«Ich stehe für das Gegenteil der anderen. Hoteliers müssen einzigartig sein.»

Fritz Erni kann stolz sein auf sein Werk. Nach 24 Jahren trat er kürzlich als Direktor des Luzerner Art-Deco-Hotels Montana den wohlverdienten Ruhestand an. Sein Haus mit Baujahr 1910 war in Rankings jahrelang das beste Viersterne-Stadthotel des Landes. Rankings sind dem Hotelier allerdings nicht wichtig: «Sterne sind mir egal, die Stimmung im Hotel muss stimmen. In den Alpen suche ich das Bergfeeling, in der Stadt eine aufregend-coole Atmosphäre.» Und wenn er privat unterwegs ist, schaut er gerne auch auf den Preis: Bei 350 Franken pro Nacht liegt Ernis Schmerzgrenze.

Erni ist einer der erfolgreichsten Hoteldirektoren der Schweiz. Worauf führt er das zurück? Er lacht: «Indem ich mir den Luxus leistete, immer etwas anders zu sein als die anderen. Respektive das Gegenteil zu tun, was die anderen machen. Dabei habe ich immer versucht, die Mitarbeitenden miteinzubeziehen.» Als Verwaltungsratsmitglied bleibt er dem Montana-Team erhalten.

Fritz Erni liebt es, in einer manchmal zum Exaltierten neigenden Branche hemdsärmelig zu agieren und dementsprechend volksnah zu sein. Er ist gut damit gefahren und scheint kaum schlechte Erfahrungen gemacht zu haben. Bei Enttäuschungen verlor er jeweils keine Zeit. Weil, ganz simpel: Das brachte ihn ja nicht weiter. Hingegen strahlt er, wenn er sagt: «Von zehn Ideen boxte ich neun durch.» Kein Wunder, hiess es in der Branche immer wieder, Erni sei innovativ, dynamisch und begeisterungsfähig.

«In allem eine Chance sehen»
Eine seiner Stärken sei der Glaube ans Gute, sagt Erni: «Ich versuche, in allem eine Chance zu sehen.» Beispielsweise installierte er in einem verregneten Sommer das sogenannte Buchungs-Regenbarometer: «Wenn es um 12 Uhr mittags 56 Prozent Regenwahrscheinlichkeit gab, dann erhielt der buchende Gast 56 Prozent Rabatt auf die Buchung.» Das war zwar riskant, aber das Montana-Team hat diese Marketing-Aktion durchgezogen – und sie wurde von der Kundschaft goutiert. Erni kommentiert das mit einer derben Handbewegung: «Meine Tugenden sind Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen.» Doch der Hotelier ist auch ein Geniesser und Whisky-Aficionado. Er gibt zu: «Meine Laster sind das viele Essen und Geniessen.» Selbst das brachte sein Hotel voran: So liess er 2018 auf 400 Quadratmetern eine der modernsten Küchen der Schweiz für drei Millionen Franken einrichten, es wurde eine für Gäste begehbare Erlebnisküche. Seither ist auch Küchenchef Johan Breedijk mit seinen 15 GaultMillau-Punkten noch glücklicher im Montana. Seit bereits 13 Jahren kocht der Holländer im Hotelrestaurant. «Dieses anhaltende Engagement Johans ist ein Riesenkompliment für mich», so Erni.

Bar mit Weltklasse-Whisky
Der scheidende Hoteldirektor hatte überdies noch ein paar andere Trümpfe in seinem Hotel: Im Beach Club schüttete er auf einem grossen Balkon Sand auf und vermittelte in der Stadt Strandfeeling. Mit der Louis Bar schuf Erni schweizweit eine der besten Bars für Whisky. «Es ist immer wieder interessant, wenn sich in unserer Louis Bar lokale Gäste mit internationalen Hotelgästen näherkommen. Das ist eine Bereicherung für alle», sagt Erni, der am liebsten den 1974er Ardbeg geniesst. «Das ist ein absoluter Weltklasse-Whisky. Der ist torfig, beflügelnd, und er schmeckt wie Grossmutters Socken.»

Erni war es immer ein Anliegen, seine Branche voranzubringen, etwa indem er seine Meinung auch im Vorstand verschiedener Gremien der Tourismusbranche einbrachte und so auch ein Fahnenträger in der Region war. Dennoch liess er sich nie vom Massentourismus am Vierwaldstättersee verlocken. Er wollte sich nicht aufs Gruppengeschäft einlassen. «Hauptsächlich arbeiteten wir mit Individualkunden, wobei mehr als die Hälfte unserer Gäste Schweizer sind. Dann bewirten wir auch viele Amerikaner, Deutsche und Engländer.»

Corona schade der Marke Schweiz nicht
Unlängst trat er ab, nach den Corona-Wirren möchte mit seiner Frau, die er seit 50 Jahren kennt, unbekannte Länder bereisen. Vorerst bleibt er im Land. Und hofft, dass das Virus bald vergessen ist: «Ich hoffe, dass wir so schnell wie möglich zurück in die Normalität kommen.» Und er glaubt, dass das, was Schweizer Gastgeber in der Hotelbranche zelebrieren, weiterhin gut ankommt. Wenn nicht gar besser: «Die Schweiz nimmt uns niemand und kein Virus, und diese Marke ist einzigartig.»

Hat Erni ein Rezept, um als Hotelier den Schaden durch das Virus erfolgreich zu bekämpfen? Sicher nicht in einer Rabattschlacht: «Ich stehe ja für das Gegenteil der anderen. Und das heisst auch in der Krise: Hoteliers müssen einzigartig sein.» Das empfahl er seiner Nachfolgerin Miriam Böger, und siehe da: Am Pfingstwochenende waren die teuersten Penthouse-Suiten trotz (oder vielleicht gar dank?) maximalen Preisen als erste ausverkauft.

Welche Wünsche begleiten seine Nachfolgerin Miriam Böger? Erni sagt: «Dass sie ihre Ideen umsetzen und mit dem verschworenen Montana-Team Erfolge feiern kann. Und dass sie den positiven Spirit weiterlebt.» Zu diesem Spirit gehören vor allem Ernis Tipps (siehe Kästchen). Diese hat das Personal dank morgendlichem Würfelspiel verinnerlicht. Und wie sagte doch Martina Perren vom Restaurantservice unlängst auf die Frage, was sie an ihrem abtretenden Chef schätze: «Fritz Erni verfügt über grosse Spontaneität, starkes Durchsetzungsvermögen, bei dem er schon auch mal laut werden kann – und dann aber über eine ansteckende Menschlichkeit.»

 

Fritz Ernis Ratschläge für gute Teamleitung

«Meine Mottos lauten: Spass und Freude haben; Leben und leben lassen. Und vor allem: Man muss Menschen mögen – MMMM. Ausserdem will ich meine Mitarbeitenden begeistern, indem ich sie stets formte und förderte. Wir haben die Mitarbeitenden am Erfolg partizipieren lassen. Als wir 2019 ein Rekordjahr hatten, erhielten alle einen 14. Monatslohn. Dann motivieren wir uns täglich mit einem Würfel, der jeden Morgen bei der 9-Uhr-Sitzung von einem Mitarbeitenden geworfen wird. Eines unserer sechs Keywords ist dann jeweils das Motto des Tages. Dieses wird so vom Team verinnerlicht. Lebendig; ehrlich; innovativ; natürlich; emotional und mit Begeisterung – mein wichtigstes – lauteten die Schlagworte.» Und was schätzt Erni an seinen Mitarbeitern am meisten? «Wenn sie motiviert sind und Leidenschaft zeigen. Ausserdem sind mir Loyalität, Professionalität, Berufsstolz, den Willen, etwas erreichen zu wollen, und Erfolgshunger sehr wichtig.»

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