«Die Zeit wird hart und vermutlich monoton»

GastroJournal: Daniel Borner, was raten Sie den Mitgliedern von GastroSuisse in dieser Krise?
Daniel Borner: Nach dem ersten Schock gilt es durchzuatmen und eine saubere Auslegeordnung über die Situation im Betrieb und bei den Kosten zu erstellen. GastroSuisse hat zahlreiche Sofortmassnahmen empfohlen und unterstützt die Mitglieder mit Merkblättern (weitere Tipps im Interview mit Gastroconsult, Anmerkung der Redaktion). Allerdings befürchten wir, dass beispielsweise nicht alle Mitglieder Kurzarbeit angemeldet haben. Das müssten jene Betriebe sofort nachholen. Zudem sollten die Unternehmer die Liquiditätssituation analysieren und notfalls Kredite beantragen – im Wissen, kurzfristig Schulden zu machen.

Die Betriebe sollten sich auch auf eine schrittweise Rückkehr zum Normalzustand vorbereiten. Welches Vorgehen empfehlen Sie?
Wichtig ist, zuerst die Situation und die Infrastrukturen zu analysieren und die Kostenseite zu hinterfragen. Gibt es zum Beispiel kurzfristiges Sparpotenzial? Tatsächlich wird irgendwann die Rückkehr in den Normalzustand kommen. Aber die Mitglieder müssen davon ausgehen, dass er in Etappen erfolgt. Dann stellt sich die Frage, was das für jeden einzelnen Betrieb bedeutet, etwa beim Personal.

Das hängt davon ab, was der Bund anordnet.
Richtig. Wir werden für mögliche neue Situationen wiederum Merkblätter erarbeiten und Empfehlungen abgeben. Aber diese können wir erst publizieren, wenn wir die Auflagen kennen. Ich muss leider davon ausgehen, dass die Restaurants nur wieder schrittweise geöffnet werden.

In einem Interview mit dem GastroJournal forderte Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann letzte Woche, dass die Massnahmen des Bundesrats per 20. April gelockert werden. Was halten Sie davon?
Für mich sind die Massstäbe des Bundesrats entscheidend. Er ist mit seinen Experten quasi das nationale Kompetenzzentrum für solche Fragen. Bis anhin hat der Bundesrat einen guten Job gemacht. Ich habe deshalb das Vertrauen, dass er auch in diesem Fall zum gegebenen Zeitpunkt richtig entscheidet. Ich persönlich finde es gefährlich, über Lockerungen zu reden, denn das hält sich in den Köpfen der Bevölkerung und kann zu einem weniger konsequenten Umgang mit den Bestimmungen des BAG führen, was die Restriktionen letztlich verlängern werden.

Wie gut ist der Verband in dieser Krise aufgestellt?
Der Verband ist stark vernetzt und verfügt über eine hohe Fachkompetenz und gute Kommunikationsinstrumente wie die Hotline, den Newsletter, das Web oder das GastroJournal. Als ich Mitglied des Führungsstabs des Kantons Thurgau war, gab es den Leitspruch: in der Krise Köpfe kennen. GastroSuisse-Präsident Casimir Platzer und ich sind gut vernetzt und haben Zugang zu den Bundesbehörden. Mit dem Arbeitgeber- und dem Gewerbeverband sowie der Tourismus­allianz bestehen drei Kanäle, über die wir unsere Anliegen einbringen können. Und wo nötig, suchen wir den direkten Kontakt zu Politik und Verwaltung.

Haben Sie auch organisatorische Massnahmen getroffen?
Ich bin froh, dass ich bereits Anfang März erste Sofortmassnahmen für den Verband einleitete. Innert kürzester Zeit konnten wir beispielsweise dank unserer IT die Homeoffices aufbauen und den Betrieb auch in der neuen Situation sicherstellen. Zusätzlich haben wir einen Lagerapport etabliert; die Vertreter der Gruppe GastroSuisse, also von Gastroconsult, GastroSocial und den beiden Hotelfachschulen, tauschen sich unter der Leitung des Präsidiums regelmässig aus. In einem nächsten Schritt ist es nun wichtig, nach der akuten Phase wieder geordnete Informations- und Entscheidungsprozesse zu etablieren.

Welche weiteren Massnahmen ergreifen Sie für GastroSuisse?
Auch wir haben Kurzarbeit angemeldet, wobei die Abteilungen nicht alle gleich stark betroffen sind. Die Hotline der Rechtsabteilung arbeitet derzeit über 100 Prozent. Zudem haben wir einen Investitionsstopp beschlossen und das Kostencontrolling verschärft.

Wie denken Sie über die nächsten Wochen?
Sorgen mache ich mir über die Durchhaltefähigkeit der Menschen, denn die Zeit wird hart und vermutlich monoton. Aber wir müssen uns durchbeissen und mit Zuversicht und Entschlossenheit durch dieses Tal gehen.

Wie gehen Sie persönlich mit dieser Krise um?
In den letzten vier Wochen arbeitete ich im Krisenmodus; ich profitiere von meinen Erfahrungen als Nachrichtenoffizier. Im Militär lernte ich, in scheinbar unmöglichen Szenarien zu denken. 2003 war ich als HR-Vertreter im Krisenstab von Raiffeisen, als wir uns auf mögliche Auswirkungen von Sars vorbereiteten. Seither weiss ich, dass Virus­erkrankungen ein latentes Risiko darstellen.

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