GastroSuisse geht für die Branche in die Offensive

Vor Monatsfrist bestätigte es eine Umfrage der Tamedia-Titel: Damals wollte nur ein Drittel aller Konsumenten ein Restaurant besuchen. Obschon sich mehr und mehr Kunden mit der neuen Normalität arrangieren und lernen, pragmatisch mit dem Coronavirus umzugehen, ist die Zahl der Verunsicherten noch immer relativ gross. Immerhin fühlen sich laut dem Dienstleistungsunternehmen Smart Concept 72 Prozent der Kunden in Betrieben «sehr sicher». In der ersten Woche der Lockerungen waren das erst 54 Prozent. Bei den 28 Prozent ist davon auszugehen, dass sie aus Angst kein Restaurant besuchen. Und genau hier setzt eine grossangelegte Publikumskampagne von GastroSuisse mit dem Slogan «Wir haben Euch auch vermisst» den Hebel an: Mit Porträts von Gastronomen in zehn verschiedenen Schweizer Städten sollen Vorbehalte und Unsicherheiten im Zusammenhang mit einem Restaurantbesuch nach den Lockerungen des Bundesrats abgebaut werden. Die Kampagne will ausserdem die Ausgehfreude der Schweizer Bevölkerung steigern und Vertrauen und Goodwill für die Branche schaffen. Dazu sind seit dem 15. Juni grossflächige Plakate an stark frequentierten Lagen wie den Hauptbahnhöfen von Bern und Zürich zu sehen.

Gesucht waren «Local Heroes»
Vater der Idee ist GastroSuisse-Direktor Daniel Borner, der bereits schon im April 2020 erkannte, dass die Branche bei den Konsumenten in die Offensive gehen muss. Ausgearbeitet hat diese Michael Siebenmann, Marketingleiter bei GastroSuisse. Ihm war es wichtig, die Kampagne mit Köpfen zu besetzen und ihr so Emotionen und eine Seele zu verleihen – allerdings bewusst ohne Starköche mit Promifaktor. Viel mehr suchte er Lokalmatadoren für die Kampagne aus, die mit ihrer Arbeit genauso mit Herzblut verbunden sind. Siebenmann spricht in der Sprache des Marketingprofis von «Local Heroes», die er auswählte.

Dazu gehört etwa Norman Hunziker (24) aus Biel, einstiger Teamchef der Schweizer Junioren-Kochnationalmannschaft. Heute betreibt der Jungunternehmer zusammen mit Manuel Engel (25) das Culinary Artists an der Bözingenstrasse 51 in der Uhrenstadt. Er brauchte nur eine paar Sekunden Bedenkzeit, um zur Anfrage von GastroSuisse zuzusagen, sich für die Kampagne fotografieren zu lassen: «Ein Nein stand für mich nicht zur Diskussion. Es geht ja nicht um unser Unternehmen, sondern um die Branche. Wir haben nur mehr Gäste, wenn die Schweiz gemeinsam hochstehende Gastronomie anbietet. Deshalb denke ich kollektiv und nicht egoistisch.» Die Kampagne findet er «eine coole Sache. In solchen Situationen zeigt es sich, wie wichtig ein starker Verband ist. Ich habe es auch geschätzt, dass GastroSuisse nach den Bundesratsentscheiden immer relativ schnell informiert, die Helpline liefert einen super Service». Das Shooting selbst sei für ihn ein wenig stressig verlaufen, weil er als Hotelier und Küchenchef kaum eine freie Minute hat.

«Ich hoffe, dass die Nachfrage anzieht. Durch unsere Qualität und unser Konzept, das modern und neuzeitlich ist und nur mit Schweizer Zutaten arbeitet, haben wir gute Chancen», sagt Hunziker. 43 Produzenten, Landwirte, Winzer und Züchter ­gehören zu den Zulieferern des Duos Hunziker und Engel, das Mitte September 2019 öffnete und seit dem 11. Mai 2020 wieder Gäste empfängt. Die Jungunternehmer legen mit ihrem Motto «pure swiss» viel Wert auf Genuss, Design und Schweizer ­Kulinarik. Aushängeschild ist ihr Chefs Table (Gourmet), «Füür & Flamme» nennt sich das Grillrestaurant mit dem Feuerring als Herzstück.

Von ausgebucht bis fast leer
Hunziker sagt das, was in der Branche dieser Tage immer wieder zu hören ist: «Wir haben super Abende, die fast ausgebucht sind, und dann gibt es Tage, wo wir auf die Strasse gehen könnten, um Passanten in unser Restaurant zu locken. In unserem Hotel fehlen die Geschäftsreisenden fast komplett.» Das Restaurant lebe in erster Linie von Personen aus der Umgebung Bern-Olten-Neuenburg. Die Köpfe hinter dem Culinary Artists hoffen mit der Branche, dass die neue Normalität für permanent mehr Gäste sorgt – die Kampagne von Gastro Suisse ist deshalb willkommene Wegbereiterin.

 

Sommeliers und Gastronomen sind gefragt

Neben «Wir haben Euch auch vermisst» gibt es eine weitere Kampagne, bei der sich die Branche in Szene setzen kann: «#vinumstories» soll Weinliebhaber zusammenbringen und eine Plattform bieten, um mit Weinbegeisterten aus der ganzen Welt zu kommunizieren. Winzer, Sommeliers, Gastronomen, Weinhändler oder Köche können über den Vinum-TV-Kanal aktuelle Geschichten, Erlebnisse, Wissen sowie Weinvorlieben online präsentieren. Welche Essenskombinationen passen besonders gut? Was macht die eine Weinregion aus? Die Idee dahinter: positive Weinerlebnisse und Geschichten erzählen und teilen. Wer zu solchen Themen etwas zu sagen hat, sendet ein Kurzvideo mit maximal 60 Sekunden Länge an www.vinum.eu

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