Mitarbeitende führen mit Kommunikation, Respekt und Vertrauen

Marina Parris hat die ersten30 Jahre ihres Lebens in Kalifornien verbracht. Dort hat sie Betriebswissenschaften studiert sowie erste berufliche Erfahrungen gesammelt, bevor sie 1993 in die Schweiz zog. Parris begleitet Führungskräfte als Coach im Bereich pferdegestütztes Lernen, sie ist Geschäftsführerin der Leadership Wisdom in Zug.

GastroJournal: Was können Führungskräfte von Pferden lernen?
Marina Parris: Dass gute Führung mit Respekt und Vertrauen zu tun hat. Denn in einer Herde ist das Leitpferd nie das grösste oder das stärkste, sondern dasjenige, das innerliche Eigenschaften besitzt wie beispielsweise Klarheit, Ruhe, Authentizität, Konsequenz und Fürsorge – es handelt also immer zum Wohle der Herde. Das sind Eigenschaften, die jede Führungsperson haben sollte. Denn wenn sich Menschen in unserer Obhut befinden, dann sind wir für deren Wohlbefinden zuständig.

«Wichtig sind Klarheit, ­Ruhe, ­Authentizität, Konsequenz und Fürsorge»

Pferde können sich aber im Gegensatz zum Menschen nicht verbal verstän­digen, sie kommunizieren rein non-verbal. Wie funktioniert das, beziehungsweise was können wir von ihnen lernen?
Dass non-verbale Signale spürbar, aber nicht unbedingt sichtbar sind. Wir sind uns das nur allzu oft nicht bewusst. Beispielsweise wenn wir gegen aussen etwas verbal kommunizieren, aber innerlich eine andere Meinung haben, dann ist das spürbar und kann unser Gegenüber verwirren. Das heisst, verbale und non-verbale Kommunikation müssen eins sein. Wir müssen überzeugt sein von dem, was wir sagen. Bei der Zusammenarbeit mit Pferden merken die Teilnehmenden sofort, wie ihre non-verbalen Signale beim Gegenüber ankommen. Eine Führungsperson kann sich somit bei dieser Zusammenarbeit bewusst werden, was sie ausstrahlt und wie sie auf andere Menschen wirkt.

Was sind die Grundpfeiler einer guten und zeitgemässen Führung?
Respekt, Vertrauen und Freude. Also ein Arbeitsumfeld, in dem Respekt und Vertrauen zum Alltag gehören und in dem ich selber Freude an dem habe, was ich tue. Denn wenn ich als Führungskraft keine Freude an meiner Arbeit habe, dann kann ich das auch nicht transportieren. Vertrauen erleichtert zudem sehr viel, denn es verhindert, dass Mitarbeitende für sich entscheiden: Ich muss als erstes für mich schauen, nicht für den Betrieb. Wichtig ist zudem eine hohe Glaubwürdigkeit, denn wenn ich als Führungskraft selbst nicht Vertrauen und Respekt geniesse, dann habe ich langfristig gesehen keine Chance. Letztlich gibt es zwei Arten zu Führen – entweder mit Druck oder als Vorbild.

«Männer haben einen grossen Vorteil: Sie werden nicht emotional»

Stichwort Hierarchien: flache oder steile Hierarchien. Was beflügelt den Mitarbeitenden mehr?
Klar, jemand muss die Zügel in der Hand haben, aber derjenige, der das hat, muss gleichzeitig auch wissen, welche Qualifikationen seine Mitarbeitenden haben und diese auch fordern und sie fördern. Die Kunst ist: Alle irgendwie abzuholen und mitreden zu lassen, besonders wenn sie eine andere Meinung oder Idee haben. Denn wir brauchen ab und an genau diese Querdenker, die neue Ansätze bringen und unseren Horizont erweitern – auch wenn sie uns vielleicht im ersten Moment verärgern.

Warum ist es für viele Vorgesetzte schwierig, den Mitarbeitenden Vertrauen zu schenken, sie einfach mal machen zu lassen?
Weil sie oft Angst vor dem Kontrollverlust haben. Dabei müssten sie das gar nicht. Denn man muss beziehungsweise kann als Führungsperson gar nicht in allen Bereichen alles wissen und können. Am Ende ist jeder auf Mitarbeitende angewiesen, welche die Kompetenzen haben, die man im Tagesgeschäft braucht. Hier heisst es, loslassen und den Platz im Rampenlicht auch mal anderen überlassen zu können. Hinzu kommt, dass eine Führungskraft durchaus Fehler erlauben oder auch machen kann. Es braucht in jedem Unternehmen eine gesunde Fehlerkultur.

Was unterscheidet Männer und Frauen beim Thema Führung?
Männer haben beim Thema Führung einen grossen Vorteil: Sie sind sachlicher und werden nicht emotional. Zudem machen sie kein Aufheben rund um eine Geschichte, die irgendwann einmal passiert ist. Ihr Manko indes: Sie hängen mehr an Hierarchien als Frauen. Aufs Pferd gemünzt: Sie möchten es eher erziehen und zu ihren Gunsten formen; Frauen sind da fürsorglicher, gehen eher auf das Pferd ein, und bauen es so auf. Frauen sind, was Führung anbelangt, auch oft mehr dazu bereit, an sich selber zu arbeiten.

«Pferde sind hochsensibel und sehr gute Lehrmeister»

Wohin wird sich «Führung» in Zukunft noch entwickeln?
Ich glaube, «Führung» wird sich noch wandeln. Einerseits, weil mehr Frauen in Führungspositionen arbeiten werden, und andererseits, weil die junge, digitale Generation nicht mehr viel vom klassischen Hierarchieverständnis hält. Trotz Wandel wird sich aber eines nie ändern: «Menschen ist es egal wie viel du weisst, solange sie nicht wissen, wie viel sie dir bedeuten.»

Am Frauen-Forum werden Sie einen Workshop geben. Worauf dürfen sich die Damen freuen?
Auf eine Begegnung mit sich selbst! Und sie werden merken, dass Pferde hochsensibel und in Sachen Führung sehr gute Lehrmeister sind.

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Forum für Frauen im Gastgewerbe
Vom 9. bis 13. September 2018 findet das traditionelle Forum für Frauen im Gastgewerbe statt. Gastrecht gewährt das Team der Seerose Resort & Spa in Meisterschwanden. Das Programm steht unter dem Motto: «Organisation: Des Lebens grösste Kunst.» und verspricht einiges an Höhepunkten – unter anderem einen Intensiv-Workshop mit Marina Parris und ihrem Team (siehe Text). Wer sich noch nicht angemeldet hat, kann dies tun unter:
www.forum-gastrosuisse.ch 

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