«Die Schicksale meiner Mitarbeiter gehen mir sehr nahe»

GastroJournal: Stefan Heilemann, am letzten Dienstag wurde die Schliessung des Hotels Atlantis by Giardino per Ende April bekannt. Damit schliesst auch Ihr Restaurant Ecco. Wie geht es Ihnen?
Stefan Heilemann: Das Wichtigste ist, dass meine Mitarbeiter und ich gesund sind. Anderen Menschen geht es zurzeit viel schlechter. Aber klar: Wir sind alle sehr traurig.

Wann haben Sie erfahren, dass Sie nach dem Coronavirus nicht mehr in Ihre Küche zurückkehren werden?
Ein Tag früher.

Was ging Ihnen durch den Kopf?
Zuerst konnte ich es kaum fassen. Damit habe ich nicht gerechnet. Als Nächstes gingen meine Gedanken an meine Mitarbeiter. Wir sind ein grossartiges Team, die einzelnen Schicksale meiner 14 Mitarbeiter gehen mir sehr nahe.

Durften Sie Ihre Mitarbeiter selbst informieren?
Ja, ich habe jeden einzeln angerufen. Es waren sehr harte Momente. Jeder weinte. Es ist furchtbar, eine solche Nachricht aufgrund der Coronasituation telefonisch weitergeben zu müssen. Man kann sich nicht in die Augen schauen, sich nicht umarmen, sich kaum trösten.

2 Michelin-Sterne, 18 Gault-Millau-Punkte – nun werden Sie auf dem Weg nach ganz oben abrupt ausgebremst.
Ja, leider. Wir waren mit dem Restaurant auf einer tollen Reise, die nun zu früh endet. Aber dabei geht es nur nebensächlich um die Sterne und Punkte. Was in erster Linie zählt, ist die Identität, die wir da entwickelt haben. Die Stammkundschaft, die wir aufgebaut haben. So viele Gäste, die wiederkamen, weil sie das liebten, was in der Küche und im Service für sie getan wurde.

Hadern Sie zurzeit mit dem Schicksal oder blicken Sie bereits nach vorne?
Ich hadere nicht. Aber natürlich ist es schwierig, zu akzeptieren, dass diese Zeit so plötzlich endet. Ohne Vorwarnung, ohne wenigstens einen Closing Event. Ich richte den Blick aber bereits nach vorne. Ich habe meinen Mitarbeitern versprochen, ihnen zu helfen, wenn es um die Vermittlung von Stellen geht. Doch das wird sich alles erst nach der Coronakrise zeigen, respektive nach der Wiedereröffnung aller Restaurants. Wer weiss, was dann ist. Es wäre natürlich schön, künftig wieder mit den gleichen Leuten zu arbeiten. Wir haben es letztes Jahr geschafft, schwarze Zahlen zu schreiben. Das Ecco lief sehr, sehr gut.

Gibt es bereits erste Anzeichen, wohin es Sie treiben wird?
Dafür ist es noch zu früh. Es gilt nun, in Ruhe zu überlegen, wie der nächste Schritt aussehen soll. Der Support ist riesig. Zahlreiche Kollegen und Gäste haben sich gemeldet. Das Leben geht weiter.

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