GoSnow.ch: das Portal zum Organisieren von Schneesportlagern

Im Januar 2014 trafen sich in Magglingen Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Schneesportbranchen, der Kantone, des Bundesamtes für Sport BASPO und des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO. Während die Alpensüdseite im Schnee versank und auf der Nordseite bittere Kälte herrschte, versuchte man in Magglingen, den Wintersport zu retten. Eine Idee war «die Schaffung und Finanzierung einer Plattform, die attraktive und einfach zu handhabende Angebote für Schneesportlager und Schneesporttage koordiniert, bereitstellt und kommuniziert», wie das BASPO damals festhielt.

Im Herbst 2017 sitzt Ole Rauch in den Büroräumen des Schweizer Tourismus-Verbandes (STV) in Bern: «Unsere Vision ist es, dass dereinst jedes Kind in der Schweiz am Ende seiner Schulzeit einen Schneesport ausüben kann», sagt Rauch, Geschäftsführer von «GoSnow.ch». So heisst die Plattform des Vereins «Schneesportinitiative Schweiz», der damals in Magglingen angeregt worden war und nun beim STV Untermieter ist.

Eben hat GoSnow.ch von Innotour und vom BASPO Signale bekommen, dass weiterhin Fördergelder fliessen, mithin dürfte das Projekt bis 2022 gesichert sein. Dieses Projekt besteht vor allem darin, die Organisation von Schneesportlagern zu vereinfachen: Auf einer professionellen Internet-Plattform können Lehrpersonen mit wenigen Klicks Pakete zusammenstellen und Hilfe bekommen – und Anbieter ihre Lagerkapazitäten zur Verfügung stellen. «Wir haben rund 130 Angebote in 65 Destinationen im Angebot», fasst Rauch zusammen, «so können wir bis 1000 Lagerwochen vermitteln» (siehe weiter unten).

GoSnow hat als Verein den Zweck der «Förderung des Schneesports von Kindern und Jugendlichen auf nationaler Ebene, hauptsächlich an Schulen», die «Vereinfachung der Organisation von Schneesportlagern und –tagen» sowie die «Erhaltung des Schweizer Kulturgutes Schneesport». Vor dem dritten Winter Go-Snow.ch stellt sich zum einen die klassische Frage, ob das Glas halb voll oder halb leer ist: Je nach Betrachtungsweise kommt das Portal derart langsam voran, dass manch Verantwortlicher in den Trägerorganisationen bereits mehr oder weniger laut darüber nachdenkt, wer dereinst den Schwarzen Peter erhalten soll, wenn das Projekt zusammenstürzt. Oder aber GoSnow.ch darf Anlaufschwierigkeiten und Kinderkrankheiten haben, wird aber grundsätzlich als richtig und wertvoll angesehen.

Insofern und zum andern stellt sich die strategische Frage, ob das Richtige getan wird. Diese Frage ist kaum schlüssig zu beantworten – es ist zu früh, zu politisch und im wintertouristischen Zusammenhang zu komplex.

  • Zu früh ist es, weil das Projekt erst angelaufen und die Entwicklung des Schneesportes kaum vorherzusagen ist. Es gelte, den Winter «gewissermassen neu zu denken und sich aufgrund der jeweiligen Voraussetzungen professionell zu positionieren», sagte unlängst Richard Kämpf, Leiter Tourismus beim Bund (GJ38).
  • Zu politisch ist es, weil Schulfragen Sache der Gemeinden und Kantone sind, aber zusammen mit Sportfragen auch ständige Spielbälle der Bundespolitik – das letzte Trauerspiel hier waren die Schneesportzentren.
  • Zu komplex ist eine endgültige Beurteilung von Go- Snow schliesslich, weil gegen Markt- und Klimaentwicklungen nicht anzukommen ist, der Wintersport aber «ein ökonomisches Kernelement des alpinen Tourismus» ist, wie es Kämpf ausdrückte.

Vor diesem Hintergrund und angesichts der Ertragsschwäche der touristischen Partner in den Bergen müsste auch das Korporatistische eine Option sein – à la «alles fährt Ski» nach dem 2. Weltkrieg: Denkbar wären etwa Kooperationen zwischen Berg- und Stadtkantonen samt Fördergeldern namentlich aus den prallen Töpfen der «Neuen Regionalpolitik» NRP. Schneesport sei zwar «erwiesenermassen abnehmend», meint Rauch schlagend, «aber das ist ja kein Grund, die Bretter sozusagen ins Gras zu werfen».

 

Checkliste für Gastgewerbe und Schneesportlager

Ole Rauch, Geschäftsführer von GoSnow.ch (siehe oben), hat für GastroJournal einen kritischen Leitfaden für den gastgewerblichen Hausgebrauch hinsichtlich Schneesportlagern zusammengestellt.

  • Schulen sind nicht Gruppen. Der Kegelclub Turbenthal und die 6. Klasse aus Köniz haben nicht gleiche Ansprüche, Erwartungen und Budgets. Genau wie Bergbahnen Gruppen-Tickets und Schul-Tickets haben, sollte diese Unterscheidung auch bei den Berg-Restaurants gemacht werden!
  • Selbst Betriebe, welche auf Gruppen/Schulen spezialisiert sind, kennen leider diese Unterscheidung nicht.
  • Schulen sind heute viel preissensibler, da ihre Budgets für Ausflüge und Lager in den letzten Jahren stetig gesunken sind. Daher sind eben auch Schneesportlager meist zu teuer. Und deshalb tun Gruppenunterkünfte und Bergrestaurants gut daran, für Schulen Picknick-Möglichkeiten zu bieten (sowohl Verkauf Lunch-Säcke als auch gedeckte Räume zum Picknicken). Am liebsten noch mit warmem Tee oder Sirup (je nach Wetter).
  • Wenn Schulklassen VP wünschen oder etwa während des Lagers in einem Bergrestaurant jeweils zu Mittag essen wollen, sollten auch hier schulgerechte Angebote möglich sein: keine Drei-Gänger und nicht immer ­SchniPoSa, sondern einfache Selbst-Schöpfer-Menüs (Spaghetti mit zwei Saucen; Brot mit Aufschnitt und Käse; Penne Cinque P; Kartoffeln mit Fleischkäse und Käse etc.) dazu einen grossen Tee-/Sirup-Krug. Die Klassen schöpfen dann selber und decken selber ab. Solche Angebote sollten für unter 10 Franken möglich sein – für Schulen, nicht für den ­Kegelklub Turbenthal.
  • Ideal für Schneesporttage sind Komplettangebote: Carfahrt, Mietmaterial, Tageskarte, Skilehrer und Mittagessen. Alles organisiert und zu einem guten Preis. Ein einfaches Kinder-Selbstbedienungsmenü muss in diesem Angebot für 5 Franken möglich sein. Sonst kostet der Skitag schnell über 60 Franken und wird nicht mehr durchgeführt. Wenn alle Leistungsträger mitmachen, müsste es so aussehen: Tageskarte 5.–, Mietmaterial 5.–, Mittagessen 5.–, Skilehrer 15.–, Car 5.–. Dann kommen die Kinder zu einem Schneesporttag anstatt ins Verkehrshaus nach Luzern zu fahren. Das kostet nämlich weniger!

 

 

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