Die Kinder auf die Piste bringen

Hans Pieren ist als Sohn eines ­Hoteliers und Skilehrers in Adelboden und Interlaken aufgewachsen. Pieren lernte zuerst Koch, war aber schon damals ein erfolgreicher Skirennfahrer des Skiclubs Adelboden und wurde namentlich im Riesen-slalom Weltspitze. Nach seiner Karriere als Aktiver baute er mit seiner Frau einerseits ein Unternehmen für Rennbedarf auf, ­andererseits bildete er sich zum Trainer aus und führte verschiedene Equipen, so die Schweizer Damen. Bekannt wurde Pieren, der in Adelboden lebt und zwei erwachsene Kinder hat, aber auch als weltweit gefragter Experte für die Präparierung von Rennpisten. In Adelboden engagiert er sich jedoch auch an der Basis und gründete vor zehn Jahren die «Kander Kids».

GastroJournal: Hans Pieren, die «Kander Kids» gibt es inzwischen 10 Jahre. Wie hat das angefangen?
Hans Pieren: Ausgegangen ist das eigentlich vom Skiclub Adelboden, einem der grössten Skiclubs in der Schweiz. Dieser Club hatte seit Beginn des Weltcups 1967 und auch vorher immer Rennfahrerinnen und Rennfahrer hervorgebracht, die an der Weltspitze mitmischten. Vor gut zehn Jahren jedoch riss diese Serie. In der Folge machten wir uns Gedanken darüber, wie wir wieder mehr Begeisterung für den Skisport wecken könnten.

Sie wollen wieder den Anschluss an die Weltspitze schaffen?
Wenn das ein Effekt der Kander Kids wäre, hätte der Skiclub natürlich nichts dagegen, und die Kander Kids sind auch nach wie vor eng mit dem Skiclub verbunden, indem der Club Ressourcen zur Verfügung stellt und die motivierten Kinder gewissermassen gleitend in den Rennsport überwechseln können. Aber als wir uns damals Gedanken machten und das Projekt auf die Beine stellten, war der Rennsport nur ein Aspekt – und auch nicht der wichtigste.

«Wie wir wieder mehr ­Begeisterung für den Skisport wecken könnten»

Was war wichtig?
Vor allem wollten wir die Kinder aus unserer Region wieder vermehrt für den Schneesport begeistern und auf die Piste bringen. Als wir damals eine Auslegeordnung machten, merkten wir etwa mit Blick auf den hiesigen Eishockeyclub einerseits, dass auch wir im Schneesport bereits jüngere Kinder abholen müssen. Andererseits fanden wir relativ rasch motivierte Partner, die unser Anliegen teilten und unterstützten: die Tourismus­organisation, die Organisation der Adelbodner Weltcup-Rennen, die Skischule, welche die Kander Kids inzwischen organisiert, und nicht zuletzt die Bergbahnen sowie die Gemeinde Adelboden.

Sie hatten Erfolg?
Ja, was auch damit zu tun hat, dass alle Beteiligten ihren Beitrag dazu leisteten, damit es günstig und attraktiv ist, bei den Kander Kids mitzumachen. Kein Kind soll aus finanziellen Gründen darauf verzichten müssen, und inzwischen sind wir soweit, dass die jüngeren Geschwister von aktiven Kander Kids sehnlichst darauf warten, auch mitzumachen – und auch die Eltern sind begeistert und nutzen nicht selten die Gelegenheit, ebenfalls ins Skigebiet zu kommen, wenn ihre Kinder da sind.

«Die Kinder, die Eltern und die Partner sind zufrieden»

Alle profitieren?
Wir hatten in den ersten Jahren ein starkes Wachstum. Mittlerweile haben sich die Zahlen auf einem erfreulichen Niveau um die 170 Kinder stabilisiert. Die Kinder, die Eltern und die Partner sind zufrieden, und ein besonderes Kompliment ist es, als sich im nahen Kiental eine Gruppe gebildet hat, die erfolgreich dasselbe Ziel verfolgt wie wir.

Aber national läuft nichts?
Ja, dabei fände ich es wertvoll, wenn auch auf nationaler Ebene mehr Verantwortung in dieser Hinsicht übernommen würde, denn da sind grosse Synergien möglich. Das hat sich nicht nur bei uns im Tal gezeigt, wo das Projekt heute völlig unbestritten ist, obschon es alle ­etwas kostet. Das Potenzial zeigt sich auch darin, dass wir seit zwei Jahren mit Rivella auf einen starken Partner zählen dürfen, der das Projekt als Hauptsponsor unterstützt.

«Auf nationaler Ebene mehr Verantwortung übernehmen»

National gibt es insbesondere GoSnow, die Schulen bei der Organisation von Schneesportlagern unterstützt?
Projekte wie GoSnow finde ich zwar richtig und wichtig. Aber es dürfte nicht schaden, etwa von nationalen Organisationen wie Swiss Ski aus auch an der Basis mitzumachen und bewährte Projekte wie die Kander Kids zu fördern – und zwar nicht nur im Kandertal, sondern in der ganzen Schweiz.

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