Erwin Léo Stocker feiert seinen 80. Geburtstag

«Nei,nix machu geit nid», sagt einer der auf achtzig Lenze zurückschauen kann; Erwin Léo Stocker. Der rüstige Jubilar kocht seit fünfundsechzig Jahren und kann es immer noch nicht lassen. Er ist noch einer der ganz alten Garde. Der Walliser hat nicht nur ganz jung mit Kochen angefangen, sonder auch ganz unten. Schon als Zwölfjähriger schälte er während den langen Sommerferien in der Restaurantküche seiner Tante in Zermatt Kartoffeln. Seine Kochlehre absolvierter er in Davos und schloss diese mit der Bestnote ab. Die Wanderjahre führten ihn in renommierte Häuser, darunter Ende der Sechzigerjahre ins Hotel Baur au Lac in Zürich. Diese Stelle sei für ihn wegweisend gewesen. Er erwähnt die damals fortschrittlichen Arbeitszeiten, ein Zimmer mit eigenem Lavabo und Schrank. Der damalige Küchenchef hinterliess ihm einen unwahrscheinlich positiven Eindruck, wie Stocker in seinem niedergeschrieben Berufsweg erwähnt.

Im Ausland arbeitete er auf der New Amsterdam, dem Flaggschiff der holländischen Amerka- Lijn, längere Zeit in der Karibik. Ein Höhepunkt des jungen Berufsmann war die Zeit im Park Lane Hilton Hotel in London. Als Teil der 120-köpfigen Brigade im Park Lane Hilton Hotel in London bekleidete er den Posten als Chef saucier. An der dreitätigen Eröffnungsfeier des Hauses mit eintausend Gästen stand als Hauptgang Selle de veau Orlov auf dem Menu. Diese Atmosphäre auf so hohem Niveau zu kochen beschreibt der Jubilar im Nachhinein als unbeschreiblich und er spielte das erste Mal mit dem Gedanken einst selber einer grossen Brigade vorzustehen.

Im Jahr 1971 wurde Stocker für zehn Jahre Küchenchef im damals neu eröffneten Hotel Metropole in Interlaken. Der Kurort wurde erstmals von asiatischen Gruppenreisen entdeckt und der Tourismus befand sich im Wachstum. Von 1970 bis 1980 kochte Stocker jährlich an internationalen Kochkunstausstellung in Europa und kehrte immer, jedes Mal mit Gold zurück; als sogenannter Europameister der Köche. Zudem amtete er dazu noch als Prüfungsobmann und war Fachlehrer. Für eine international tätige Hotelgruppe führte Stocker die Eröffnung von Hotelküchen in Montreux und Dubai durch ehe er 1984 im Grand Hotel Victoria Jungfrau die Führung der fünfzigköpfigen Brigade übernahm. «Mit dieser Stelle hatte ich mein Lebensziel erreicht einmal selbst eine grosse Brigade zu führen» schaut der Jubilar zurück auf die Epochen in einem der führenden Häuser der Schweizer Hotellerie.

Dem Fünfsternebetrieb drückte er besonders im Bankett-Geschäft seinen Stempel auf. Dies bestätigt der damalige Direktor Emanuel Berger: «Erwin Stocker hat die Entwicklung im Bankett-Wesen mit Begeisterung mitgestaltet, hat die Anlässe stets ausgezeichnet organisiert.» Herausragend ist der Rekord von 12000 servierten Tellern in 48 Stunden in den hoteleigenen Festsälen, Restaurants und dem Kursaal unter Stockers Ägide. Auch lobt Berger den Einfluss seines ehemaligen Küchenchefs als Ausbildner: «Er führte in der Küche ein klares Regime und war stark in der Lehrlingsausbildung. Es freut auch mich noch heute besonders, wenn ich von ehemaligen Lehrlingen lese, die zu bekannten Persönlichkeiten im In- und Ausland geworden sind.» Der Kochverband dankte es dem Walliser mit der Verdienstmedaille.

Mit der Eröffnung der «Stockers Degusta» im Zentrum von Interlaken trat er 1997 in die Selbständigkeit und führte mit seiner Frau Erika das Restaurant, das Delikatessengeschäft und einen Partyservice. Nach der Schliessung des Restaurants konnte er das Kochen trotz Erreichen des Pensionsalters nicht lassen. Stocker baute seine Gourmetlinie aus, die er kürzlich an ein Cateringunternehmen verkauft hat. Der Nimmermüde verkauft nun seit diesem Frühjahr zusammen mit seiner Frau jeden Samstagmorgen seine kulinarischen Leckerbissen im «Gourmet-Zält» am Marktplatz von Interlaken.

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