Das Tessin war und ist einen Schritt voraus

Das Tessin ist in der Schweiz touristisch seiner Zeit voraus: Die Region war einst das vorrangige Traumziel des boomenden deutschen Mittelstandes. Und als ab den 1980er Jahren weltweit touristische Konkurrenz auftauchte und die euro­päischen Nahmärkte schliesslich einbrachen, litt das Tessin zuvorderst und stark.

Die schwere Strukturkrise, in der viele klassische alpine Ferienregionen zurzeit stecken, hat das Tessin insofern bereits hinter sich: Die Frequenzen sind wieder im Steigen begriffen; die erfreuliche Entwicklung ist hierzulande allenfalls vergleichbar mit internationalen Topzielen. Einen Schritt voraus ist das Tessin auch hinsichtlich der Tourismus­organisation. Zwar sind die Regionen namentlich des Sopra- und des Sottoceneri in vieler Hinsicht nur schwer vergleich- und vereinbar. In der Baisse ab den 1990er Jahren beschäftigten sich die Tessiner Tourismusverantwortlichen denn auch im strategischen und operativen Bereich vorrangig mit Nabelschauen und Bruderkämpfen.

Doch die Krise war schliesslich so total, dass der Durchbruch gelang. Unter Führung der ehemaligen Volkswirtschaftsdirektorin Laura Sadis, die zurzeit als künftige Bundesrätin gehandelt wird, modernisierte der Kanton Tessin seine Tourismusorganisation radikal. Grundlage ist ein Tourismusgesetz, das seit 2015 in Kraft ist.

Als einziger Kanton setzt das Tessin auf das St. Galler Modell des Destinationsmanagements, das sich konsequent an Angebot und Nachfrage orientiert. Wie ein Audit im Auftrag des Kantons nun ergeben hat, gibt es zwar Anlaufschwierigkeiten – unter anderem sind manche der Vorgaben nicht in allen vier Regionen umgesetzt. Doch grundsätzlich herrschen kaum Zweifel, dass die richtigen Wege eingeschlagen sind und das Tessin einen Schritt vorausbleibt – auch im Positiven.

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