Synergien nutzen im Gastgewerbe

Wie steht es um das Schweizer Gastgewerbe?
Casimir Platzer: Nach einer langen Zeit, die uns viel Substanz gekostet hat, haben wir endlich die Talsohle durchschritten. Wir haben viel aufgeholt und können somit recht optimistisch in die Zukunft blicken, wenn auch das Gesamtbild durchzogen bleibt.

Was bedeutet das konkret?
Der Winter wie auch der Sommer im Jahr 2018 waren sehr gut. Aber trotz dieser positiven Signale sind die betrieblichen Erträge der Hotels nach wie vor nicht auf demselben Niveau wie noch vor der Wirtschaftskrise im Jahr 2008. Hinzu kommt der enorme Kostendruck, der eine grosse Herausforderung bleibt. Weiter beschäftigt uns der Fachkräftemangel, der nicht nur uns, sondern auch unsere Nachbarländer auf Trab hält.

«Wir können recht optimistisch in die Zukunft blicken, wenn auch das ­Gesamtbild durchzogen bleibt.»

Wie könnte man dem Fachkräftemangel begegnen?
Wichtig ist, dass wir weiterhin in die gute Aus- und Weiterbildung ­investieren, und unser Image als attraktiver Arbeitgeber pflegen. Im Bereich des Fach­kräftemangels sehe ich durchaus auch ­Lösungsansätze mithilfe der Digitalisierung. Das heisst, dass wir gewisse Tätigkeiten in den ­Betrieben künftig zum Beispiel durch ­digitale Lösungen unterstützen könnten. Klar wird das nicht in allen Betrieben gleichermassen funktionieren, in der Ferienhotellerie etwa wäre das sicherlich ein No-Go. Aber in Hotels, die auf Geschäftsreisende setzen, sehe ich eine Auslagerung der Tätigkeiten auf ­Roboter als eine prüfenswerte Möglichkeit.

Eine Herausforderung im Jahr 2018 war sicher auch die Einführung der Stellenmeldepflicht?
Ja, durchaus. Hier konnten wir leider den Bund nicht überzeugen, die unsinnige Berufsnomenklatur zu verbessern. Das ist nach wie vor extrem störend, denn die Berufsart «Küchenpersonal» beinhaltet fälschlicherweise Fach- und Hilfspersonal. Um es nochmals auf den Punkt zu bringen: «Wer einen Küchenchef sucht, der braucht keinen Casserolier.» Dass die Stellenmeldepflicht in der Praxis tatsächlich ein Unding ist, hat dann auch die Umfrage bei unseren Mitgliedern gezeigt. Sie brachte klar zum Ausdruck, dass der administrative Aufwand für die Betriebe grösser geworden ist und die von den ­Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) zugestellten Dossiers ungenügend sind. Zudem ergab die Umfrage, dass sich die RAV nicht an die gesetzlich vorgegebenen Fristen halten. Hier sehen wir nach wie vor dringenden Handlungsbedarf.

«Wir als Verband wie auch unsere ­Mitglieder müssen ständig am Ball bleiben.»

Was waren 2018 für Sie Erfolge?
Verbandspolitisch wichtig ist sicher, dass wir die drei frei gewordenen Sitze im Vorstand von GastroSuisse mit den ausgewiesenen Persönlichkeiten Bruno Lustenberger, Annalisa Giger sowie André Roduit besetzen konnten. Auch bei der Neubesetzung der Kommissionen konnten wir auf Fachleute zurückgreifen und so die Kompetenz in den Kommissionen weiter steigern. Doch 2018 war nicht nur verbandspolitisch ein erfolgreiches Jahr. So waren wir als Verband auf politischer Ebene bei allen wichtigen Abstimmungen auf der richtigen Seite. Ich denke etwa an die «No Billag»-Initiative, die beiden Agrar-Initiativen sowie die Selbstbestimmungs-Initiative. Bedeutend war, dass wir gemeinsam mit unseren Allianzpartnern bewirken konnten, dass der Bundesrat im August einen indirekten Gegenvorschlag zur Fair-Preis-­Initiative präsentierte, der wenigstens das Kernthema aufgreift. Hier sind wir zwar noch nicht am Ziel, aber auf dem Weg. Ein grosser Erfolg war schliesslich, dass wir die Motion von Isidor Baumann «Familienzulagen. Für eine faire Lastenverteilung» durchbringen konnten, obwohl wir Gegner wie Banken oder Versicherungen hatten.

Ein weiterer Erfolg dürfte die Lancierung der neuen Versicherungslösung in Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern sein …
Richtig, die Lancierung des neuen Versicherungsangebots Gastroversicherung ist ein weiterer Erfolg. Diese zukunftsweisende Plattform entlastet die Unternehmer und hilft, Versicherungsprämien zu sparen. Gastroversicherungen wird nicht unser letztes Projekt mit Partnern des Gastgewerbes bleiben. Wir sind als Verband sehr bemüht, für unsere Mitglieder praxisorientierte Lösungen zu finden, die ihnen den Alltag erleichtern. Denn wir als Verband wie auch unsere Mitglieder dürfen nicht stehen bleiben, sondern müssen ständig am Ball bleiben und uns entwickeln.

Mit Blick nach vorne: Wohin geht die strategische Stossrichtung 2019?
Was sind die Ziele des Verbandes? 2019 ist Wahljahr. GastroSuisse wird sich deshalb im nächsten Jahr politisch ­engagieren, damit sich gastgewerbefreundliche Kandidaten im Wahlkampf entsprechend positionieren können. Konkret werden wir die Kandidaten in den Kantonen vor Ort mit Flugblättern oder Broschüren unterstützen. Verbandspolitisch steht die Umsetzung der Strategie 2019–2022 im Fokus. Des Weiteren sind wir an der Erarbeitung einer Strategie für die Gruppe GastroSuisse. So möchten wir das Gruppenverständnis unter den einzelnen Protagonisten wie GastroSuisse, GastroSocial und den Hotelfachschulen stärken, vermehrt Synergien nutzen sowie den Zusammenhalt festigen. Das alles wiederum im Sinne und Interesse unserer Mitglieder.

www.gastrosuisse.ch

 

Lieblingsessen
Casimir Platzer mag es rustikal: «Wenn ich an einem freien Abend zu Hause bin, dann mag ich am liebsten ein gutes Glas Rotwein mit einem kalten Plättli. Da bin ich schon glücklich. Und wenn es spektakulärer sein soll: Bei Sushi sage ich auch nicht nein.»

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