Wenn sich Paare in der Gastronomie trennen

Viele Gastronominnen und Gastronomen, die ihre Partner bei der Arbeit kennen lernen, träumen von einem gemeinsamen Betrieb. Beide kennen die langen Arbeitszeiten und die wirtschaftlichen Herausforderungen. Die Gastronomie beinhaltet zweifelsohne viel Sinnlichkeit und Leidenschaft. Wenn dann ein passender Betrieb gefunden ist oder man denjenigen der Eltern übernommen hat, sind die Weichen für eine harmonische Partnerschaft gestellt – so viel zur Schönwetterlage.

Ein zweiter Blick hinter die Kulissen offenbart viel Arbeit, wenig Rendite und Verschleiss in vielen Bereichen – so auch in der Partnerschaft. Denn vielen Paaren, die gemeinsam einen gastgewerblichen Betrieb führen, fehlt die Zweisamkeit. Der gemeinsame Betrieb beansprucht fast alle menschlichen Ressourcen.

«Ich habe mich richtig in den Betrieb reingekniet und dabei mich selber sowie meinen Mann aus den Augen verloren», erklärt Tanja Posch, die mit ihrem Mann Heinz das Restaurant Seefeld in Hurden führte. Obwohl es nicht nötig gewesen wäre, hatte sie immer das Gefühl, ihrem Mann möglichst viel Arbeit abnehmen zu müssen. «Ich wollte nicht faul sein, fühlte mich verantwortlich, immer und überall mitanzupacken.»

Auch wenn ein Mitarbeitender krankheitshalber ausfiel, standen Tanja und ihr Mann im Betrieb und sorgten dafür, dass es läuft. «Wir waren immer da und hatten dabei zu wenig Zeit füreinander.» In der Gastronomie erlebe man zwar alles gemeinsam, auch die Diskussionen– jedoch meistens um den Betrieb und nicht um die Beziehung.

Carmen und Toni Bundi führen seit 43 Jahren gemeinsam das Gasthaus Central in Hospental. Carmen ist neben ihrem Engagement als Präsidentin von GastroUri sowie verschiedenen politischen Ämtern für die Küche und die Administration im Betrieb verantwortlich. Ihr Mann Toni kümmert sich um den Service, das Buffet sowie den Einkauf. «Jeder muss seinen eigenen Bereich haben im Betrieb», ist die Gastronomin überzeugt. So könne man als Paar die Reibungsfläche verringern, dabei sei es jedoch wichtig, dass man sich gegenseitig nicht reinrede.

Dass eine Beziehung in der Gastronomie so lange anhält, ist nicht selbstverständlich. Belasten doch wirtschaftliche Herausforderungen, lange Arbeitstage oder fehlende Zeit füreinander das Leben zu zweit. «Wir unternehmen darum bewusst regelmässig etwas miteinander», erzählt Carmen Bundi. Gleichzeitig habe auch jeder seine eigenen Bereiche, in denen er auftanken könne.

Dass sich Paare trennen, ist eine Realität. Dennoch einen guten Weg haben Claudine Brunner und Walter Schmid gefunden: «Als wir uns trennten, haben wir das Restaurant Idaburg in Zürich geführt. Der Betrieb war unser Baby, und wir wollten ihn auf keinen Fall aufgeben», erinnert sich Claudine Brunner. Sie hätten sich dann zusammengerauft und weitergemacht. Es sei nicht immer einfach gewesen, den Ex-Partner traurig zu sehen, sagt die Gastronomin.

Auch als Claudine Brunner und Walter Schmid später das Restaurant La Salle in Zürich übernommen hätten, seien sie Geschäftspartner geblieben. Dass die Zusammenarbeit weiterhin geklappt habe, war ein Prozess, den durchzustehen auf beiden Seiten lohnte. «Wir funktionieren als Geschäftspartner so gut, dass es ein grosser Verlust gewesen wäre, wenn wir uns ganz getrennt hätten», ist die Gastronomin überzeugt.

Ebenfalls gute Geschäftspartner waren Margriet und Peter Schnaibel vom Restaurant Taggenberg in Winterthur. Sie und ihr Mann führten jahrelang gemeinsam den Betrieb und danach das Restaurant Blaue Ente in Zürich. «Als Paar nahmen wir uns zu wenig Zeit füreinander, das wurde unserer Beziehung zum Verhängnis.» Margriet Schnaibel ist nach der Trennung wieder zurück im Restaurant Taggenberg, das sie und ihr Mann vor einigen Jahren mit Hilfe der Stammgäste gekauft hatten.

Für sie ist die Situationmanchmal schwierig. «Peter und ich haben uns im Betrieb ausgezeichnet ergänzt, diese Beständigkeit fehlt mir zuweilen.» Wenn man für einen Betrieb allein verantwortlich sei, schätze man jede Art von Gleichmass. «Denn als Paar gibt es auch weniger Wechsel im Team.» Zwar unterstütze sie die Wanderjahre ihrer Mitarbeitenden, dennoch sei es für sie immer eine Herausforderung, wenn es einen Wechsel gebe.

Darum sieht es Claudine Brunnervom Restaurant La Salle als einen Vorteil, dass sie und ihr Partner geschäftlich zusammengeblieben sind.«Aber uns ist klar, dass nicht jedes Paar nach einer privaten Trennung geschäftlich weiter funktioniert.» Sie beide hätten fast eine symbiotische Beziehung und grosses Vertrauen zueinander. «Dass wir uns so gut kennen und uns so nahe stehen, ist für unsere neuen Lebenspartner auch nicht immer einfach. Zumal ich viel mehr Zeit mit Walter verbringe als mit meinem Partner.» Aber auch in diesem Fall sei miteinander reden das A und O.

Auch Margriet Schnaibel ist davon überzeugt, dass Partner viel miteinander sprechen sollten: «Man muss seinem Partner mitteilen, welche Voraussetzungen notwendig sind, dass es einem gutgeht.» Der Partnerschaft Sorge tragen, für die Kinder da sein und einen Betrieb zu führen, sei eine riesige Herausforderung. «Es ist aber auch schön zu wissen, dass man als Team funktioniert. Denn zu zweit ist man stärker als allein.»

Diese Stärke ist auch nötig, denn in der Gastronomie lebt man seine Beziehung bis zu einem gewissen Grad in der Öffentlichkeit. Gäste und Mitarbeitende bekommen auch unausgesprochene Differenzen hautnah mit. Dies war ein Grund, weshalb Jacqueline Thommen nach der Trennung von ihrem Mann Beat aus dem gemeinsamen Unternehmen ausgestiegen ist. Die Thommen-Gastronomie entstand aus einem Betrieb der Eltern ihres Ex-Mannes, und obwohl es mittlerweile mehrere Betriebe sind, wollte die Gastronomin keinen davon übernehmen. «Für die Mitarbeitenden wäre das keine ideale Lösung gewesen, darum habe ich mich ganz aus dem Unternehmen zurückgezogen», erinnert sich Jacqueline Thommen.

Wer eine Beziehung führt, gleichzeitig für einen Betrieb verantwortlich ist und zudem eine Familie hat, muss auf diversen Ebenen harmonieren. Der Betrieb profitiert jedoch von einem Führungspaar, das sich hinter den Kulissen konstruktiv und respektvoll mit den Ideen und Erwartungen des anderen auseinandersetzt. «Und wenn man seine Meinung vertreten möchte und auch einmal Kritik übt, darf man keine Angst vor Liebesentzug haben», ist Claudine Brunner überzeugt. Wenn dies der Fall sei, könne es auf Dauer nicht funktionieren.

Gerade in der für die Gastronomie äusserst hektischen Adventszeit sind Beziehungen besonders gefährdet. Daher gilt: durchatmen und Abstand gewinnen. Dabei relativieren sich viele Probleme, oder man kann sie in einer ruhigeren Zeit angehen.

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