«Die Gastronomie braucht Frauen»

Das Thema des im Januar stattfindenden Forums für die Frauen im Gastgewerbe (FForum) heisst «Hinfallen. Aufstehen. Krone richten. Neue Wege gehen». Sara Berfin Efe (31) nickt. «Man muss immer ein bisschen kämpfen, um etwas zu erreichen.» Sie ist Geschäftsführerin im Zürcher Szene-Restaurant Korner und sitzt nach dem Mittagsgeschäft an einem der Holztische im gemütlich-coolen Ambiente, von hinten fällt Licht von der Bar auf ihr Profil. «Es gibt immer Dinge, die einem nicht passen, das gehört zum Leben dazu», führt sie aus. «Dann muss man eben das Beste daraus machen.»

Das Korner, dessen kulinarischer Fokus auf Gourmetburgern liegt, läuft nicht schlecht. Zurzeit generiert das Team etwa 70 bis 75 Prozent des Umsatzes vom letzten Jahr. Dank Trennwänden haben sie «nur» 10 von 80 Plätzen verloren. Das Schutzkonzept schafft bei den Gästen Vertrauen. Im Korner überwiegen die männlichen Gäste, sie machen etwa 60 Prozent aus.

Als Referentin am FForum wird Berfin Efe über die Digitalisierung und neue Verkaufskanäle sprechen, die sie während des Lockdowns aufgetan hat. Etwa das Hinzufügen von Delivery-Firmen auf dem Betriebsportal und wie dies den Um­­satz steigerte. «Trotz 30 Prozent Provision lohnt es sich für uns», erklärt sie. «Wir haben dadurch neue Kunden gewonnen.» Weitere Inhalte seien Bewertungen und Tischreservationssysteme. Sie habe ein solches eingeführt. «Natürlich nehmen wir auch telefonische Reservierungen entgegen», sagt sie. Neben den QR-Codes fürs Menü hängen die laminierten Speisekarten an den Trennwänden. All dies wird sie in ihrem Referat in den Fokus stellen. «Und wie wichtig eine Stammkundschaft ist!»

Bevor sie Geschäftsführerin wurde, arbeitet sie drei Jahre als Chef de Service im Korner. Sie hat die Stammgäste stets umhegt und gepflegt, nun unterstützen diese sie in der schwierigen Zeit. «Das ist wunderschön», sagt die junge Frau. «Und der offerierte Kaffee ist kein Geschenk, sondern Bestechung, damit sie wieder kommen!»

Beruflich genetisch «vorbelastet»
Ihr Weg ist anders und doch erkennen sich vielleicht viele darin wieder. Sara Berfin Efe ist ursprünglich Kurdin und mit sieben Jahren aus Ankara in die Schweiz gekommen. Der Vater musste aus politischen Gründen flüchten. «Ich habe fast keine Erinnerungen an die Türkei, erst seit ich in der Schweiz bin, erinnere ich mich an alles», sagt sie lachend. Seit sie 16 ist, hat sie den Schweizer Pass.

Die Gastronomie liegt ihr genetisch im Blut. Ihr Vater kommt aus der Gastronomie, arbeitete in der Türkei auch im Hotel Hilton. Eines Tages fand ein Anlass des deutschen Konsulats statt. Der Botschafter hatte kein Geld dabei und sagte zu ihm: «Ich kann dir kein Trinkgeld geben, aber falls du mal ein Visum brauchst, schreibe mir.» Drei Jahre später, als es für ihren Vater akut wurde, schrieb er den Herrn an und erhielt tatsächlich das versprochene Visum.

Frauenpower im Korner
Die Gastrobranche hat Sara Berfin Efe von klein auf angezogen: Sie lernt Restaurationsfachfrau im City Hotel in Wettingen AG. Letztes Jahr hat sie den Berufsbildner abgeschlossen. Das Korner bildet drei Lehrlinge aus – bei total zehn Mitarbeitenden. «Für mich ist der Job nicht einfach eine Arbeit oder eine Branche, das hier ist das Leben!», sagt sie. «Es geht darum, wie man mit Menschen umgeht und Feingefühl für die verschiedenen Charaktere zeigt.»

Seit einem guten Jahr prägt sie als Geschäftsführerin das Korner; sie ist das Gesicht des Betriebs. «Ich bin so dankbar, dass ich diese Chance bekommen habe, mich als Geschäftsführerin zu beweisen», sagt sie. Was machen Frauen als Führungskräfte besser als Männer? «Vieles!», sagt sie und wirft die Hände nach oben. «Sie sind organisierter. Obwohl mein Chef de Service das auch super macht.» Aber Frauen seien eher Perfek­tionistinnen. «Wie auch immer, die Gastronomie braucht unbedingt Frauen!» Im Korner sind die Führungspositionen von Frauen besetzt, etwa Küchenchefin Sina Soares oder Sous-chefin Linda Rhyner. Dies sei aber ein Zufall. «Wir arbeiten perfekt zusammen.»

Corona hat diesbezüglich allen nochmals eine Lektion erteilt. «Man muss flexibel bleiben und sich für nichts zu schade sein», sagt die Chefin. Den Boden nass aufnehmen? Toiletten putzen? Falls nötig, macht sie auch dies. So sei sich auch keiner der Mitarbeitenden zu schade dafür. Sie fährt eine flache Hierarchie. Man könne über alles reden, sie müsse niemanden anschreien und möchte die Mitarbeitenden dazu bringen, selber zu reflektieren. «Aber wehe, wenn ich mal laut werden muss …»

Wissen, wo man hin will
Diese Kraft zu wachsen, ist einfach in ihr. Stehenbleiben gilt nicht, sie hat immer schon ein höheres, nächstes Ziel vor Augen. Gerade in der aktuellen Zeit müsse ein Vorgesetzter eine positive Energie mitbringen, damit auch die Mitarbeitenden mitziehen. «Man muss doch wissen, wo man hin will!» Irgendwann möchte sie sich im Gastrobereich selbstständig machen. Ideen sind vorhanden, aber noch nicht spruchreif. Sie ist mehr der Typ Macherin, und keine, die erst mal grosse Töne zirpt.

Sara Berfin Efe ist definitiv in der richtigen Branche gelandet, sie lebt ihren beruflichen Alltag mit Professionalität und Leidenschaft. Es sei tatsächlich eine Berufung. «Wenn man etwas gern und gut macht, dann schafft man es auch, durch eine Pandemie zu kommen», sagt die Gastronomin nachdenklich. Aber nicht allein. «Ich bin dankbar dafür, ein so loyales und tolles Team hinter mir zu wissen. Zusammen werden wir uns durch diese Krise kämpfen und wieder aufstehen.»

-------------------------------------

★ Sara Berfin Efe und das Restaurant Korner
Sie hat immer ein Ziel vor Augen und ganz viel Energie: Sara Berfin Efe (31). Mit sieben Jahre reist sie als kur­discher Flüchtling in die Schweiz ein und wächst in Obersiggenthal AG auf. Sie schliesst die Lehre zur Restaurationsfachfrau ab, bildet sich weiter zur Berufsbildnerin und Sachbearbeiterin Immobilienbewirtschaftung. Heute lebt sie in Zürich und ist Geschäftsführerin im Korner in Zürich. Der 2012 eröffnete Betrieb ge­- hört der Urban Burger GmbH. Spezialität sind hausgemachte Gourmetburger vom Fleisch schottischer Hochland­rinder von Mara Simonettas Hof in Diet­wil AG. Auch vegetarische und vegane Burger stehen auf der Karte. Wo möglich stammen die Zutaten von regionalen Familien- und Kleinunternehmen.

-------------------------------------

Grosse Unterstützung dank L-GAV

Der L-GAV des Gastgewerbes unterstützt neu die Teilnehmerinnen des Forums für Frauen im Gastgewerbe.

Die mehrtägige Impulstagung «Forum für Frauen im Gastgewerbe» (FForum)findet vom 10. bis 14. Januar 2021 statt. Austragungsort ist das Romantik Hotel Schweizerhof in Grindelwald BE.
Der 1987 gegründete Anlass von GastroSuis­se für weibliche Führungskräfte aus Hotellerie, Gastronomie und Tourismus steht unter dem Aspekt der Weiterbildung, dem intensiven Austausch unter den Teilnehmerinnen und einer wertvollen, jährlichen Auszeit. Das Tagungsmotto heisst «Hinfallen. Aufstehen. Krone richten. Neue Wege gehen.» Rund 20 Referentinnen und Referenten versprechen ein spannendes Programm und bieten Lösungsansätze für den Berufsalltag.

Unterstützung: Wer profitiert?
GastroSuisse-Mitglieder profitieren von einem Seminar-Rabatt von 300 Franken. Neu wird die Teilnahme am FForum vom L-GAV mit 900 Franken unterstützt. Berechtigt dazu sind Teilnehmerinnen, deren Betrieb zum Zeitpunkt der Anmeldung zum FForum zwingend dem Lan­desgesamtarbeitsvertrag des Gastgewerbes unterstellt ist.

Covid-19: Schutzkonzept
GastroSuisse hat für das FForum ein geeignetes Schutzkonzept nach Vorgaben des Bundes erstellt, das situativ jederzeit angepasst werden kann. Die Anzahl der Teilnehmerinnen ist limitiert. So können die Gäste im vorgeschriebenen Abstand Platz nehmen. Die Organisatoren bitten die Teilnehmerinnen, geeignetes Schutzmaterial (Nasen-Mund­-Schutz) mitzubringen, da der Mindestabstand beim Networking nicht zu jeder Zeit garantieren werden kann. Weitere Infos unter
www.fforum-gastrosuisse.ch

Aktuelle News