Lampart’s Val Lumnezia Guesthouse & Country Club: «Das Clubkonzept hat eine grosse Zukunft»

Die Vorbereitungen im Vorzeigebetrieb des Val Lumnezia am Fuss des Piz Mundaun laufen nur wenige Tage vor der Eröffnung auf Hochtouren: Die grosszügigen Fensterfronten im wohnzimmerähnlichen Raum, wo die Gäste das Essen geniessen, werden nochmals gereinigt, Handwerker hängen einen kunstvollen Spiegel auf, kümmern sich um den letzten Schliff: Am 12. Dezember eröffnete der Lampart’s Val Lumnezia Guesthouse & Country Club mit einem Monat Verspätung. «Die Idee war, am Martinifest zu starten. Doch mit der Coronasituation haben wir sehr schnell erkannt, dass das nicht realisierbar ist», begründet Gastgeber und Cuisinier Reto Lampart (52).

Surselva statt Weltreise
Den Urnäscher und seine Frau Anni (51) muss man eigentlich nicht mehr vorstellen: Sie waren von Juli 2000 bis Ende 2019 das Gesicht von Lampart’s in Hägendorf SO. Die Gourmetlandbeiz wurde seit 2004 mit 17 Gault-Millau-Punkten und zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet. «Wir haben in den 20 Jahren viel erreicht. Viele Restaurantführer bezeichneten das Lokal als eines der schönsten in der Schweiz. Wir wollten auf dem Zenit aufhören und fühlen uns genug jung, um nochmals etwas Neues zu rocken», erklärt Reto Lampart den Wechsel ins grösste Seitental der Surselva. Eigentlich wollte das kinderlose Ehepaar im März 2020 auf eine Weltreise gehen und sich danach für eine neue berufliche Herausforderung entscheiden. Corona zerstörte diesen Reisetraum. Lamparts entschieden sich nach losen Gesprächen im Oktober 2019 ein halbes Jahr später für das gut 1300 Meter über Meer gelegene Objekt im Val Lumnezia, das sie nach der Idee der Schweizer Besitzerfamilie Osterwalder als Maison d’Amis führen möchten. Lamparts und die Besitzer haben dazu gemeinsam die Casa Piz Mundaun AG gegründet, an der die beiden Parteien zu gleichen Teilen beteiligt sind.

Beim Guesthouse & Country Club handelt es sich um ein einstiges Luft-Kurhotel, das 1878 von einem Lugnezer Ehepaar erbaut wurde. 2015 kauften die heutigen Eigentümer das Dorfgasthaus und liessen es ohne Zeitdruck die nächsten Jahre umbauen. Das Ergebnis mit fünf mindestens 70 Quadratmetern grossen Suiten und 17 Betten begeistert: Den Gästen steht auffallend viel Raum zur Verfügung – mit einer Bar (etwa für Meetings), Lounges, Leseecken mit einer reich bestückten Bibliothek, einem Fitnessraum und einem Wellness mit Sauna, Eisgrotte und Dampfbad. Das historische Haus überzeugt mit seinem geschmacksvollen Design-Innenleben (allerdings ohne Lift) und dem grosszügigen Umschwung. Dazu zählen eine Outdoorküche mit Grill und zwei Feuerringen, ein Badebottich sowie zwölf Liegeplätze auf der Sonnenterrasse. «Die Gäste sollen sich bei uns wie in einer Ferienwohnung fühlen», sagt Anni Lampart.

Das exklusive Produkt gibt es nur für Mitglieder oder ihre Begleiter. Einzelmitglieder bezahlen für 12 Monate 5000 Franken, Unternehmen 25 000 Franken. Eine Übernachtung für zwei Erwachsene inklusive zwei Kinder gibt es ab 1950 Franken, wobei Lamparts die Gäste bereits ab 11 Uhr willkommen heissen – mit einem Apéro, gefolgt von einem Mittag- und Abendessen. Reto Lampart erklärt: «Grundsätzlich muss man Member sein, um bei uns zum Essen reservieren zu können. Natürlich kann ein Member auch für seine Freunde, Familie und Geschäftspartner reservieren. Die Mitgliedschaftsgebühr läuft ja zwölf Monate und der Restbetrag kann auch bei einer erneuten Mitgliedschaft ins neue Jahr übernommen werden.» Die Mitinhaber überlegen sich, mittelfristig eine weitere Variante zu kreieren, um beispielsweise auf die Bedürfnisse von Zweitwohnungsbesitzer einzugehen. 

Auch sämtliche alkoholische Getränke sind inbegriffen. Um den Weinkeller kümmert sich Anni Lampart. Sie hat ihn hauptsächlich mit Flaschen aus der Schweiz, Italien, dem Bordeaux und Spanien bestückt.

Kochkurse, maximal 300 Mitglieder
Lamparts setzen sich maximal 300 Mitglieder zum Ziel. Das Guesthouse & Country Club befinde sich im ersten Drittel und habe bereits viele Mitgliedschaften von ehemaligen Gästen. «Wir nehmen Genussmenschen ins Visier. Das können auch Essen von Verwaltungsräten sein. Unsere Küche ist immer offen. Es besteht die Möglichkeit für Kochkurse», erklärt Reto Lampart. Er ist überzeugt, dass das Clubkonzept eine grosse Zukunft hat, weil sich die Menschen intime Rückzugsorte wünschen. Und aus betriebswirtschaftlicher Sicht habe das den Vorteil, dass sich so das Gästeaufkommen genau planen lasse, was letztlich auch ein Beitrag gegen die Lebensmittelverschwendung sei.

Lamparts Philosphie in der Küche: Nicht der Koch ist der König, sondern das Produkt. Er sei kein Filetkoch, bereite gerne traditionelle Gerichte wie eine Kalbsbrust zu – aber mit modernen Einflüssen, etwa aus der japanischen Küche. Den Saibling kauft der Sternekoch beispielsweise beim Nachbar Curdin Capeder von Capeder Lumnezian Food ein, mariniert den Fisch mit Koriander, Schnittlauch, Dill und Kerbel und gart ihn fünf Minuten auf dem japanischen Holzkohlegrill. Dazu präsentiert Lampart marinierte Randen und Sauerrahm. «Zu jedem Gericht Stärkebeilagen zu servieren, finde ich schon seit 15 Jahren ein Blödsinn.»

Unterstützung in der Küche erhält er vom talentierten Jungkoch Robin Höfer (25), der aus der Bodensee-Region stammt. Die beiden harmonieren in der Küche so, als würden sie schon seit vielen Jahren zusammenarbeiten, tun dies aber erst seit ein paar Tagen. Maximal 40 Personen können sich von den Kochkünsten verwöhnen lassen. «Unsere Stärke ist, dass wir individuell auf die Gäste eingehen», sagt Reto Lampart. Seine neunköpfige Crew freut sich, dass es am 12. Dezember endlich losgegangen ist.

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