Bildung unterstützen – ja aber

20 Medaillen, 13 Diplome und drei Zertifikate, so lautet das Fazit aus den WorldSkills 2017 in Abu Dhabi. Das ist das beste Schweizer Resultat seit je und damit belegt die Schweiz in der Nationenwertung den zweiten Platz hinter China.

Eigentlich wäre geplant gewesen, dass die Weltmeisterschaften im Jahr 2021 in Basel stattfinden. Doch Trägerstiftung, Bund und Stadtkanton verzichteten wegen der Kosten auf eine Kandidatur. Das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) und ihr Vorsteher, Bundesrat Johann Schneider-Ammann, erklärten auf Anfrage: «Die beteiligten Partner haben eine mögliche Kandidatur für die Durchführung der WorldSkills 2021 sorgfältig abgewogen. Die notwendigen, sehr hohen Investitionen hätten in keinem günstigen Verhältnis zum möglichen Nutzen für das Schweizer Berufsbildungssystem sowie für die regionale und nationale Wirtschaft gestanden. Der Bund, die Stiftung SwissSkills und der Kanton Basel-Stadt als Austragungsort kamen deshalb gemeinsam zum Schluss, auf eine Kandidatur für die Durchführung der WorldSkills 2021 zu verzichten.»


GastoJournal war bei den letzten WorldSkills dabei. Hier eine Rückblick. Film: Denise Ferrarese / Schnitt: Miriam Schlegel

Die Stiftung SwissSkills selber ist überhaupt nicht glücklich mit dem Entscheid des Bundes: «Da der wichtigste Geldgeber die Mittel gestrichen hat, mussten wir uns dem fügen», erklärt Ueli Müller, Generalsekretär von SwissSkills. Vor allem, dass der Bund die Teilnahme der Schweiz an den EuroSkills nicht mehr finanzieren will, findet Müller bedenklich. Die nächsten zwei Ausgaben seien finanziell noch gesichert, was danach kommt, ist noch nicht klar. «Wenn wir uns aus Europa zurückziehen, dann müssen wir uns auch nicht für die WorldSkills bemühen», gibt Müller zu bedenken.

SwissSkills erhält aber aus dem ­Nationalrat Unterstützung: Die ­nationalrätliche Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur WBK hat eine Motion eingereicht und den Bundesrat beauftragt, eine Kandidatur zur Durchführung der World- Skills 2023 zu erarbeiten und die regelmässige Teilnahme an WorldSkills sowie EuroSkills zu ermöglichen (siehe Interview unten).

Die nötigen 30 Millionen Franken, die der Bund für die Durchführung investieren sollte, wurden nicht freigegeben, obwohl nach dem Willen der eidgenössischen Räte der Bund im Kontext der Botschaft zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation in den Jahren 2017 bis 2020 eine Summe von mehr als­ 26 Milliarden Franken einsetzen soll. Das WBF wiegelte ab und liess verlauten: «Eine Schweizer Kandidatur für spätere WorldSkills Competitions ist nicht verbaut, im Gegenteil: Sie wird von den Partnern im Lichte der dannzumal bekannten Rahmenbedingungen wiederum sorgfältig geprüft werden.»

Bundesrat Johann Schneider-Ammann lobt das hiesige Bildungssystem immer wieder: «Das Schweizer Berufsbildungssystem geniesst weltweit ein sehr hohes Ansehen. Dieser gute Ruf ist das Resultat des gemeinsamen Engagements der Privatwirtschaft, der Kantone und des Bundes. Die Berufsbildung ist für die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz zentral. Sie integriert in hohem Masse junge Menschen in den Arbeitsmarkt und versorgt die Wirtschaft mit qualifizierten Fach- und Führungskräften.»


Christine Bulliard-Marbach im Interview

Christine Bulliard-Marbach will, dass Berufsweltmeisterschaften in der Schweiz stattfinden.
Christine Bulliard-Marbach ist Fribourger Nationalrätin und Präsidentin der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur WBK. Ihre Kommission hat im November 2107 eine Motion eingereicht, die den Bundesrat beauftragt, eine Kandidatur zur Durchführung der WorldSkills 2023 zu erarbeiten und die regelmässige Teilnahme an WorldSkills sowie EuroSkills zu ­ermöglichen.

GastroJournal: Welches war die Begründung des Bundesrates, kein Geld für die Durchführung von Berufsweltmeisterschaften (WorldSkills) in der Schweiz bereitzustellen?
Christine Bulliard-Marbach: Der ­Bundesrat hat im Rahmen eines grossangelegten Sparprogrammes auf die Durchführung von ­Berufsweltmeisterschaften verzichtet. ­Viele Investitionen, die nicht als unbedingt notwendig angesehen waren, wurden in diesem Rahmen gekürzt. Ich glaube aber nicht, dass der Bundesrat grundsätzlich gegen die Durchführung von Berufsweltmeisterschaften ist.

Warum erachten Sie es als wichtig, dass die Berufsweltmeisterschaften in der Schweiz durchgeführt werden?
Das duale Bildungssystem der Schweiz ist erfolgreich und originell zugleich. Die Schweiz bewirbt dieses System weltweit als Erfolgsmodell für einen gut funktionierenden Arbeitsmarkt und tiefe Jugendarbeitslosigkeit. Eine Durchführung der WorldSkills in der Schweiz würde in der Öffentlichkeit den gesellschaftlichen und ökonomischen Wert der Berufsbildung stärken und die Anerkennung der Berufsbildung national und international fördern.

Mit welchen Argumenten versuchen Sie, den Bundesrat zu überzeugen?
Ich möchte gleich zwei Argumente ins Feld führen: Zum einen darf die Schweiz stolz sein auf ihr einzigartiges System der dualen Berufs­bildung. Das gibt es sonst nirgendwo auf der Welt und das darf sich sehen lassen. Die Berufsweltmeisterschaft ermöglicht es uns, die Schweiz im Ausland in ein positives Licht zu setzen. Und zum anderen wird oft gesagt, dass der Bund nur die Universitäts- und Hochschulstudierenden sowie die Gymna­siasten proaktiv unterstützt. Mit den Berufsweltmeisterschaften hätten wir nun die Möglichkeit, das Gegenteil zu beweisen. Wir würden so der Berufsbildung mehr Wertschätzung geben.

Welchen Stellenwert hat die duale ­Berufsbildung in der Schweiz Ihres ­Erachtens?
Sie hat einen grossen Stellenwert. Und doch finde ich, dass man sie manchmal ein wenig vergisst. Im Bereich der zweisprachigen Ausbildung gibt es zum Beispiel viel mehr Angebote für die Gymnasiasten als für die Berufsschüler und Lernenden. So gibt es erst seit kurzem einen Sprachenvermerk im Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (Bulliard hat 2014 dazu ein Postulat eingereicht). Wir sind auf gutem Weg, aber den Stellenwert der dualen Berufsbildung könnte man noch verbessern.

Wo sehen Sie den Stellenwert der Schweizer Berufsbildung im internationalen Vergleich?
Ich glaube, dass der Stellenwert der Schweizer Berufsbildung in der Schweiz tendenziell stärker ist als in anderen europäischen Ländern. In Frankreich zum Beispiel wird viel stärker auf andere Bildungswege gesetzt: dort bekommen etwa 75 Prozent der Lernenden den «Baccalauréat», der unserer Maturität entspricht. In der Schweiz machen aber nur etwa 20 Prozent einer Generation von Jugendlichen die Maturität. Die Berufsbildung geniesst also in der Schweiz einen wichtigen Stellenwert im internationalen Vergleich. Viele Jugendliche entscheiden sich hierzulande für die Berufsbildung.

Welche Chancen für die Schweizer Wirtschaft eröffnen sich durch erfolgreiche und bestens ausgebildete Jungtalente?
Die Schweiz ist ein Land ohne Bodenschätze. Unser Wohlstand kommt von den Menschen, die in unserem Land leben und arbeiten. Die Stärke unserer Wirtschaft muss man auch an ihrer Fähigkeit messen, neue und innovative Lösungen für die Probleme unserer Gesellschaft zu finden. Es ist also wichtig, dass unsere Unternehmen bestens ausgebildete Arbeitskräfte einstellen können, die diesen Herausforderungen gewachsen sind.

Sehen Sie die Möglichkeit für zusätz­liche Subventionen für Betriebe, die ­Lernende ausbilden?
Ich würde dies auf jeden Fall unterstützen. Lernende auszubilden nimmt viel Zeit in Anspruch. Unsere Unternehmenden übernehmen Verantwortung und die ganze Gesellschaft profitiert davon. Das muss anerkannt werden.

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