 Franken gesprochen.

«Wenn wir ein Hotel ­finanzieren, haben wir eine grössere Wertschöpfung»

Wie werden die Projekte nach der Spende noch überwacht?
Wir gehen mit Spendern und ehrenamtlichen Mitarbeitenden einige Projekte jeweils im Anschluss ­besichtigen. Zudem: Bei Projekten über 100 000 Franken geht ein ehrenamtlicher Fachexperte nach zwei bis drei Jahren ab Auszahlung nochmals vorbei – im Sinne einer Wirkungsmessung. Zudem erhalten wir von den Projektträgern jeweils Reportings zugeschickt.

Eine Bilanz: Wie viele Projekte hat die Schweizer Berghilfe bereits mit gastgewerblichen Betrieben umgesetzt?
Seit 2006 haben wir pro Jahr durchschnittlich 30 Projekte unterstützt und einen Unterstützungsbeitrag von 2,8 Millionen Franken geleistet. Das heisst pro Projekt wurden etwa 100 000 Franken gesprochen. Künftig würden wir gerne mehr touristische Projekte unterstützen. Bei Fragen kann man mich jederzeit anrufen, ich freue mich!
www.berghilfe.ch


Schweizer Berghilfe
Seit 1943 setzt sich die Schweizer Berg­hilfe für Menschen in den Bergen ein. Sie unterstützt Projekte, die Arbeitsplätze und Wertschöpfung im Berggebiet schaffen. Neben der Landwirtschaft, die den grössten Teil der Unterstützung erhält, engagiert sich die Berghilfe auch bei touristischen Projekten – in den drei Teilbereichen Hotellerie und Restauration, Agrotourismus sowie Attraktionen und Wegprojekte. Gut die Hälfte des Geldes fliesst dabei an Projekte in der Hotellerie und Restauration. Gut zu wissen: Für die Expertise der Projekte kann die Berghilfe auf 30 ehrenamtliche Experten zurückgreifen.
Quelle : Schweizer Berghilfe

Alpine Tourismuszentren
In diesen Gebieten unterstützt die Schweizer Berghilfe nicht:

  • Kanton Bern Adelboden, Grindelwald, Gstaad, Interlaken, Lenk, Saanen­möser, Schönried, Wengen
  • Kanton Graubünden Arosa, Celerina, Davos, Flims, ­Klosters, Laax, Pontresina, Sam­naun, Scuol, Sils im Engadin/Segl, St. Moritz, Valbella
  • Kanton Obwalden Engelberg
  • Kanton Waadt Leysin, Villars
  • Kanton Wallis Brig, Crans-Montana, Leukerbad, Saas-Fee, Verbier, Zermatt

 

 

 

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