«YourGstaad»: vom Kampf gegen den Fachkräftemangel

«Die grösste Herausforderung wird weniger sein, unsere Hotelbetten zu füllen, sondern die notwendigen Fachkräfte zu bekommen», sagte kürzlich Manfred Pinzger, Präsident des Südtiroler Hoteliers- und Gastwirteverbandes, in GastroJournal (siehe GJ09). Eine Aussage, die seine Amtskollegen in den benachbarten Ländern wohl unterschreiben können. Denn weniger Lernende, weniger Lehrabschlüsse, weniger Fachkräfte – eine Entwicklung, die sich so schnell nicht bremsen beziehungsweise umkehren lässt. Was tun? Die Hände in den Schoss legen? Nein, vielmehr heisst es handeln. Sei das, indem Hoteliers attraktive, wertschätzende Arbeitgeber sind (siehe GJ09), oder sei es, indem bei der Mitarbeitenden-­Suche, -Unterbringung und -Betreuung Kooperationen eingegangen werden. Darauf setzt seit einigen Jahren erfolgreich die Destination Gstaad-Saanenland mittels eigenem Mitarbeiter-Community-Portal «YourGstaad» (siehe Kasten unten).

Auslöser für das Portal sei zum einen der sich akzentuierende Fachkräftemangel gewesen, erläutert Christian Hoefliger- von Siebenthal, Gastgeber im Romantik Hotel Hornberg in Saanenmöser-Gstaad und Präsident des Hoteliervereins Gstaad-Saanenland, welcher «YourGstaad» betreibt. Zum anderen sollten mit dem dahinterstehenden Kooperations-Gedanken die Kräfte der einzelnen Hotelbetriebe in der Destination gebündelt werden. Die Gründung sei rückblickend problemlos verlaufen: «Einerseits, weil die Kosten für das Portal zu Lasten des Hoteliersvereins gingen, und andererseits, weil die Hoteliers den direkten Vorteil sofort gesehen haben».

Das Projekt ist grossartig», bestätigt Thomas Frei, Gastgeber im Wander- und Gourmethotel Bernerhof in Gstaad und geistiger Vater von «Your­Gstaad». Denn Stellensuchende könnten auf dem Portal die freien Stellen der Region sehen, und die Plattform fördere zusätzlich den Zusammenhalt unter den Mitarbeitenden der verschiedenen Betriebe. Ein Punkt, den Andrea Sprenger, Gastgeberin im Golfhotel Les Hauts de Gstaad & Spa in Saanenmöser, nur unterschreiben kann. Auch aus dem Gstaad Palace ist nur Positives zu hören. So lobt Carolin Bartel, Human Resources Manager: «Die Plattform ist sehr nützlich und hilfreich für unsere Mitarbeitenden, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. Hervorheben möchte ich besonders, dass gerade Mitarbeitende, die zum ersten Mal nach Gstaad kommen, sich auf dieser Plattform alle wichtigen Informationen holen können, sei es betreffend Wohnungssuche oder allgemeine Informationen über Gstaad und dessen Umgebung.» Weitere Vorteile des Portals sind laut Christof Huber, Gastgeber im Hotel Gstaaderhof in Gstaad, dass es helfe, die Mitarbeitenden langfristig an die Betriebe zu binden, sowie das Saanenland als interessanten Arbeitsmarkt bekannter zu machen.

Um das Portal langfristig auf dem neuesten Stand zu halten, brauche es jedoch immer wieder sichtbare Neuerungen. «Die Webseite hat seit der Aufschaltung einige Überarbeitungen erlebt», hält Christian Hoefliger-von Siebenthal fest. Überhaupt sei es mit Blick in die Zukunft wichtig, dass die Webseite von «YourGstaad» hinsichtlich Inhalt, Struktur und Design stets aktuell gehalten werde, und «dass wir künftig auch auf allen relevanten sozialen Kanälen vertreten sind, angefangen bei Facebook über kununu bis hin zu Instagram und Co., denn dort halten sich unsere künftigen Mitarbeitenden auf».

Eine weitere Herausforderung sei die aktive Vermarktung des Portals, damit die Mitarbeitenden auch Kenntnis davon hätten. «Deshalb versuchen wir mit Aktivitäten auf den sozialen Medien oder auf den Bewertungsplattformen präsent zu sein. Des weiteren sponsoren wir in der Region auch Partys.» Als Werbeträger für das Portal diene zudem die Member-Card (siehe Kasten unten). Deren Vorteile unterstreicht Gastgeber Christof Huber: «Mit dieser Member-Card bekommen unsere Mitarbeitenden beispielsweise eine Reduktion in unserem Restaurant. Der positive Effekt dadurch ist gleich doppelt: Denn wir stellen uns als potenziellen künftigen ­Arbeitgeber vor, und die ‹Your­Gstaad›-Member empfehlen unser Restaurant bei Zufriedenheit ihren Gästen weiter.»

Neben «YourGstaad» existiert auch eine andere Form von «Mitarbeiter-Sharing» (siehe Kasten rechts). Inwiefern Hoefliger-von Siebenthal sich hier eine Zusammenarbeit vorstellen könnte? «Eher nicht», gibt der Vereinspräsident zur Antwort, «denn wir wollten ein Mitarbeiter-Sharing im regionalen Umfeld. Hinzu kommt, dass wir in der Destination ein gutes Winter- und Sommergeschäft haben, sodass wir auf Ganzjahresstellen setzen». Und «YourGstaad» für andere Destinationen, inwiefern besteht hier Potenzial? «Sicher würde dort auch Potenzial bestehen», sagt Hoefliger-von Siebenthal, «aber jede Destination muss das für sich selbst entscheiden, ob es passt oder nicht – in Zermatt gibt es beispielsweise etwas Ähnliches».

Das bisher weitflächige Fehlen solcher Portale in den Destinationen begründet der Vereinspräsident vorab mit dem fehlenden Kooperationsgedanken. Dabei liegt der Nutzen auf der Hand: «Mit ‹YourGstaad› wollten wir ein Instrument gegen den immer stärker werdenden Fachkräftemangel entwickeln – und das ist uns gelungen», zieht Christian Hoefliger-von Siebenthal eine positive Bilanz.

«YourGstaad»
Das bietet die Online-Community für Mitarbeitende in der Hotellerie der Region Gstaad-­Saanenland:

  • Mitarbeitende können mit einer Bewerbung alle YourGstaad-­Betriebe erreichen und Jobs in den Kategorien Küche, Service, Housekeeping, Administration, etc. finden;
  • Mitarbeitende können von Weiterbildungen profitieren;
  • Mitarbeitende können Wohnungsgesuche veröffentlichen und aktuelle Wohnungsangebote anschauen;
  • Mitarbeitende erhalten Benefits mittels Member-Card;
  • Mitarbeitende werden mit News & Specials versorgt.

www.yourgstaad.ch

Mitarbeiter-Sharing
Seit 2015 existiert das Projekt «Im Sommer am See, im ­Winter im Schnee – Montagne e lago, lavoro e svago», bei dem gastgewerbliche Betriebe aus Sommer- und Winterregionen, vorwiegend aus Graubünden und dem Tessin, zusammenspannen und den Mitarbeitenden eine beruf­liche Ganzjahresperspektive bieten. Zurzeit sind auf der ­Online-Plattform 20 Unternehmen mit circa 50 Betrieben gelistet – darunter Hotels, Restaurants, Berggastronomie und Bed & Breakfasts. Das Projekt wird von der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur koor­diniert.

www.mitarbeiter-sharing.ch

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