Wie der Spargel-Caspar der Krise trotzt

Gegen drei Tonnen Spargeln hat Caspar Ruetz seit Inbetriebnahme seines Spargel-Hofladens Ende März im Züricher Seefeldquartier verkauft. Alleine 800 Kilogramm gingen am Wiedereröffnungs-Tag vom 15. April über den Markttisch. Dass sein provisorischer Stand einen solchen Ansturm erleben würde, damit hat Initiant Ruetz nicht gerechnet. „Ich bin von der grossen Nachfrage überrascht worden.“

Spargelhändler durch Zufall
Auf die Geschäftsidee mit den Spargeln kommt der Ex-Banker durch Zufall: Seine Tochter lernte im deutschen Baden-Baden Maskenbildnerin. Als Rutz sie besuchte, assen sie Spargeln im Restaurant. Dabei kommen sie mit einem Spargelbauer ins Gespräch, der am Nebentisch sitzt. Tags darauf besuchte Ruetz mit seiner Frau Doris dessen Spargelhof. Caspar Ruetz fragt ihn, ob er einem befreundeten Restaurantbesitzer in Zürich eine Kiste Spargel bringen könne. Mit mehreren Kilos Spargeln im Gepäck reist er zurück in die Schweiz und fragt weitere Gastronomen an, ob sie Spargeln direkt vom Bauern möchten. Das ist rund sieben Jahre her. Seither importiert der Zürcher die Spargeln von der Spargelstrasse in Baden-Württemberg und beliefert gegen 100 Restaurants im Raum Zürich. Zu seinen Kunden gehören renommierte Betriebe wie das Dolder, der Storchen, das Baur au Lac oder das Hotel Widder. Neuerdings zählt auch das Bürgenstock Resort zu seinen Abnehmern. Sein Erfolgskonzept? Die hohe Qualität der Spargeln und sein persönlicher Bezug zum Gemüse. Ruetz agiert als Bindeglied zwischen Produzent und Konsument. Gemäss Ruetz setzten zwar viele Köche in ihrer Küche auf qualitativ gute Produkte, hätten aber zu wenig Zeit, um sich auch um die Beschaffung zu kümmern. Zweimal wöchentlich liefert er in normalen Zeiten das Stangengemüse persönlich an die Gastronomie- und Hotelleriebetriebe aus.

Am bisherigen Konzept wird festgehalten
In diesem Jahr kommt auch ihm das Coronavirus in die Quere und droht ihm und – insbesondere seinen Produzenten in Baden-Württemberg - das Geschäft zu vermiesen. Um dem entgegenzuwirken, kommt Ruetz auf die Idee mit dem Marktstand. Dafür holt Ruetz vorgängig die nötigen Bewilligungen bei der Stadtpolizei Zürich ein. Trotzdem folgt letzte Woche die Schliessung. Mit der Begründung, dass der Verkauf auf privatem Grund zu langen Warteschlangen auf dem Trottoir führe und öffentlichen Grund tangiere. Doch der Spargelhändler lässt sich nicht unterkriegen und kämpft weiter. Mit Erfolg: Die Polizei revidiert nach ordentlicher Prüfung ihren Entscheid. Am 15. April 2020 erfolgt die Wiedereröffnung des Spargel-Hofladens. Obwohl das Geschäft am Marktstand floriert, bleibt der Spargel-Caspar, wie er mittlerweile von vielen genannt wird, bescheiden. Er will seine Geschäftsstrategie nicht grundlegend umkrempeln. Schon vor der Coronakrise habe er geplant, künftig seine Spargeln dienstags am Bürkliplatz an Konsumenten zu verkaufen. Sonst gelte sein Kerngeschäft weiterhin dem Vertrieb der Spargeln an Gastronomen und Hoteliers. Trotz Corona zieht Ruetz bisher eine positive Bilanz: zum einen erhalte er viel Zuspruch von der Kundschaft und spüre ein Umdenken. Die Krise führe dazu, dass die Konsumenten wieder vermehrt Wert legen auf Qualität und Nachhaltigkeit von Produkten und bereit seien, dafür einen fairen Preis zu bezahlen. Zum anderen sei das Spargeljahr 2020 besser als das letzte. Der nasse Herbst führte dazu, dass die Spargeln etwa 10-20 Prozent dicker seien als die letztjährigen.

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