Mehr Betten, aber nicht mehr Gäste

Wenn der Tourismus blüht wie ­beispielsweise in der Stadt Zürich, dann zieht das automatisch auch grosse Hotelketten an. Ketten, die alle ihr persönliches Flaggschiff genau dort installieren wollen, egal ob es die Kapazitäten zulassen, oder nicht. So hat Motel One nun letzte Woche in Zürich seinen zweiten Schweizer Betrieb mit 394 Zimmern eröffnet. «Wir freuen uns sehr, unsere Erfolgsgeschichte mit der Motel One Group nach Basel nun auch in Zürich weiterschreiben zu können», hielt Peter Lehmann, CEO Swiss Prime Site Immobilien fest. Und Motel-One-CEO und -Gründer Dieter Müller freut sich über die «sehr gut gelungene» Umwandlung der alten Selnau-Post in ein Design-Hotel. Was die Betreiber grosser Ketten freut, ist eine Entwicklung, die für die eigenständigen Zürcher Hotelbetriebe je länger je mehr prekär wird. So hat bereits vor über einem Jahr Gast­geber Jörg Arnold vom Hotel Storchen in Zürich (siehe GJ14/2016) darauf aufmerksam gemacht, dass der Druck riesig sei aufgrund von mehr Betten, aber nicht unbedingt mehr Gästen. Denn Tatsache ist: In Zürich hat die Bettenkapazität seit 2010 um gut einen Drittel zugenommen und wird noch weiter zunehmen, wie ein Blick auf die aktuellsten Hotelprojekte zeigt. So werden unter anderem im Raum Flughafen Zürich Ende 2019 zwei Hotels mit 550 Zimmern entstehen und in der Stadt Zürich Ende 2018 ein A-JA City Resort mit 320 Zimmern. Wie hat es der Präsident des Zürcher Hotelierverbandes Martin von Moos gegenüber einer lokalen Tageszeitung so schön auf den Punkt gebracht: «Der Bogen ist ganz klar überspannt.» Aber gemerkt haben das die grossen Ketten offenbar noch nicht.

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