Mise en Place für die Köche

Eingestellt fürs Nachwuchsmarketing der Hotel & Gastro Union, übernahm Andreas Fleischlin vor sechs Jahren die Geschäftsführung des Schweizer Kochverbands. Er folgte auf Norbert Schmidiger, der diese Funktion über 30 Jahre bekleidet hatte.

Erste Akzente setzte Fleischlin bei der Schweizer Kochnationalmannschaft, die damals noch in einer mehrstufigen Team-Ausscheidung auserkoren wurde. Fleischlin übernahm die administrativen Arbeiten im Hintergrund und sorgte in einem ersten Schritt für eine professionelle Ausrüstung. In einem zweiten änderte Fleischlin das anti­quierte Auswahlverfahren: Gegen innere Widerstände setzte er internationale Standards durch.

Vorbei die Zeiten der Regional-­könige mit ihren Kochkunst-Teams, die alle vier Jahre in einer Ausscheidung gegeneinander antraten und von denen dann ein Team vier Jahre die Schweiz als Nationalmannschaft repräsentierte. Künftig sollten die Besten der Besten für die Kochnational­mannschaft auserkoren werden. Fleischlin besorgte auch die Ressourcen, damit sich das einstige Ehrenamt zum semi-­professionellen Engagement weiterentwickelte – und jetzt ähnlich einer Fussball-Nationalmannschaft funktioniert mit intensiven Trainingszeiten, inklusive Teammanager mit Culinary Advisors und Trainern.

Die Schweizer Kochkunst und die Schweizer Küche liegen Andreas Fleischlin am Herzen. Das Projekt der Koch-Akademie forcierte er und brachte es zur Reife. So ist nun im Schosse eines einstigen Erholungsheims der Campus für angehende Spitzenköche geplant.

Fleischlin wollte auch alle Kochwettbewerbe in der Schweiz auf ein gemeinsames Fundament stellen. Hierfür holte er die Veranstalter grosser Kochwettbewerbe plus die Verbände an einen Tisch. In zahlreichen Diskussionsrunden mit rund 20 Teilnehmenden und akribischer Fleissarbeit suchte er gemeinsame Nenner. Am Ende resultierte eine Webseite mit Agenda und Grund­informationen zu den einzelnen Wettbewerben. Der Berg hatte eine Maus geboren, doch Fleischlin ­erledigte diese eher undankbare Arbeit gewissenhaft.

Dass Andreas Fleischlin per Ende ­April den Schweizer Kochverband verlässt, bedauern seine Weg­gefährten auf Facebook: «wirklich sehr schade», schreibt Ehren-­präsident der Hotel & Gastro Union Georges Knecht, «ein grosser Verlust» (Armin Fuchs), «danke für die tolle Zusammenarbeit und die schöne Zeit» (Peter Walliser, vormaliger Präsident des Kochverbandes), «Schade… Danke für dein riesiges Engagement für unseren wunderbaren Beruf» (Thomas Nussbaumer, Präsident des Kochverbandes).

Auch Urs Masshardt, Geschäftsleiter Hotel & Gastro Union, dankt: «Andreas hat in diesen neun Jahren sehr viel für unsere Berufe und für den Verband bewirkt und hat grosse Erfolge aufzuweisen (…).» Die Suche nach einem Nachfolger wurde aufgenommen. Der Branchenorganisation und Institution Schweizer Kochverband ist eine starke Führung zu wünschen, besonders als Alternative zu den Gewerkschaften.

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