Krickls Rat: "Hör’ gelegentlich auf die Mama"

Eigentlich wollte er ja Schifffahrtskapitän werden, den Studienplatz für Nautik hatte Philipp Krickl bereits in der Tasche, aber die Mama meinte: «Dieser Beruf ist nicht sehr familientauglich, werd lieber Brauer in guter alter Familientradition, erinnert er sich an den mütterlichen Rat und lacht: «Ja, die Mama, gut hab ich damals auf sie gehört.»

Statt Nautik also Brauer-­Lehre beim Schorsch, dem «Bräu am Berg». «… und bereits nach einigen Monaten war ich vollends davon überzeugt, dass Brauer die richtige Entscheidung für mich ist», sagt Krickl. Am Beruf schätzt er, dass er alle Sinne nutzen und kreativ sein könne, mit Menschen zu tun habe «und das Handwerk natürlich». «Ich habe nach der Lehrzeit in diversen Brauereien gearbeitet, in kleinen wie auch gross-industriellen Brauereien, von Tucher über Löwenbräu bis hin zu Franziskaner, und am Ende hat es mir dort am besten gefallen, wo ich mein Handwerk einsetzen konnte.» Deshalb sei er heute auch glücklich, dass er für eine kleine Brauerei aktiv sein kann.

«Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen als Brauer zu sein»

Nach den Wanderjahren ­folgten ein Studium der Getränketechnik sowie ein zweijähriger Exkurs bei den Winzern und Schnapsbrennern, bevor es ihn wieder zurück in die Brauereien zog. So landete Krickl eines Tages auch in der Schweiz, im Brauhaus Sternen, wo er Martin Wartmann kennenlernte.

Ein ­Kontakt, der ihn nach dem Brauhaus-Intermezzo und der Rückkehr nach Deutschland wieder in die Schweiz holen sollte. Denn 2014 läutet bei Philipp Krickl in Deutschland das Telefon. Martin Wartmann war am Apparat und sagte: «Ich möchte eine Brauerei im Kloster Fischingen aufbauen und suche jemanden, der das in meinem Sinne macht. Hast du Lust?» Philipp Krickl hatte Lust, sagte ihm zu und baute mit Wartmann ab Januar 2015 die einzige Schweizer Klosterbrauerei «Pilgrim» auf.

«Ich schätze die kreative Freiheit, die ich hier habe»

«Eigentlich wollte ich ja nur für die Aufbauphase bleiben, aber irgendwie bin ich kleben geblieben.» Denn Fischingen sei wie eine kleine Familie – und das finde man relativ selten. Zudem schätze er es nach wie vor, dass er alle kreativen Freiheiten habe. «Alles ist extrem spannend, ich habe ein wunderbares, engagiertes Team, das ich führen kann, und ich selbst werde hier täglich gefordert und gefördert und kann mich immer wieder weiterent­wickeln.» So habe er neben dem Aufbau der Brauerei in den letzten drei ­Jahren auch noch den Bier-Sommelier machen dürfen «und momentan bin ich noch am Nachdiplomstudium Qualitätsmanagement dran».

Kreativ sein, Biere ent­wickeln, das liebt Philipp Krickl. Unter dem Namen «Pilgrim» produziert er heute eine Craft Beer Collection, eine Bière d’Abbaye Triple- sowie eine Gourmetbier Grand Cru-Linie. Von letzterer werden jeweils pro Charge nur rund 500 Liter produziert. «Wir brauen nicht viel Bier, dafür besondere, nach alten Rezepten und mit viel Handarbeit», betont Krickl.

«Weissbier, Weisswürste und Brezn, das ist der Bayer in mir»

Fragt man Philipp Krickl, was er an der Schweizer Bierszene schätzt im Gegensatz zur Deutschen, so findet er: «Die Schweizer sind viel offener als die Deutschen und es existiert viel mehr kreatives Potenzial.» Das liegt am Reinheitsgebot, oder? «Ja, das liegt am Reinheitsgebot-Schaden», er schmunzelt. «Viele deutsche Kollegen reden ja nicht mehr mit mir, weil sie finden, dass ich ein Panscher bin.» So sei das eben, damit müsse man leben. Was er im Gegenzug zur kreativen Freiheit als Bayer in der Schweiz ­vermisse? «Weissbier, Brezn und Weisswürste! Wenn ich fliegen muss, dann fliege ich immer extra über den Münchner Flughafen, damit ich noch rasch ins Airbräu kann – das ist der Bayer in mir.»

Blickt Philipp Krickl in die Zukunft, so sind seine Ziele für 2018, dass der Ausbau des Holzfasskellers glatt über die Bühne geht – momentan lagern dort unten 10 Holzfässer, in Kürze werden es 60 sein – «sowie, dass ich den Spass an der Arbeit nie verliere, denn ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen als Brauer zu sein». In diesem Sinne auch heute noch: «Danke Mama!»

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