Influencer sind authentischer als klassische Werbung

GastroJournal: Wie erklären Sie sich ­Ihren Erfolg als Influencer sowie den der ganzen Bewegung?
Johan Lolos
: Ich denke, der Hauptgrund ist, dass Leute bereit sind, sich inspirieren zu lassen. Hinzu kommt, dass Marken und Unternehmer erkannt haben, dass sie viel mehr Erfolg haben, wenn sie mit Influencern zusammenarbeiten, als wenn sie in klassische Werbung (Magazine, Strassenwerbung etc.) investieren. Das belegen auch diverse Studien. Des Weiteren bleiben Inhalte viel länger bestehen. Wenn ich also etwas für einen Kunden poste, ist das auch in einem Jahr noch abrufbar und könnte auch noch ein zweites Mal viral gehen. Wohingegen klassische Werbung nur eine oder zwei Wochen ersichtlich und dann weg ist. Ich würde auch noch sagen, dass Influencer authentischer sind als gewöhnliche Werbung.

Wie sieht der Tag eines Influencers aus?
Da ich in der Reise-Branche arbeite, kommt es bei mir darauf an, ob ich zu Hause oder unterwegs bin. Wenn ich zu Hause bin, plane ich meine Reisen und suche nach potenziellen Partnern sowie Sponsoren – wie ich das kürzlich für meinen Europa-Trip gemacht habe. Ich erkläre dann, wie mein Projekt aussieht, was ich den Unternehmen offerieren kann und was ich von ihnen im Gegenzug als Sponsoren erwarte. Die ganze Planung einer Reise beansprucht Monate. Wenn ich unterwegs bin, dann ist für mich wichtig, dass ich immer auch Einheimische treffe. Im Rahmen meiner Projekte mache ich meist noch Online-Aufrufe wie: «Ich bin die nächsten drei Tage in Interlaken, sind dort Schweizer oder andere Reisende, welche Lust haben, sich in dieser Zeit mit mir zu treffen?» Das ist für mich sehr wichtig, denn so können wir eine Beziehung aufbauen und uns austauschen. Häufig führen mich die Einheimischen dann an ganz spezielle und weniger bekannte Orte.

Was macht Ihren Account speziell?
Ich versuche, Geschichten zu erzählen. Obwohl am Ende des Tages die bildliche Darstellung dadurch möglicherweise leicht an Qualität verliert, wird die Story während des Projekts an Qualität gewinnen. Beispielsweise während meines Road­trips habe ich auf Instagram täglich eine Zusammenfassung des Tages mit 15 bis 20 Fotos gepostet. Aber nicht nur von der Landschaft, sondern beispielsweise auch Fotos von Menschen, die ich getroffen habe. Mir geht es darum, möglichst alle Erlebnisse auf einem authentischen Weg zu kommunizieren, sowohl schlechte als auch gute. Wenn man fünf Monate unterwegs ist, gibt es nicht nur positive Momente. Diese Instagram-Stories machen mich als Influencer authentisch, denn kein anderer macht das so.

Wie kommt ein Unternehmen, in unserem Fall ein Gastgeber, eine touristische Destination, an Sie als Influencer heran?
Es kommt auf die Firmen drauf an. Beispielsweise Tourismusverbände kommen teilweise auf mich zu, weil sie eine Kampagne planen und mein Profil, die Reichweite und die Impressionen kennen. Manchmal gehe ich auf Unternehmen zu, vor allem wenn ich persönliche Projekte verfolge. Beispielsweise beim Europa- Projekt wusste ich, dass ich in vielen verschiedenen Ländern sein und in bestimmten auch mehr Zeit verbringen möchte, beispielsweise in Norwegen, Island und der Schweiz sowie anderen Alpenländern. Dann bin ich auf jeden einzelnen dieser Tourismusverbände zugegangen und habe nach Unterstützung gefragt.

Wie gross ist das Risiko, dass ein Influencer seine Follower auch irreleitet?
Ich versuche, so authentisch und so transparent wie möglich zu sein. Wenn ich von Lifestyle-Marken für ein Produkt kontaktiert werde, akzeptiere ich nur jene, denen ich komplett vertraue oder die meinem Lifestyle entsprechen. Ich würde nie mit einer Marke zusammenarbeiten, die beispielsweise Fitnessutensilien oder Shampoos verkauft. Ich bin ein Reisender, deshalb haben die meisten Marken Produkte, mit denen ich täglich arbeite. Dazu gehören ­beispielsweise Foto-, Camping- und Outdoorausrüstung etc. Wenn ich mit Marken zusammenarbeite und ihre Produkte promote, dann weil ich ihnen vertraue.

 

 

Aktuelle News