Mitten auf der Hochpreisinsel

Die Notwendigkeit der Fair-Preis-­Initiative zeigt sich insbesondere an den Landesgrenzen, beispielsweise in Schaffhausen, wo sich die Delegierten von GastroSuisse zu ihrer Versammlung trafen. Denn dort spürt das Gewerbe den Abfluss der Kaufkraft im Detailhandel wie in der Gastronomie besonders. Umso passender, dass GastroSuisse-Präsident Casimir Platzer gerade an diesem Ort der Hochpreisinsel auf die nationalen Sammeltage für Unterschriften zur Fair-Preis-Initiative aufmerksam machte.

Der Schaffhauser Stadtpräsident Peter Neukomm schilderte die Herausforderungen der Grenznähe anschaulich – für die Politik und das Gewerbe: «Ich gratuliere Ihnen zur Lancierung der Fair-Preis-­Initiative.» Diese Aussage bekräftigte Thomas Hauser, Kantonsratspräsident und damit höchster Schaffhauser. Als Kellner wirkte er einst in André Jaegers Fischerzunft, und mit der Heirat lachte er sich definitiv das Gastgewerbe an. Als Kantonsrat überwies er auch schon eine Motion, damit der Kanton Schaffhausen in Bundesbern eine Standesinitiative platziert, um gegen die Hochpreisinsel vorzugehen. Sie harrt ebenso einer Umsetzung wie die parlamentarische ­Initiative von Hans Altherr.

Nach diesen Worten der Unterstützung widmeten sich die Delegierten den traktandierten Geschäften. GastroSuisse-Präsident Casimir Platzer liess das Jahr 2016 Revue passieren. Einführung des neuen L-GAV, Umsetzung der Zuwanderungsinitiative sowie die langwierige und am Ende erfolgreiche Umsetzung von Largo. Der an der letzten Delegiertenversammlung in Olten geforderte Tourismus-­Gipfel mündete zumindest in einem Roundtable mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Immerhin und erfreulicherweise soll der Roundtable nun eine Fortsetzung finden.

Was das Gastgewerbe selber macht, um seine Situation zu verbessern, zeigte sich einerseits in den Investitionen in die Hotelfachschule Ecole Hotelière de Genève und andererseits an den verschiedenen Veranstaltungen – vom Hotel Innovations-Tag über den Preis Lehrmeister des Jahres bis hin zum Hochgenuss17. «Auch im Jahr 2017 wollen wir unseren Berufsstolz mit einem gesunden Mass zeigen», versprach Platzer und forderte es zugleich von den Delegierten ein.

Die traktandierten Geschäfte gaben zu keinen Diskussionen Anlass. Die Delegierten nahmen den Gewinn von rund 270 000 Franken zur Kenntnis, ebenso von 2,9 Millionen Franken Cashflow sowie von der erstmalig ausgestellten Konzernrechnung. «Die Ertragseinbussen konnten durch weniger Aufwand aufgefangen werden», begründete Trésorier Walter Höhener das Ergebnis. Die Statutenrevision gab ebenfalls nichts zu reden und passierte mit überwältigendem Mehr der Versammlung (siehe Kasten). Da keiner der Anwesenden das Wort wünschte, nutzte das Organisa­tionskomitee der DV 2018 die Gelegenheit und stimmte mit einem Film auf die nächste DV in Locarno ein. Danach zogen sich die Delegierten zurück, um sich für die Gala frisch zu machen.

Rosmarie Widmer Gysel, Regierungspräsidentin und Vorsteherin des Finanzdepartements, erwies den Gastgebern die Ehre. Sie betonte die Wichtigkeit des Dialogs zwischen Wirtschaft, Verbänden und Politik, «weil sich die Schweizer Gastronomie vielfältigen und grossen Herausforderungen gegenüber sieht». Umso mehr dankte sie den Gastgebern für «ihren unverzichtbaren Beitrag zu einem lebendigen, vielfältigen Gastgewerbe».

GastroSuisse-Präsident Platzer rief den Pioniergeist des Schweizer Tourismus und die Innovation des Gastgewerbes in Erinnerung: «Die Schweiz hat einst den Massentourismus erfunden, heute müssen wir uns auf hybride Vielfalt einstellen (...) Innovation war und ist der Treiber unserer Branche.» Casimir Platzer zeigte die Vorteile von Kooperationen auf und betonte die Bedeutung des Gemeinsamen: «Nur wenn wir unsere Stärken bündeln, können wir weiter Trends setzen.»

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