Der Getränkemarkt im Fokus

Im Gastgewerbe sind Getränke ein wichtiges Gut, da Gastronomen sie in der Regel mit einer interessanten Marge verkaufen können. Für die Branche ist es daher wenig erfreulich, dass die Schweizerinnen und Schweizer 2016 weniger Geld für Getränke auswärts ausgegeben ­haben als in den Vorjahren. Das zeigt der aktuelle Branchen­spiegel von GastroSuisse, der mögliche Gründe für den Rückgang beim Wetter sieht: Im vergangenen Jahr waren die Frühlings- und Sommermonate relativ kühl und regnerisch, was sich negativ auf den Getränkekonsum auswirkte.

Der Zusammenhang zwischen Wetter und Durst ist besonders gut beim Bier erkennbar: Wie Marcel Kreber, Direktor des Schweizer Braue- rei Verbandes, in GastroJournal erklärte (GJ45/2016), können Brauereien bei «einem schönen, warmen Frühling positiv ins nächste Jahr schauen». Dann sei die Lust auf ein erfrischendes Bier bei den Gästen am grössten. Zu heiss dürfe es aber auch nicht sein, denn schon ab einer Temperatur von rund 30 Grad würden Konsumenten Wasser dem Bier vorziehen.

Die Entwicklungen auf dem Getränkemarkt sind aber nicht nur von der Witterung abhängig, sondern auch von aktuellen Interessen der Gesellschaft. So ist das wachsende Gesundheitsbewusstsein beim ­Getränkekonsum spürbar: «Es gibt eine Tendenz zu kalorienarmen und kalorienfreien Getränken», sagt Christiane Zwahlen, Leiterin Kommunikation beim Verband Schweizerischer Mineralquellen und Soft-Drink-Produzenten (SMS): «Inzwischen gibt es da viele ­Alternativen auf dem Markt.» Wie Statistiken des Verbands belegen, ist der Pro-Kopf-Konsum von Erfrischungsgetränken, zu denen unter anderem Limonaden und Schorlen gehören, seit Jahren rückläufig.

Das Lieblingsgetränk der Schweizerinnen und Schweizer ist und bleibt hingegen Mineralwasser: Mit einem jährlichen Konsum von 114 Litern pro Kopf hält sich die Nachfrage seit Jahren auf dem gleichen Niveau. Interessanterweise sind es auswärts aber die Heissgetränke, die am häufigsten bestellt werden: Gemäss dem Branchenspiegel von GastroSuisse beträgt der Konsum von Kaffee, Tee und Milchgetränken fast ein Drittel (31,8%) vom gesamten Getränkemarkt ausser Haus. Diese Getränke werden hauptsächlich morgens und nachmittags konsumiert (siehe Grafik unten). Nach den Heissgetränken nimmt Mineralwasser bei den auswärts konsumierten Getränken den zweitgrössten Anteil ein (19,11%), an dritter Stelle folgt Wein (11,2%).

Beim Wein zeigt sich: Je älter die Gäste, desto häufiger trinken sie Wein. So gönnen sich grösstenteils Gäste zwischen 50 und 74 Jahren zum Essen einen edlen Tropfen. Gemäss dem Branchenspiegel von GastroSuisse bevorzugt diese Gäste­gruppe Rotwein, während die jüngeren Gäste anteilsmässig häufiger Weisswein konsumieren. Sehr beliebt ist in diesem Zusammenhang der «­gespritzte Weisswein» als Aperitif. Insgesamt ist der Weinkonsum im Vergleich zum Vorjahr allerdings um 3,8 Prozent zurückgegangen. Das bestätigen Zahlen der Vereinigung Schweizer Weinhandel. Gründe dafür seien unter anderem der starke Franken und der Einkaufs- tourismus.

Der Einkaufstourismus ist nicht zuletzt deswegen ein Problem, weil viele Importprodukte in der Schweiz auf Eintrittshürden stossen: Gemäss dem Verband Schweizerischer Getränkegrossisten (VSG/ASDB) sorgen spezifische Deklarationsvorschriften, Verpackungsverordnungen und übermässige Zollabgaben dafür, dass die Lancierung ausländischer Getränke hierzulande stark erschwert ist. Zudem schätzen ausländische Produzenten das Marktpotenzial in der Schweiz häufig als zu bescheiden ein, um den entsprechenden Aufwand auf sich zu nehmen.

Das Angebot auf dem Schweizer ­Getränkemarkt ist dennoch breit und wird regelmässig durch neue ­Kreationen ergänzt, die häufig aus der Schweiz stammen. Erfolgreiche Beispiele sind die Flauder Limonaden vom appenzellischen Unternehmen Goba oder die Milchmischgetränke von Emmi. Zudem kommen immer mehr Sport- und Wellnessgetränke auf den Markt, die auf das wachsende Gesundheitsbewusstsein der Konsumenten zugeschnitten sind. Der VSG/ASDB empfiehlt daher, sich durch neue Produkte klar im ­Getränkeangebot zu differenzieren und möglichst flexibel und kundennah zu agieren.

Getränke-Konsumation nach Tageszeit: Morgens ist Kaffee (28%) beliebt,  mittags Hahnenwasser (70%) sowie abends Bier (61%) und Wein (60%).

Getränke-Konsumation nach Tageszeit: Morgens ist Kaffee (28%) beliebt, mittags Hahnenwasser (70%) sowie abends Bier (61%) und Wein (60%).

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