Vielleicht endlich in der Talsohle angekommen

Das Gastgewerbe in der Schweiz leidet grundsätzlich umso mehr, je stärker die Wirtschaftskraft des Landes ist: Denn weil im Gastgewerbe immer und überall viel einfache Handarbeit gefragt ist, verteuert sich die gastgewerbliche Dienstleistung relativ, doch die Produktivität bleibt verhältnismässig gering.

Dieses Dilemma ist nicht aufzulösen: Es bildet sich sowohl in der Chancenlosigkeit des Gastgewerbes auf dem Schweizer Arbeitsmarkt ab als auch in der Unmöglichkeit, die steigenden Kosten zu überwälzen – der Gast vergleicht international. Unter diesen Umständen verwundert es nicht, dass ein Grossteil der Schweizer Hotels und Restaurants rote Zahlen schreibt: Etwa zwei Drittel der gastgewerblichen Betriebe leben hierzulande von der Sub- stanz. Diese Schreckenszahl ist nicht neu, sondern seit Jahren konstant – und nachzulesen im Branchenspiegel von GastroSuisse.

Verallgemeinern allerdings darf man gerade im Gastgewerbe nicht: Der extreme Druck führt auch zu extremer Leistungsbereitschaft und Kreativität – viele Gastrounternehmen sind sehr erfolgreich.

Die insgesamt gute Wirtschaftslage scheint jedenfalls auch aufs Gastgewerbe abzufärben: Wie die jüngsten Erhebungen etwa der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich oder der AmPuls Marktforschung Luzern nahelegen, könnte die Talsohle erreicht sein: «Das erste Mal seit drei Jahren verzeichnet das Gastgewerbe eine leichte Zunahme des Umsatzes», resümiert die KOF, und laut AmPuls haben die Ausgaben auswärts leicht zugenommen. Aber eben: Bitte nicht verallgemeinern. Denn die Gesamtlage bleibt desolat, und Entwarnung ist grundsätzlich nicht angezeigt.

Aktuelle News