Für Elif Oskan ist Kochen unglaublich erfüllend

Vormittags. Café du Bonheur. Da es bis zur Eröffnung des ersten eigenen Restaurants noch etwas dauert, hat Elif Oskan als Treffpunkt das Stadt-Zürcher Lokal auserkoren. Man kennt sich hier, das zeigt der vertraute Umgang mit der Gastgeberin, die liebevoll scherzhaft bemerkt: «Dein Parfüm erkennt man von weitem.» «Ein Geschenk von Markus», schmunzelt Elif, «der liebt Düfte». Elif zieht jeden mit ihrer herzlichen, offenen Art sofort in den Bann. Sie hat aber nicht nur Charme, sondern auch Charakter – und sie ist vor allem eines: leidenschaftlicher Koch und Patissière. Nicht umsonst sagt sie selbst: Kochen ist mein Leben.

«Glücklich macht, wenn man andere glücklich macht»

Zwar hat Elif Oskan keinen ­familiär-gastronomischen Hintergrund, aber im ­Zürcher Kreis 2 in einer kurdisch-türkischen Familie aufgewachsen, war für sie Essen und Kochen schon immer ein ganz grosses Thema: «Denn beides ist ein fester Bestandteil unserer Alltagskultur.» Viel gelernt über die «sehr anspruchsvolle türkische Küche mit ihren vielen Techniken, Teigen» hat Elif von ihrer Mutter, der sie heute noch gerne über die Schultern schaut. Von ihr hat sie zudem mitbekommen, was Qualität und ein gutes Produkt ist – und auch, dass glücklich macht, wenn man andere glücklich macht.

Zum Koch-Beruf kam Elif Oskan nach der Sek dank Einfluss ihrer Schwester, die zuvor den gleichen Weg gewählt hatte: «und weil ich nicht studieren, sondern eine Lehre absolvieren und arbeiten wollte: Ich arbeite einfach extrem gerne, das lässt sich nicht leugnen». Die Lehre hat sie im Seehotel Sonne in Küsnacht absolviert. «Eine tolle Zeit. Wir hatten einen wunderbaren Zusammenhalt im Team, ich habe viel gelernt, indem ich täglich gefördert und gefordert wurde.» Nach der Lehre kam Elif zu Marcus G. Lindner ins Mesa in Zürich. «Die Art und Weise dieser Sterne-Küche hat mich so jung schon sehr beeinflusst.» Das sei die Zeit gewesen, in der sie nicht nur «verrückt viel» gearbeitet und gelernt, sondern auch Freunde fürs Leben gefunden habe.

«Ich arbeite einfach extrem gerne»

Am Kochen fasziniert Elif Oskan nach wie vor, dass es keine Grenzen gibt, dass es unglaublich emotional ist und auch extrem erfüllend. «Es ist mir durchaus bewusst, dass ich das Privileg habe, einer Tätigkeit nachzugehen, in der ich nicht nur persönlich, sondern auch beruflich aufgehen darf. Beides ohne einander wäre für mich nicht denkbar.» Nach dem Mesa folgten Stationen im Rigiblick und in Zermatt, bevor Elif sich bei Heston Blumenthal für einen Stage in «The Fat Duck» bewarb. Und die nehmen einen einfach? «Ja, da muss man nur schreiben. Einfach nicht abschrecken lassen.» In London hat sie dann nicht nur den Mann an ihrer Seite, Markus Stöckle, kennengelernt, sondern auch gelernt, Dinge zu hinterfragen. «Das hat mich weitergebracht, denn wir fragen uns viel zu wenig, wieso etwas gemacht wird, wie es gemacht wird. Nur weil es damals gut war, heisst das nicht, dass es heute noch so passt.»

Diese Art des Hinterfragens hat ihr dann bei ihrer Rückkehr 2014 in die Schweiz – nach einem kurzen Stage in Belgien bei ­Dominique Persoone in «The Chocolate Line» – auch einen kleineren Kultur-Schock beschert. «Auf einmal hiess es wieder: Bitte nichts hinterfragen! Da wusste ich im ersten Moment nicht wohin.» Nach einem Abstecher im Maison Manesse in Zürich zog Elif Oskan dann ihre Schlüsse, machte sich selbständig und gründete das Unternehmen Miss Marshall, ein Dessert Catering, das mit unkonventionellen Glace-Sorten und Desserts in Zürich die Szene aufmischt. Das Konzept funktioniert, und Miss Marshall ist inzwischen stadtbekannt.

«In ‹The Fat Duck› habe ich gelernt, ­Dinge zu hinterfragen»

Zu ihrem Glück fehlte jetzt nur noch Markus, der nach fünfjährigem Engagement in «The Fat Duck» nun auch nach Zürich wechselte. Heute arbeiten die beiden wieder zusammen. «Ich schätze das sehr», sagt Elif, «denn niemand sonst sagt mir so ehrlich seine Meinung zu meinen Sachen». Neben Miss Marshall, das ein Dessert-Catering ist, planen Elif und Markus zurzeit ein erstes eigenes Restaurant, das anfangs nächsten Jahres seine Türen öffnen soll. Wo, das möchte sie noch nicht verraten. Nur so viel: «Es ist eine Herzensangelegenheit, und wir freuen uns beide wahnsinnig.»

 

 

 

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