Hotel Victoria in Meiringen: Nach 23 Jahren angekommen

«Qualität und Kontinuität», darauf baue seit jeher der Erfolg des Hotel-Restaurant Victoria, hält ­Eigentümer, Gastgeber und Koch Simon Anderegg fest. Immer wieder investieren, sich nicht auf zeitlich beschränkten Lorbeeren ausruhen, das habe ihn und seine Frau Franziska seit der Übernahme des Betriebs in dritter Generation stets angetrieben. Seither sind 23 Jahre vergangen, in denen die beiden in vier Bau-Etappen aus dem ehemals 0-Sterne- ein 3-Sterne-Superior-­Hotel-Restaurant geschaffen und das Niveau der Küche – mit 14 Gault Millau Punkten und einem Michelin Bib Gourmand+Hotel – stets gehalten haben.

Die vier Bau-Etappen hätten rückblickend «viel Kraft gekostet, aber das Endresultat ist einfach wunderschön», betont Simon Anderegg. Um die Umbauten finanziell zu stemmen, hat die Familie von Beginn an auf eine Zusammenarbeit mit der Hausbank sowie subsidiär mit der Schweizerischen Gesellschaft für Hotelkredit (SGH) gesetzt (siehe Kasten). «Insgesamt 5 Millionen Franken sind so in den letzten Jahrzehnten in unseren Betrieb geflossen», erzählt der Gastgeber.

Die Zusammenarbeit mit der SGH habe sich immer wieder bewährt, «denn Banken gehen mit Gesuchstellern einfach anders um, wenn diese von der SGH gestützt werden». Hinzu käme, dass, wenn SGH-Mitarbeitende sagen, ein Projekt funktioniere, dieses auch Hand und Fuss habe. «Eine solide Partnerschaft, von deren Austausch wir viel profitieren konnten», betont Anderegg. Was genau in den vier Bau-Etappen gemacht wurde: GastroJournal gewährt Einblick.

Die erste Etappe: «1998 bis 1999 führten wir unseren ersten Umbau durch», erinnert sich Simon Anderegg. Der Hotelbereich wurde dabei komplett ausgehöhlt und das Haus um zwei Etagen auf­gestockt. Dadurch sind 18 neue Zimmer mit 40 Betten entstanden. Kostenpunkt: rund 2,5 Millionen Franken. Das Hotel laufe seither sehr gut, «die durchschnittliche Auslastung passt», wie Anderegg betont. 60 Prozent der Gäste sind Schweizer, 20 Prozent Engländer und 20 aus weiteren Ländern.

Die zweite Etappe: «2008 haben wir uns der Küche und dem Restaurant im Erdgeschoss angenommen.» Das Herzstück für den passionierten Koch Anderegg, der während seiner Wanderjahre mit Grössen wie Fredy Girardet, Philippe Rochat und Eckart Witzigmann zusammengearbeitet hatte. «Für diesen Bereich unseres Betriebes haben wir uns dann erstmals entschieden, auf einen Wettbewerb zurückzugreifen. Wir wollten sehen, was es alles für Möglichkeiten und Ideen gibt.» Am Ende entschied sich die Familie für eine Architektin der Bel Etage AG. «Bis heute ist Miriam Braun unsere Hausarchitektin geblieben», erzählt der Gastgeber, und hält weiter fest, dass er in diesem Bereich nur noch mit Frauen zusammenarbeiten würde, «denn die Hotellerie ist eindeutig weiblich». Der Umbau brachte mich sich, dass Andereggs radikal alles bisherige im Restaurant weg­geworfen haben. Alles? «Ja, wirklich alles. Einzig die Weingläser haben wir behalten. Aber wenn man etwas verändern will, dann muss man es kompromisslos machen. Alte Stühle behalten et cetera, das zerstört einem das ganze neue Ambiente.»

Die dritte Etappe: Vor zwei Jahren entschieden sich Andereggs, dann die Zimmer nochmals zu erneuern. «In der Hotellerie musst du einfach alle 15 bis 20 Jahren etwas machen, sonst veraltet alles», sagt Simon Anderegg. Hier brauche es einfach die Weitsicht zu investieren, bevor der Zenit überschritten sei. Auch bei diesem Umbau haben Andereggs zur radikalen Methode gegriffen und die 18 Zimmer nochmals komplett neu gemacht. Gelohnt hat es sich: Heute macht die Familie rund 2 Million Franken Hotelumsatz, verbucht 6000 bis 7000 Logiernächte und ist auf dem Sprung vom 3-Sterne-Superior zum 4-Sterne-Hotel.

Die vierte Etappe: In diesem Jahr folgte dann die letzte Etappe: «Wir haben die Fassade gestrichen und ein neues Beleuchtungskonzept, die Parkplätze sowie den Eingangs­bereich gemacht.» Bereiche, die man als weniger wichtig empfinden könne, aber am Ende nehme sie der Gast als erstes wahr, «und der erste Eindruck zählt». Nun sind Andereggs fertig. Wehmütig? «Nein, zufrieden», zudem müsse man jetzt wo alles fertig sei, die Investitionen wieder erwirtschaften. «Da haben wir jetzt die nächsten 5 bis 6 Jahre zu tun, bevor es wieder losgeht», meint Simon Anderegg schmunzelnd. «Aber», fügt er an, «es ist schon ein gutes Gefühl zu wissen, dass wir heute dort angekommen sind, wo wir immer hinwollten. Jetzt konsolidieren wir uns und gönnen uns auch mal was».

www.victoria-meiringen.ch

 

Die SGH: Zu welchen Konditionen sie finanziert

Die Schweizerische Gesellschaft für Hotelkredit (SGH) finanziert durch grundpfandgesicherte Darlehen ergänzend und nachrangig zur Bank­finanzierung. Die Höhe der Darlehen beträgt höchstens 6 Millionen Franken und sollte in der Regel im Bereich von bis zu 40 Prozent der Gesamtfinanzierung liegen. Bestimmend ist die Tragbarkeit aller finanziellen Verpflichtungen, wobei die Belehnung höchstens dem zukünftigen, nachhaltigen Ertragswert entsprechen darf, welcher anhand der Discounted Cash Flow-Methode ermittelt wird. Bei der Beurteilung des Finanzierungsgesuchs stützt sich die SGH auf die üblichen Unterlagen, eine Business- und eine Finanzplanung für die nächsten 3 bis 5 Jahre sowie Informationen zum Darlehensnehmer und zum Objekt. Die Berechnung der Zinsen richtet sich nach der aktuellen Refinanzierungssituation auf dem Geld- und Kapitalmarkt, dem Risiko sowie den Administrationskosten. Die Rückzahlung eines Darlehens erfolgt in der Regel, abhängig vom Verwendungszweck, innert 12 bis 15, jedoch maximal 20 Jahren.

www.sgh.ch

 

 

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