Gault-Millau: Riskantes von Ringier

Nur Tage bevor der Ringier-Konzern unter der Affiche «Gault Millau» die neue Liste der vermeintlich besten Restaurants in der Schweiz publizierte, lüpfte es Thomas Nussbaumer sozusagen die Toque: Der Präsident des Schweizer Kochverbandes schrieb einen offenen Brief an Urs Heller, der für den Ringier-Konzern seit Jahren die kulinarische Bestenliste verantwortet.

In der publizistischen Mise en Place zur Bestenliste hatte Heller ein Interview gegeben – und zwar in einer Tageszeitung, die just nicht zu Ringier gehört. Was Heller dabei feilbot, war weder sättigend, noch bot es Hochstehendes oder Überraschendes. Vielmehr propagierte Heller mit einer gewissen Geschmacklosigkeit die erweiterte Wertschöpfungskette von Ringier, und nebenher servierte er die Kochkunst in einer Weise, die dem Kochverband sauer aufstiess.

Zwar liess sich der SKV nicht zum Populistischen herab, sondern versuchte es pädagogisch: «Sie haben es doch nicht nötig, die Kochnationalmannschaften in Frage zu stellen», mahnte Thomas Nussbaumer hinsichtlich reichlich bigotter Bemerkungen Hellers. Und Nussbaumer lud Heller zum nächsten «Culinary World Cup 2018» nach Luxemburg ein, auf dass Heller «im Anschluss mehr Respekt für die erfolgreichen Kochnationalmannschaften haben» werde. Gleichzeitig erhielt Heller aber auch einen Brocken vorgesetzt: Zwar sei es seine Entscheidung, wenn er «nicht über die Erfolge der Schweizer Kochnationalmannschaft berichten» wolle: «Bitte unterlassen Sie aber unnötige Falschaussagen.»

Weil sich mit Blick auf die Medien durchaus der Eindruck ergeben kann, dass über Leichen gegangen wird, ist kaum mit Besserung zu rechnen. Vielmehr dürfte aus der Betroffenheit des Kochverbandes eher ein weiteres Glied der Wertschöpfungskette werden. Denn das Internet und seine Kommunikationsplattformen verderben Gault Millau wie auch Ringier rasend schnell die traditionellen Produkte. Ringiers Ausweg ist es nun, die Wertschöpfungskette bis hin zu den Promis in die Hand zu nehmen. Mit anderen Worten werden Medien wie Zeitungen, Videokanäle oder Restaurantführer zu einem möglichst werbefreundlichen Relais zwischen den konsumierenden Zielgruppen einerseits sowie populären Persönlichkeiten und Events andererseits.

Kontrolle über Sportmarketing- und Ticketing-Unternehmen wie auch über Veranstaltungen selbst sind Ausdruck dieser Ausweitung der Wertschöpfungskette. Sie ist jedoch totalitär und riskant, weil sie die Glaubwürdigkeit des publizistischen Kerngeschäftes untergräbt: Wer nämlich Stars, Sternchen und womöglich Sterneköche (!) unter Vertrag hat, wird kein Haar in der Suppe finden. Wobei im vorliegenden Zusammenhang der Königsweg klar wäre: die Kochnationalmannschaft unter Vertrag nehmen!

 

 

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