Mehrwertsteuer bis Food Waste

Die Hotrec ist sozusagen das europäische Pendant zu GastroSuisse: Beide Verbände vertreten die Interessen des Gastgewerbes. Doch während GastroSuisse mit seinen 26 Kantonalsektionen rund 30 000 Betriebe mit etwa 250 000 Beschäftigten repräsentiert, sind die Dimensionen in Europa grösser: etwa 1,5 Millionen gastgewerbliche Unternehmen mit rund 9,5 Millionen Beschäftigten, dies in 28 Ländern mit 42 Mitgliedsorganisationen –darunter GastroSuisse.

Anfang Mai hat in der estnischen Hauptstadt Tallinn die 74. Generalversammlung stattgefunden, und seitens von GastroSuisse war der stellvertretende Direktor Daniel C. Jung vor Ort. Insgesamt erweise sich, dass die Herausforderungen in Europa grundsätzlich ähnlich sind, laut Jung sind «die strategischen Schwerpunkte und Stossrichtungen» der Hotrec zurzeit folgende:

  • Bilden von Vertrauen und Glaubwürdigkeit.
  • Stärken der politischen Stimme und Einflussnahme in der politischen Debatte.
  • Transparentes und effizientes Thematisieren von Branchenanliegen.
  • Entwicklung und Pflege von Netzwerken und Kooperationen.
  • Verstärkung von Kommunikation und PR.

Unter dem Präsidium der österreichischen Hotelière Susanne Kraus-Winkler (ein Interview folgt nächste Woche) sowie der Geschäftsführung von Christian de Barrin hat sich die Hotrec mit Sitz in Brüssel bereits stark professionalisiert. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass es keine Diskussionen mehr um Finanzen gibt – aber im Rahmen der erwähnten Strategien umso mehr um Sachfragen.

So zeigen Zahlen und Analysen zwar, dass Europa im weltweiten Vergleich «gut dasteht und in der Lage ist, alle Qualitätsstufen und -bedürfnisse abzudecken», wie Jung erläutert. Eine wichtige Rolle spielen dabei laut einer umfassenden Erhebung der Hotrec die «positiven Effekte von tiefen Steuersätzen auf die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Wettbewerbsfähigkeit der Branche». Besondere Herausforderungen sind im internationalen Konkurrenzkampf jedoch das Preis-Leistungs-Verhältnis sowie die Wettbewerbsfähigkeit im Bereich Budget-Hotels. Grundsätzliche Sorgen wiederum machen:

  • die sinkenden Margen. die Mühe damit, Entwicklungen vorauszusehen und darauf zu reagieren.
  • die Mühe damit, Innovationen zu realisieren und die Effizienz zu steigern, dies namentlich in der Servicekette von der Ankunft bis zur Abreise.
  • der wachsende Einfluss und Marktanteil von Vermittlern, die oft weltweit dominante Stellungen haben.

Die Hotrec begnügt sich nun nicht damit, den Handlungsbedarf festzustellen. Vielmehr soll in den verschiedenen Handlungsfeldern vorab anhand von guten Beispielen aus der unternehmerischen Praxis Hilfe zur Selbsthilfe geboten werden.

Ebenfalls aktiv ist die europäische Dachorganisation im Bereich der erwähnten Vermittler: So hat eine Untersuchung der Hotrec ergeben, dass die grossen Plattformen (OTA) unter dem Verbot von preislichen Paritätsklauseln keineswegs leiden. Die lauthals geäusserten Befürchtungen der OTAs, ohne ihre Knebelverträge würden Gäste bei den OTAs suchen, aber am billigsten Ort buchen, haben sich nicht bewahrheitet.

Während sich bei der Hotelklassifikation, die lange ein grosses Thema gewesen war, die Prozesse einzuspielen scheinen, tauchen in den Bereichen Lebensmittel und öffentlicher Raum neue Herausforderungen auf: Beim Acrylamid und Transfetten laufen Regulierungen, die Hotrec wie auch GastroSuisse im Auge behalten; dasselbe gilt für die Lebensmittelverschwendung (Food Waste), wo eine Halbierung bis 2030 im europäischen Raum steht. Drängend sind überdies Abfall und Lärm. Verschiedenste Regulierungen machen hier ein gemeinsames Handeln zwar schwierig, doch auch hier sollen Erfahrungsaustausch und gute Beispiele (z. B. Paris Manifesto on Nightlife) dem Gastgewerbe dienen. www.hotrec.org

 

 

 

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