Ein Schrecken ohne Ende

Weitreichende Projekte sind ein schwieriges Unterfangen im Toggenburg. Skepsis brandete nicht nur den diversen Versuchen Schweizer Naturparks entgegen. Selbst einzelne Hotelprojekte haben es schwer.

Die neuste Episode hat sich in der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann zugetragen. National bekannt sind deren Bergbahnen, die am gleichen Berg zwei Zubringer betreiben, zwei Strategien verfolgen und ab 2019 auch wieder zwei Skipässe anbieten. Seit Jahren versucht die St. Galler Regierung einerseits dem Bruderzwist am Fusse des Chäserrugg ein Ende zu bereiten und andererseits der darbenden Tourismusregion zu helfen – bislang mit verhaltenem Erfolg.

Hoffnung keimte auf, als die österreichische Jufa-Gruppe mit einem Hotelprojekt aufwartete. Mitten im Dorf wäre ein Erlebnishotel entstanden mit Restaurant, Bowlingbahn und Badewelt für die Kinder – und der Öffentlichkeit zugänglich. Deshalb wünschten die ­Jufa-Gruppe als Betreiberin und die ITW-Gruppe als Investorin eine Beteiligung der Standort-Gemeinde. Vergeblich. Die Stimmbürger lehnten die Zusammenarbeit mit 61 Prozent ab.

Dabei beweisen die ähnlich wie die Jufa positionierten Jugendherbergen, dass eine Partnerschaft zwischen privaten Investoren und öffentlicher Hand durchaus erfolgreich sein kann, beispielsweise das Wellnesshostel 4000 in Saas-Fee. Dank jener Partnerschaft konnte die Burgergemeinde Saas-Fee ihr altes Freizeitzentrum Bielen erneuern. Solches ist im Toggenburg vorderhand nicht möglich. Die ortsansässigen Hoteliers waren geteilter Meinung.

Die Optimisten sahen Potenzial vor allem im Zusatzangebot bei schlechtem Wetter, als Wertschöpfungslieferant und in den zusätzlichen 30 000 Übernachtungsgästen. Die Skeptiker witterten eine unfaire Unterstützung eines neuen Konkurrenten. Vorderhand beschäftigt sich das Toggenburg weiter mit sich selber, der bedrohte gemeinsame Skipass wurde genannt. Doch die Stimmbürger sandten mit ihrem klaren Verdikt ein Signal weit über die Jufa hinaus. Aufgrund des Scheiterns stellt sich die Gemeinde grundsätzlich die Frage, ob die Stimmbürger überhaupt wollen, dass die öffentliche Hand wirtschaftliche Impulse setzen soll.

Hat das Nein vom Sonntag vielleicht noch weitere Konsequenzen? Die allgemeine Hotel-Infrastruktur in Wildhaus-Alt St. Johann ist bis auf wenige Ausnahmen veraltet. Nicht auszumalen, wenn das Nein der Stimmbürger von Aussenstehenden als Signal für eine Skepsis gegenüber dem Tourismus gedeutet würde.

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