Was 2017 alles gebracht hat

Einsen und Nullen beherrschen die Welt: Die Automatisierung und Digitalisierung schreitet voran, hat 2017 die Währungen erfasst und wird 2018 auch das Telefon erobern. Vorbei die Zeiten, dwo telefonieren ohne Strom möglich war. Eindrückliches zeigt sich mittlerweile abends auf den SAC-Hütten: der Kampf um die wenigen Steckdosen. Smartphones, Smartwatches und Fotokameras wollen alle aufgeladen werden. Und welches ist die erste Frage im Hotel? «Wie lautet das Passwort fürs W-Lan?» Und mit der Einführung der SwissID brauchen Herr und Frau Schweizer künftig nur mehr ein Login fürs E-Banking, die Steuererklärung und das Online-Shopping – eine nationale digitale Identitätskarte ist aktuell am Entstehen.

Gleichzeitig verbinden Bezahl-Apps auf den Smartphones die Vorteile des schnell verfügbaren Bargeldes mit der passgenauen Bezahlung der Kredit- oder Debitkarten. Durch die hohe Akzeptanz bei den Detailhändlern sind sie bei den Kunden bereits weit verbreitet und werden bald auch in den Restaurants erwünscht, wenn nicht gar gefordert werden.

Smartphones allgemein sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Eine Studie aus Deutschland, die in den Grundaussagen sicher auf die Schweiz zu übertragen ist, sagt: durchschnittlich 2617 Mal pro Tag wird das Smartphone berührt. Der zivilisierte Mensch schaltet es täglich 76 Mal ein und nutzt es täglich 145 Minuten, knapp zweieinhalb Stunden. Kein anderer Medien­kanal wird so intensiv genutzt und deshalb muss die Frage jetzt und in Zukunft lauten: Wie schafft es ein Unternehmen, ein wenig von diesen 145 Minuten Aufmerksamkeit auf sich zu lenken?

Die Auswirkungen dessen sind allenthalben zu sehen. Bereits 2016 hat die SBB erstmals mehr Billette online verkauft als am Schalter, deshalb schliesst sie per Ende Jahr 52 Partner-Verkaufsstellen. Detailhändler haben in ihren Apps Bilderkennungen installiert, die zu jedem Produkt weitere Informationen wie Nährwerte, Rezepte oder Bewertungen liefern.

Und gleichzeitig weicht die Euphorie und Goldgräber-Stimmung der letzten Jahre zusehends einem Courant normal. Im April hat ein Gericht einen Mieter zur Ablieferung des Gewinns verurteilt, weil dieser seine Wohnung ohne Zustimmung des Vermieters über Airbnb vermietet hatte. Der Fahrdienst-Vermittler Uber wiederum wird seinen Dienst Uber Pop in der Schweiz einstellen, bei dem jedermann und jederfrau Fahrdienste anbieten konnte.

Erleichterung zeigt sich an der Währungsfront. Anfang 2017 drohte der Euro-Franken-Wechselkurs weiter einzubrechen, doch er erholte sich: nach seinem Juli-Sprung auf 1,15 hat er sich dort stabilisiert und avanciert aktuell leicht. Das stimmt zuversichtlich für die anstehende Wintersaison, bislang entwickelten sich die Logiernächte erfreulich, dank Schweizer und ausländischen Gästen. Doch ein Makel hat die Statistik: Gruppenreisende Gäste aus der Ferne ersetzen die umsatz­starken Gäste aus der Nähe. Zu starke Touristenströme sind allerdings nicht erwünscht, vor allem nicht, wenn sie Einheimische verdrängen wie in Berlin, Paris, London, Amsterdam, Barcelona und Mallorca. Bei letzteren gab es gar Proteste der einheimischen Bevölkerung.

In der Schweiz gibt es nur wenige Hotspots, wo sich die Touristen über Mass ansammeln. Und teils ist es gewollt. Saas Fee beispielsweise hat mit dem super-günstigen Skipass einen medialen Hit gelandet, der im Winter 2017/2018 bereits Nachahmer findet. Der Wettlauf um die tiefsten Preise ist eröffnet.

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GastroJournal reflektiert, was von seiner Prognose fürs Jahr 2017 wirklich zutraf
Wo sich Prognose und Realität im Jahr 2017 trafen

Jeweils anfangs Jahr wagt sich GastroJournal ans Kaffeesatz-Lesen, so auch letzten Januar. Der Zeithorizont von einem Jahr scheint kurz, manchmal zu kurz. Die ­Gefahr droht, dass kurzfristige Moden überbewertet und die Vorboten langfristiger Trends unterschätzt werden. Doch eins sticht hervor: Die fortschreitende Automatisierung kann nicht unterschätzt werden.

Bezahl-Apps, Apps für Home-Delivery und andere kleine Helfer-Apps machen das Smartphone je länger desto mehr zum verlängerten Arm des Menschen. Dabei wandelt sich das Smartphone vom einst privaten Spassobjekt hin zum Arbeitsgerät, wie vor knapp einem Jahr von GastroJournal prognostiziert. Beispielsweise steigt die Zahl der Unternehmen, die eigene Apps nur für die Mitarbeitenden entwickeln, beispielsweise zur raschen Informationsverbreitung, zur Arbeitszeiterfassung et cetera.

Der prognostizierte Gegentrend nach Ruhe und Offline-Zeit beschränkt sich auf den High-End-Bereich und das Vordergründige. In Restaurants heisst dies eine Stärkung im direkten Kundenkontakt. Für die Lagerbewirtschaftung hingegen, das Bestellwesen, die Informationsverarbeitung und vieles Weiteres mehr, werden automatisierte Prozesse helfen, das rarer werdende Fachpersonal zu entlasten. Einfache Arbeiten übernehmen Algorithmen oder Roboter, Kreativität und So­zialkompetenz bleibt in Menschenhand; vorderhand zumindest.

Der beinahe religiöse Fanatismus rund ums Essen hat sich glücklicherweise 2017 abgeschwächt. Doch das gesunde und verantwortungsvolle Essen wird bleiben und sich in weiteren Trends vervielfältigen. Food Waste und ­Nose-to-Tail harren ihrer Akzeptanz auf voller Breite.

Immerhin erhalten die genannten Themen noch mehr Beachtung als die Kochwettbewerbe. Die mediale Beachtung ist entgegen der Voraussage eher nochmals gesunken: Zu zahlreich sind die Wettbewerbe, und das bei etwa gleichem Kandidatenfeld, sich wiederholender Jury-Besetzung und ähnlichen Sponsoren. Nur eine verstärkte Zusammenarbeit könnte hier Abhilfe schaffen, um eine gebührende Breitenwirkung zu entfalten.

Die Kandidatenfelder setzen sich aus einer schrumpfenden Zahl an Lernenden und Fachkräften zusammen. Sinkende Zahlen der Schulabgänger und sinkende Popu­larität der Lehre wirken gleich doppelt negativ auf die künftigen Fachkräfte. Vieles wurde der dualen Berufsbildung schon versprochen, Verbesserungen lassen auf sich warten.

Dafür gibt es erfreuliches an anderer Front: Rund 5 Prozent wird die Zahl der Logiernächte 2017 steigen, die positiven Sommerzahlen lassen hoffen. Sowohl mehr Schweizer wie auch mehr Gäste aus nah und vor allem fern trugen dazu bei, wie vorausgesagt. Doch zu welchem Preis musste der Anstieg erkauft werden? Können sich die Preise wieder erholen? Und schaffen es die Schweizer Leistungsträger, verstärkt zu operieren?

In der Politik zeigt sich exemplarisch, was Kooperationen bewirken können. Beispielsweise Largo, die Umsetzung des revidierten Lebensmittelgesetzes, konnte abgeschwächt werden, und auch die Zuwanderungsinitiative kommt dank gezieltem Zusammenspannen ohne Kontingente aus, allerdings zum Preis umständlicher Bürokratie.

Auch die von GastroSuisse mitlancierte Fair-Preis-Initiative gegen die Hochpreisinsel Schweiz ist eine Kooperation mit verschiedenen Verbänden, darunter auch der Konsumentenschutz. Dank der erfolgreichen Kooperation und gemeinsamer Arbeit konnten die beteiligten Verbände letzte Woche über 100 000 Unterschriften der Bundeskanzlei übergeben. Damit ist ein erstes Etappenziel für verbesserte Rahmenbedingungen erreicht.

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