Fewo-Resort baut auf Zusammenarbeit vor Ort

 Die Zweitwohnungsinitiative habe die richtige Frage gestellt, aber sie falsch beantwortet, sagt Philippe Lathion in der Aula der Schule von Meiringen: «Stoppen ändert nicht das Modell.» Dieses Modell sei insofern falsch, als die touristischen Regionen die Gäste vergessen hätten: «Wir verkauften Wohnungen und nicht mehr Tourismus.»

Eine kurzfristige Kultur des schnellen Profites habe man verfolgt statt die nachhaltige touristische Kultur, «den Feriengästen Erlebnisse zu bieten», erläutert Lathion. Bereits vor der Zweitwohnungsinitiative habe er einen anderen Ansatz gesucht: «Zurück an die Quelle.» 

Philippe Lathion: «Wir müssen alle arbeiten, aber wir müssen zusammenarbeiten.»

Dabei gehe es zwar vor allem anderen um den Gast, aber ebenso wichtig sei die langfristige Rendite: «Es muss eine Rendite herausschauen, damit Investitionen fliessen.» Lathions Ansatz, der in Meiringen vor seiner vierten Umsetzung steht, gleicht demjenigen der Schweizerischen Reisekasse – allerdings sind Lathions «Swiss Peaks Resorts» privat finanziert.

Wie die Reka-Resorts, so setzen auch die «Swiss Peaks Resorts» auf die Kraft ihrer Region: «Wir müssen alle arbeiten», stellt Lathion klar, «aber wir müssen zusammenarbeiten». Weder Restaurants noch Hallenbäder stehen mithin zur Verfügung, diese Angebote sollen die Feriengäste vor Ort in Anspruch nehmen: «Kochen ist aufwändig und ein Konzept, das wir nicht können», bringt es Lathion auf den Punkt.

Nun sind solche Worte gerade im Tourismus ebenso schön wie leer. Doch in Meiringen überzeugt nicht nur Lathion: Aus dem Pradas Resort in Brigels, das Lathions Gruppe vor gut einem Jahr gekauft hat, berichtet nämlich Mitinitiant Marcel Friberg.

Eindrücklich zeigt er, wie sich das touristische Geflecht in der Surselva nach der Eröffnung des Resorts entwickelte. Die gut 80 Wohnungen mit über 400 Betten erreichen mit rund 60 000 Logiernächten bereits ebenso hohe Frequenzen wie die Hotellerie der Region. 

Marcel Friberg: «Jetzt haben wir in Brigels jeden Tag eine Prozession.»

Gleichzeitig verdrängen sie keineswegs bestehende Anbieter von Ferienwohnungen, sondern ziehen eine neue Klientel an – inzwischen auch aus Übersee. Ebenfalls einen Aufschwung erleben die Berg­bahnen sowie gewerbliche Betriebe mit Gästebezug: «Der Metzger hat vergrössert», verdeutlicht Friberg, die Bahnen hätten ein «Grundrauschen und sind damit investitionsfähig» – und nicht zuletzt seien bis 200 Gäste täglich im Dorf unterwegs zu einem Restaurant.

Früher habe es am Ort nur an Allerheiligen einen Umzug gegeben, erzählte Friberg gar eine lokale Anekdote zum gastgewerblichen Schub: «Jetzt haben wir jeden Tag eine Prozession.» Ein Erfolgsschlüssel ist nicht zuletzt die Professionalität: Die Resorts nutzen Apps, um Gäste und lokale Anbieter zu vernetzen, und mit Interhome vermietet ein Kraftpaket.

Weitere Resorts geplant

Der professionelle Ansatz der Ferienwohnungsanlagen und die starke regionale Verknüpfung führen dazu, dass laut Philippe Lathion weitgehend institutionelle und schweizerische Anleger in die «Swiss Peaks Resorts» investieren – dahinter steht der Immobilienfonds «Mountain Resort Real Estate Fund SICAV».

Einerseits kann ein Investment in Schweizer Anlagen auch fürs Ausland interessant sein, andererseits und insofern kann sich Lathion in der Schweiz insgesamt rund 10 Resorts vorstellen: Brigels, Vercorin, Zinal laufen, Meiringen eröffnet Ende 2019, Planungen laufen in den Grossräumen Les Mosses (Waadt), Thyon (Wallis), Fusio (Tessin), Thunersee (Bern) und Lenzerheide (Graubünden).

Tourismus Observatorium Wallis befragt erneut Eigentümer von Zweitwohnungen und Ferienhäusern

«Die Zweitwohnungsbesitzer sind insgesamt mit ihrem Aufenthalt zufrieden», hält das Tourismus Observatorium Wallis zusammenfassend fest. Die ebenso erfahrenen wie qualifizierten Walliser Tourismus-Analytiker haben zum zweiten Mal nach 2015 den Zweitwohnungsbesitzern im Kanton den Puls gefühlt.

In Zusammenarbeit mit dem Walliser Verband der Zweitwohnungsvereine gelang es dem Observatorium, noch mehr Personen anzusprechen als bei der ersten Untersuchung: Gegen 1500 Zweitwohnungbesitzende äusserten sich recht detailliert zu ihren Gewohnheiten und Erwartungen. Auffällig erscheint insgesamt die nur geringfügige Veränderung der Aussagen.

Neben der allgemeinen Zufriedenheit, die über 43 Prozent der Befragten äusserten, haben sich weitere Werte praktisch gehalten: Im Mittel sind die Zweitresidenzen an 62 Tagen im Jahr von den Eigentümern belegt, und nur 13 Prozent der Wohnungen stehen dabei auch für Fremdbelegungen zur Verfügung.

Ins Auge fällt dabei nach wie vor, dass praktisch keine Anreize die Eigentümer zu einer Vermietung motivieren könnten: Rund die Hälfte will die Wohnung oder das Häuschen schlicht für sich – der Ferienwohnungsresort-Pionier Philippe Lathion kommt insofern für das touristische und gastgewerbliche Gesamtwohl sehr gelegen (siehe oben).

Neu gegenüber der ersten Untersuchung ist die Frage nach allfälligen Verkaufsabsichten: Fast 80 Prozent hat demnach nicht die Absicht, das Eigentum zu verkaufen. Das steht nicht nur im Kontrast zu den scharfen Reaktionen von Eigentümern gegenüber Gemeinden, die Tourismuslasten besser verteilen wollen. Auch recht scharf ist der Kontrast gegenüber aktuellen Schlagzeilen, in denen von mehr als 9000 Zweitwohnungsresidenzen und «Ladenhütern» die Rede ist.

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