Satellitenkonto Tourismus: Wohin das Geld des Gastes fliesst

«Der Tourismus hat eine grosse Bedeutung für die schweizerische Volkswirtschaft und ist folglich Gegenstand vielfältiger Diskussionen in Politik und Gesellschaft», behauptete der Bund, als er 2011 das revidierte Satellitenkonto Tourismus vorstellte. Es bestehe «ein grosser Bedarf an einer zuverlässigen statistischen Entscheidungs- und Diskussionsgrundlage». Diesen Bedarf zu decken, sei «Zweck des Satellitenkontos Tourismus».

Beim Satellitenkonto misst der Bund touristische Geldflüsse und ermöglicht damit qualitative Aussagen. Dies im Gegensatz zu den Beherbergungsstatistiken. Dort erhebt das Bundesamt für Statistik in einer öffentlich-privaten Partnerschaft nur Logiernächte und publiziert die Daten von Hotellerie und Parahotellerie nicht einmal parallel.

Das Satellitenkonto zeigt demgegenüber die finanzielle Nachfrage:

  • Von zehn Franken, die Gäste hierzulande ausgeben, kommen etwa vier von übernachtenden Gästen aus dem Ausland, drei von übernachtenden Gästen aus der Schweiz, zwei von Schweizer Tagesgästen und einer von den übrigen Gästen – namentlich ­Geschäftsleute und ausländische Tagesgäste.
  • Die Ausgaben all dieser Gäste haben sich im letzten Jahr auf gut 46 Milliarden Franken summiert. Brutto ergab sich daraus eine Wertschöpfung von knapp 17 Milliarden Franken. Damit hat der Tourismus an der gesamten Schweizer Wirtschaftskraft noch einen Anteil von 2,7 Prozent – ein Minus von gut 7,5 Prozent seit dem ersten Satellitenkonto von 2001.
  • Der Anteil des Tourismus an der Schweizer Gesamtbeschäftigung ist demgegenüber mit 4,1 Prozent hoch – auch deshalb sind Löhne so problematisch und ausländische Beschäftigte so häufig, Auf Vollzeitstellen hochgerechnet, gab es 2016 im Schweizer Tourismus gut 165 000 Arbeitsplätze – gegenüber dem ersten Satellitenkonto von 2001 ist das ein Rückgang von rund 5 Prozent.

Der Schweizer Tourismus hat mit Blick auf die Gesamtwirtschaft also an Gewicht verloren. Nominell ­konnte die Branche jedoch stark zulegen (vgl. Kasten). Es gibt nur eine einzige Ausnahme: Die Verpflegung in Gaststätten und Hotels hatte 2001 umgerechnet noch 39 204 Vollzeitstellen geboten. 2016 waren es noch 38 623 – die einzige nominell ­negative Entwicklung in der ganzen ­Tourismusbranche.

Der enorme Druck auf der arbeits- und kapitalintensiven Gastronomie zeigt sich hier: Mit immer weniger Beschäftigten versucht die Branche, Umsätze und Erträge zu halten. Eine andere Seite widerspiegelt der Branchenspiegel, für den zurzeit wieder Zahlen gesammelt werden – siehe rechts: Nach wie vor schreiben rund zwei Drittel aller gastgewerblichen Unternehmen in der Schweiz rote Zahlen und leben also von ihrer Substanz.

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