«Die Massnahmen sind diskriminierend»

Heute kehrt ein Stück Normalität in die Schweizer Gastronomie zurück. Die Betriebe dürfen wieder Gäste empfangen, wenn auch nur unter strengen Auflagen. Besonders schwierig haben es dabei Barbetriebe. Kathrin Leisi, Präsidentin der SBU Swiss Barkeeper Union, zeigt sich enttäuscht ob der Regeln, denen Barbetriebe unterworfen sind.

In einem offenen Brief an Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga äussert sich Leisi wie folgt:

«Die SBU Swiss Barkeeper Union begrüsst, dass Schweizer Gastronomiebetriebe wieder öffnen dürfen. Dass dabei gewisse Regelungen und hygienische Massnahmen sowohl von den Betrieben als auch von den Gästen momentan befolgt werden müssen, steht ausser Zweifel. Wir sind uns bewusst, dass von uns viel Disziplin gefordert wird, und wir sind bereit, diese Disziplin aufzubringen.

Für uns unverständlich ist die neue Einschränkung bezüglich Öffnungszeiten in der neuen Verordnung 2 über Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus (COVID-19), Transitionsschritt 2 für Restaurationsbetriebe. Wir halten sie für diskriminierend und ein Zeichen von fehlendem Vertrauen in die Barbetreiber in der Schweiz.

In den Reihen unseres Berufsverbandes SBU Swiss Barkeeper Union befinden sich viele selbständige Barbetreiber, die ihren Hauptumsatz nach Mitternacht erzielen. Die gastronomischen Betriebe gerieten durch die angeordnete Schliessung der letzten zwei Monate in starke wirtschaftliche Bedrängnis. Durch eine angeordnete schweizweite Sperrstunde um 0:00 Uhr wird diese Existenzbedrohung für einige Betriebe und ihre Mitarbeiter stark verstärkt.

Auch ohne Corona sind wir bereits für die Ordnung in unseren Betrieben verantwortlich und können für Missstände und Vorkommnisse zur Rechnung gezogen werden. Vor und nach Mitternacht.

Für uns befremdend ist auch die Tatsache, dass Ihr Verhandlungspartner GastroSuisse nach Aussagen von Präsident Herr Casimir Platzer von dieser geplanten Massnahme nichts wusste und von ihrer Existenz erst erfuhr beim Lesen der Verordnung. Bitte, bedenken Sie auch, dass viele der betroffenen Betriebe auf kommunaler und kantonaler Ebene beachtliche Beträge für eine Öffnung nach Mitternacht zahlen. In den letzten 20 Jahren gab es viele massive Restriktionen auf gesetzlicher Ebene, die dazu führten, dass vor allem kleine Schweizer Bars auf dem Land nicht mehr existieren. Wie viele soziale Komponenten des öffentlichen Lebens sollen noch wegpolitisiert werden?

Die Gesundheit der Bevölkerung steht an erster Stelle. Es gibt viele Bausteine unseres gesellschaftlichen Lebens, die zur Gesundheit der Bevölkerung beitragen. Gerne weisen wir Sie nochmals darauf hin, dass ein grosser Klärungsbedarf nach wie vor bei den Mietzinsen besteht. Viele Mieter von Bars konnten mit ihren Vermietern noch keine Lösung finden. Die Reserven sind irgendwann aufgebraucht. Stundung und Kredite sind hier keine Lösung.»

Ob sich Sommaruga und die zuständigen Behörden nochmals besinnen? Klar ist: Für viele Bars ist die aktuelle Lösung nicht befriedigend. Fortsetzung folgt bestimmt.

Aktuelle News