Das Freilichmuseum Ballenberg braucht Bekenntnisse

Man war praktisch pleite, da sprang der Bund mit einer Sondermarke ein und machte aus dem Debakel einen kleinen Gewinn. So war das anlässlich der Olympischen Winterspiele 1948 im Oberengadin. Und so können die gleich vier Sonderbriefmarken, die 2018 fürs Freilichtmuseum Ballenberg erscheinen, auch als nette Demütigung gelesen werden: Die Marke Ballenberg, vor 50 Jahren als Stiftung angeschoben und vor 40 Jahren im Berner Oberland in Betrieb genommen, hat in der ganzen Schweiz ein herausragendes Image. Der Ballenberg braucht diesbezüglich keine Werbung, er braucht finanzielle Bekenntnisse.

Das ist schon länger klar: Vor genau vier Jahren hatte der bernische Ständerat Werner Luginbühl, damals Stiftungsrat des Ballenbergs, im Bundeshaus Alarm geschlagen: «Die ausgeglichene Betriebsrechnung wurde in der Vergangenheit damit ‹erkauft›, dass weder in den Schutz und Unterhalt von Sammlung und Infrastruktur, noch in die Erforschung der Kernsammlung der mehr als hundert historischen Gebäude, noch in dringend notwendige Weiterentwicklungen der Vermittlung der Gästeangebote genügend investiert wurde. Rückstellungen für den anstehenden Unterhalt der historischen Gebäude fehlen gänzlich. Das bedeutet einen massiven Nachholbedarf, wenn die Substanz nicht weiter Schaden nehmen soll.»

Diese Erkenntnis hatte sich insbesondere aus den Arbeiten der Historikerin und Mediatorin Katrin Rieder ergeben: Sie war 2012 auf dem Ballenberg Direktorin geworden und machte eine umfassende Auslegeordnung, welche Ständerat Luginbühl in Bundesbern darlegte. Die Analyse erschöpfte sich nicht in Klagen, wie Luginbühl dem Ständerat im Rahmen einer Motion erläuterte: «Soll die bisherige Erfolgsgeschichte mit rund 250 000 Gästen jährlich weitergeschrieben werden, rechnen die Museumsverantwortlichen in den kommenden Jahren mit jährlich durchschnittlich 3,2 Millionen Franken mehr Betriebs­aufwand, jährlich rund 1 Million Franken Unterhaltsbedarf und – auf zehn Jahre verteilt – Investitionen von rund 44,5 Millionen Franken (mit jährlichen Folgekosten von rund 900 000 Franken).»

Bundesrat und Parlament lehnten die Motion ab, und auf dem Ballenberg opferte man die Überbringer der schlechten Botschaft: Die Direktorin wurde freigestellt, der freundeidgenössisch breit aufgestellte Stiftungsrat massiv reduziert. Weil sich aber an der Faktenlage nichts änderte, holten die Schatten der Vergangenheit die neue Crew auf dem Ballenberg nun ein: Auf den Saisonbeginn vom vergangenen Wochenende hin haben die Verantwortlichen schlechte Jahreszahlen präsentieren müssen – ein Verlust von fast einer Million Franken bei knapp 200 000 Eintritten.

Besserung ist nicht in Sicht, denn die Probleme sind systemisch: Das Museum arbeitet zwar gut, wenn auch die Internationalisierung im Tourismus und die Erneuerung auf dem Binnenmarkt herausfordernd sind. Aber seine Kosten und seine Re­investitionen wird der Ballenberg niemals alleine tragen können. Insofern wäre selbst eine Sondermarke, wie sie einst St. Moritz rettete, nur eine kurzfristige Entlastung – es sei denn, sie erschiene regelmässig (vgl. unten).

Ballenberg einbetten
Eine regelmässig erscheinende Sondermarke mit Verkaufszuschlag (vgl. ganz oben) wäre ein Königsweg, um die strukturellen Finanzprobleme auf dem Ballenberg in den Griff zu bekommen. Ein weiterer Ansatz, den die Verantwortlichen verfolgen, sind finanzielle Bekenntnisse von öffentlichen und privaten Trägerschaften: langfristige Vereinbarungen mit Kantonen, aber auch mit zugewandten Institutionen oder Konzernen. 2014 hatte der Ballenberg auf Bundesebene ein solches Szenario erfolglos versucht, mit dem Kanton Bern ist es inzwischen umgesetzt – der Ballenberg erhält gut eine Million pro Jahr. Indes hat sich gezeigt, dass der Ballenberg zwar ein grosser Sympathieträger ist, aber nachhaltig tätige Hilfe angesichts fortgesetzter staatlicher Sparübungen nur schwer zu bekommen.

Aktuelle News