Die Familie mit dem Gastro-Virus

Die Familie Sialm sind Gastronomen durch und durch. Das Hotel Alpsu in Disentis ist schon seit der vierten Generation in Familienbesitz. Für Annalisa, die nach der Heirat den Namen Giger angenommen hat, war schon von Anfang an klar, dass sie diese Tradition weiterlebt. Ursprünglich hat sie eine kaufmännische Ausbildung in einem Hotel in Laax gemacht. Später arbeitete sie ein Jahr lang in einem Treuhandbüro. «Das war aber nicht meine Welt», erinnert sich die Gastronomin. Später absolvierte sie noch die Gastro-Unternehmerausbildung G1 bis G3.

Zum Hotel Alpsu gehört eine Pizzeria, die Annalisa als 20-Jährige von ihren Eltern übernommen hat. Sie und ihr Mann hatten den Betrieb erst fünf Jahre lang geführt, als er verstarb. Die beiden Töchter waren gerade ein und zwei Jahre alt. «Ohne die Unterstützung meiner Eltern und Geschwister hätte ich es nicht geschafft», erinnert sie sich an die schwere Zeit. Ihre Eltern hätten sich oft um die Kinder gekümmert. «Mein Vater hat mit den Mädchen jeweils die Hausaufgaben erledigt, und meine Mutter ging mir im Betrieb zur Hand.» Mittlerweile habe sich ihr Vater zur Ruhe gesetzt. Aber ihre Mutter helfe auch mit ihren 75 Jahren noch immer im Hotel aus.

Insgesamt 22 Jahre lang war Annalisa für die Pizzeria verantwortlich. Mittlerweile führen ihre jüngere Tochter und ihr Mann den Betrieb. Die ältere Tochter habe eine Ausbildung bei Gastroconsult AG absolviert – der Gastronomievirus ist also auch da gelandet.

«Der grosse Zusammenhalt in der Familie ist für mich enorm wichtig», erklärt Annalisa Giger. Auch zu ihren zwei Schwestern und ihrem Bruder habe sie ein enges Verhältnis. Zu der Zeit, als sie die Pizzeria geführt habe, war ihr Bruder für das Hotel verantwortlich. 2009 hat Annalisa den Betrieb übernommen. Für die Geschwister war das selbstverständlich.

Seit sechs Jahren ist der Partner von Annalisa, Danilo Braccini, für den Service im Hotel verantwortlich. «Ursprünglich kommt Danilo aus der Versicherungsbranche. Mittlerweile ist auch er mit dem Gastronomievirus infiziert», freut sich Annalisa. Sie sei sehr ehrgeizig und musste mit Danilo lernen, dass sie auch einmal Fünfe gerade sein lässt. «Er geht in manchen Dingen anders vor als ich, und das muss ich akzeptieren.» Die beiden haben die Aufgaben im Betrieb aufgeteilt: Annalisa ist für die Küche und das Büro zuständig, Danilo kümmert sich um die Gäste.

Vor drei Jahren hat die 51-Jährige noch eine Kochlehre abgeschlossen, weil sie selber im Betrieb Lernende ausbilden. «Die Lehre war für mich eine sehr spannende Zeit.» Sie konnte viel von ihren Mitlernenden in der Berufsschule profitieren. «Obwohl ich viel älter war, fühlte ich mich gut integriert in der Klasse. Die meisten machten keinen Unterschied zwischen mir und den anderen.»

Seit diesem Frühling ist Annalisa Giger Mitglied des Vorstandes bei GastroSuisse. Ihre Karriere beim Verband hat sie als Präsidentin von GastroSurselva und später von GastroGraubünden begonnen. «Dass ich in die Verbandsspitze möchte, hatte ich schon lange im Hinterkopf.» Bei ihrem Engagement unterstützt sie wiederum die Familie. «Wenn ich nicht da bin, springt mein Bruder für mich im Hotel ein.»

In der Verbandsarbeit möchte sie ihre Leidenschaft für die Branche weitergeben. Aus­serdem will sie für bessere Rahmenbedingungen für die Mitarbeitenden in der Branche kämpfen, damit mehr Leute in der Gastronomie arbeiten möchten. «Für mich ist die Verbandsarbeit ein Geben und Nehmen.»

An dieses Credo hält sie sich auch, wenn es um ihre eigenen Mitarbeitenden geht: «Wenn meine Mitarbeitenden sehen, dass ich mich für sie einsetze, sind sie viel eher bereit, Leistung zu zeigen.» Dass sie damit recht hat, zeigt, dass sie auf langjährige Mitarbeitende zählen kann. «Ich kann mich bei meiner Verbandsarbeit auch auf sie verlassen. Der Betrieb läuft genau gleich gut, auch wenn ich einmal nicht da bin.»

 

 

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