Fünf nach zwölf: GastroSuisse fordert sofortige finanzielle Hilfe

Kurz vor Weihnachten hat GastroSuisse die Gastgeberinnen und Gastgeber der Schweiz gebeten, ein Feuer zu entfachen. Damit hielt die Branche inne und zeigte sich solidarisch mit allen Menschen, die wegen der Coronapandemie viel Leid erfahren mussten. Das Feuer steht aber auch symbolisch für den Flächenbrand in der Branche mit immer mehr Konkursen. 

Bekanntlich sind schweizweit alle Restaurants, Bars und Discos bis am 22. Januar 2021 geschlossen. «GastroSuisse begrüsst unter den aktuellen Umständen, dass nun klare Verhältnisse herrschen. Eine Sperrstunde ab 19 Uhr verunmöglichte es seit dem 12. Dezember 2020 in den meisten Kantonen, auch nur annähernd kostendeckend zu arbeiten. Das Gastgewerbe anerkennt, dass die epidemiologische Situation schärfere Massnahmen erfordern», schreibt der Branchenverband. Und weiter: «In den letzten 10 Monaten trug die Schweiz die Pandemiebekämpfung massgeblich auf Kosten des Gastgewerbes aus – von Gästelimiten und Begrenzungen der Gruppengrössen, über Tisch-Mindestabstände und aufwändige Schutzkonzepte bis hin zu Sperrstunden. Unter diesen Auflagen und der daraus resultierenden Planungsunsicherheit konnte das Gastgewerbe die meiste Zeit über nicht kostendeckend wirtschaften. Dazu kommen insgesamt drei Monate Lockdown.»

Massiver wirtschaftlicher Schaden von über 7 Milliarden Franken
Gemäss Berechnungen von GastroSuisse gingen im Gastgewerbe, also Hotellerie und Restauration, vom 28. Februar bis 11. Mai 2020 rund 5 Milliarden Franken an Umsatz verloren. Die Massnahmen im Zeitraum vom 12. Dezember 2020 bis zum 22. Januar 2021 führen allein in der Gastronomie zu einem weiteren wirtschaftlichen Schaden von insgesamt 2,45 Milliarden Franken. Vom Lockdown ist praktisch die gesamte Branche betroffen. Die Finanzierungslücke im Schweizer Gastgewerbe beträgt laut GastroSuisse monatlich 600 bis 700 Millionen Franken, um allein die laufenden Fixkosten von 25 bis 30 Prozent zu decken. «In keinen anderen Bereich griff der Staat so stark ein, obschon aus epidemiologischer Sicht andere Massnahmen ebenso ratsam gewesen wären.»

Jetzt sei der Moment gekommen, wo der Bundesrat und die Kantone bei der finanziellen Entschädigung genauso schnell und rigoros handeln müssen. Das Gastgewerbe hat die Grenze des wirtschaftlich Tragbaren überschritten und ist akut bedroht. Bedauerlicherweise wurde eine Branchenlösung von den bürgerlichen Ständeräten abgelehnt. «Für unzählige Restaurants bedeutet das das Ende», ärgert sich Casimir Platzer, Präsident von GastroSuisse. «Die Krise wird auf dem Rücken einer einzigen Branche ausgetragen, helfen will man uns aber nicht.» Er betont: «Der Bundesrat muss nun zusammen mit den Kantonen schnelle Hilfsmassnahmen definieren. Für manche wird aber die Hilfe zu spät kommen, denn es wird in vielen Fällen noch mindestens einen Monat dauern, bis Entschädigungen erfolgen werden. Wir erhalten täglich zahlreiche Anrufe von verzweifelten Mitgliedern, die über aufgebrauchte Reserven berichten. Die gastgewerblichen Betriebe brauchen deshalb jetzt sofort finanzielle Hilfe.»

265 000 Arbeitsplätze gefährdet
Die Konkurszahlen vermitteln ein trügerisches Bild. Der Bund hat die Konkurswelle hinausgeschoben. Fachexperten rechnen damit, dass diese ab Februar 2021 mit aller Wucht bricht. «Wir appellieren an die Regierungen der Kantone, das Gastgewerbe entschlossen zu retten. Es braucht jetzt eine Branchenlösung. Der Bund und das nationale Parlament haben es verpasst, eine solche Lösung für das Gastgewerbe zu schaffen. Sie schieben den Kantonen den Ball zu», stellt der Verband fest.

Die Haltung der Politik ist unverständlich: Das Gastgewerbe zählt mit 265 000 Arbeitsplätzen und 8000 Lehrstellen zu den grössten Branchen des Landes, die gegen die 30 Milliarden Franken Umsatz generiert. Mit seiner enormen wirtschaftlichen Bedeutung sichert es auch in angrenzenden Branchen tausende Arbeitsplätze. Das Gastgewerbe ist mitunter für den Lebensmittelsektor, den Tourismus und die Standortattraktivität ein unverzichtbarer Faktor.

«Too Big to fail» passt mehr als zur UBS
Bei der UBS hatte der Staat mit der Argumentation «Too Big to fail» ausgeholfen, was mit systemrelevant übersetzt werden kann. Das Gastgewebe ist insgesamt allerdings gemessen an den Arbeitsplätzen noch wichtiger als die Schweizer Grossbank, die zudem selbstverschuldet in die Krise schlitterte.

Hilfe gibt es jetzt wenigstens von einer anderen Seite: Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) schnürt ein Kreditpaket für KMU, als Übergangslösung, weil die Härtefallmassnahmen nicht sofort umgesetzt werden können. Das sogenannte Covid-19-Härtefallprogramm des Kantons Zürich gilt ab dem 4. Januar 2021. Die ZKB gewährt eine Kreditlimite zur Vorfinanzierung der Härtefallleistungen, unter Einhaltung der Auflagen des Kantons Zürich. Bedingungen: Domizil im Kanton und Umsatz unter 50 Prozent gegenüber dem durchschnittlichen Jahresumsatz von 2018 und 2019. Die Branche hofft, dass andere Kantonalbanken dem Beispiel der ZKB folgen.

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