Bocuse d'Or: So will Ale Mordasini die Favoriten auskochen!

Mit seinem Sieg beim Goldenen Koch 2019 sicherte sich Ale Mordasini (29) das Ticket fürs Europafinale des Bocuse d’Or Europa. Es ist dies der prestigeträchtigste Kochwettbewerb der Welt. 18 europäische Kandidaten kochen am 15. und 16. Oktober in Tallinn um zehn Plätze beim Weltfinale, das im kommenden Juni traditionsgemäss in Lyon ausgetragen wird. 5 Stunden 35 Minuten Zeit, um die illustre Jury in der Saku Suurhall in Tallinn zu überzeugen: Neben dem Geschmack zählen Faktoren wie Ästhetik, Originalität, Kreativität und Sauberkeit.

Die Favoriten? Zuletzt war der Wettbewerb fest in skandinavischer Hand: Vor zwei Jahren in Turin siegte Norwegen vor Schweden, Dänemark und Finnland. Erster Nicht-Skandinavier war der französische Vertreter. Ob die Kandidaten dieser Länder besser kochen als die anderen? Oder haben sie sich über die Jahre ein Top-Renommée aufgebaut, das sie mittlerweile beinahe automatisch auf die vordersten Plätze spült? Die Wahrheit dürfte irgendwo in der Mitte liegen. Fakt ist: In den skandinavischen Ländern geniesst der Wettbewerb einen ­hohen Stellenwert. Hochrangige Regierungsmitglieder setzen sich bei Testläufen an die Tische, die Kandidaten werden von der öffentlichen Hand finanziell, aber auch mit zur Verfügung gestellten Trainingslokalitäten und -materialien stark unterstützt. «Wie es in der anderen Ländern läuft weiss ich nicht», meint Mordasini cool. «Da wird viel erzählt was nicht stimmt. Wir haben uns eine Trainingsküche gebaut und haben ein optimales Umfeld geschaffen in dem wir ruhig arbeiten können. Geld ist nicht alles. Harte Arbeit und ein super Team braucht es, um Erfolg zu haben.»

Mordasinis Team: Manuel Hofer als Commis, Rasmus Springbrunn als Coach, Mario Garcia als kreativer Supporter (er sitzt für die Schweiz in Tallinn in der Jury) sowie Daniel Schmidlin als Coach und gute Seele .

Ein Skandinavier oder der Este?
Der Sieg dürfte auch in Tallinn über die Vertreter dieser Nationen führen, wobei diesmal auch der estnische Lokalmatador zum Favoritenkreis zählt: Artur Kazaritski profitiert dabei von seiner Erfahrung aus dem hohen Norden. Er ist im dänischen Dreisternerestaurant Geranium als Souschef engagiert. Für den Aargauer Mordasini dürfte es in Tallinn darum gehen, sich einen der übrigen vier Plätze fürs Weltfinale zu erkochen. Sein Vorgänger Mario Garcia erreichte 2018 den beachtlichen siebten Rang.

Sonntags lädt er zum grossen Brunch
Doch während Garcia sich vor dem Wettkampf ausschliesslich auf die Vorbereitung konzentrieren konnte, ist Mordasini hauptberuflich als Küchenchef in der Krone Regensberg (15 GaultMillau-Punkte) im Zürcher Unterland engagiert. Von Donnerstag bis Samstag bekocht er die Gäste abends, am Sonntag lädt er zum grossen Brunch. Mordasini: «An den Tagen an den das Restaurant und Hotel geöffnet ist, arbeite ich in der Krone. An den restlichen trainieren wir und laden die Batterien wieder auf.»

Kam ihm der Lockdown und die vorübergehende Schliessung des Restaurants dabei entgegen? «Der Lockdown war eine schwierige Zeit. Es war sehr unsicher, ob und wie der Wettbewerb stattfinden wird. Die Ausscheidung in Asien und Amerika wurden abgesagt und hier in Europa war bis vor ein paar Wochen noch nichts fix.»

«Dann liegt alles drin»
Mit der Junioren-Kochnati wurde Mordasini bereits Europa- und Weltmeister, vergangenes Jahr feierte er den Sieg beim Goldenen Koch. Der Bocuse d’Or dürfte der Abschluss von Mordasinis Karriere in der Welt der Kochkunst sein. Endet der Weg bereits in Tallinn oder führt er noch bis nach Lyon? Der Krone-Koch gibt sich kämpferisch: «Ich denke, es ist möglich, dass ein Schweizer einmal zuoberst stehen kann. Es braucht viel und harte Arbeit und Passion, die richtigen Entscheidungen und dann liegt alles drin. Nein, es ist keine Mission Impossible.»

Aktuelle News