Unheimliche Patrioten ohne fairen Sportsgeist

Eigentlich ist es unheimlich: 2013 und 2017 befürworteten praktisch alle Meinungsmacher im Kanton Graubünden eine Kandidatur für Olympische Winterspiele. Politiker, Unternehmer und Verbände sahen darin eine gute Gelegenheit, der trüben Ferienecke der Schweiz ­neuen Glanz zu verleihen.

Wer sich dagegen stellte, musste schon 2013, als Lara Gut in Schladming eine einzige WM-Medaille für die Schweiz holte, viel aushalten: Namentlich die Sportfunktionäre schlugen einen Ton an, der nichts mit fairem Sportsgeist zu tun hatte, geschweige denn mit demokratischer Kultur.

2017, als die Schweiz in St. Moritz an der WM überraschend viele Medaillen gewann, spielten die politischen Meinungsmacher wieder auf den Mann. Obschon das Bündner Stimmvolk Olympia nicht erst 2013, sondern schon 1980 abgelehnt hatte, waren 2017 kaum Diskussionen möglich: Wer dagegen war, wurde eher angepöbelt als angehört.

Nun hat das Volk wieder gesprochen, doch das vernichtende Resultat der Sportler scheint erneut keine Denkpause zu bewirken: Die komplett gescheiterten Bündner Meinungsmacher gehen nicht in sich, sondern werfen dem Stimmvolk tendenziell Ignoranz oder Kleingeistigkeit vor.

Lehren gezogen haben indes andere Eidgenossen: Die Kantone Bern, Freiburg, Waadt und Wallis sind mit einer breit abgestützten Kandidatur bereit. Sie braucht mangels Budgetmasse vorderhand keine Volksabstimmung, hätte wegen der klugen Aufgabenteilung jedoch gute Chancen beim Volk – so ist die St. Moritzer Bobbahn als Austragungsort vorgesehen.

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