Zu Fachkräften kommen

«Es gibt immer weniger Lernende, Lehrabschlüsse, ausgebildete Mitarbeitende, die in der Branche bleiben, und somit weniger Fachkräfte», konstatiert Gastgeber Christof Huber vom Hotel Gstaaderhof in Gstaad. Eine Entwicklung, die sich in den nächsten Jahren durch den gesellschaftlichen Wandel noch weiter zuspitzen werde. Doch was tun: Zuschauen, die Hände in den Schoss legen? «Nein, wenn wir die Entwicklungen nicht aufhalten können, dann müssen wir uns als Gastgeber verändern und neue Wege finden, um gute Fachkräfte zu rekrutieren und langfristig zu binden», sagt Gastgeber Walter Trösch vom Swiss Holiday Park in Morschach. Wie solche Wege aussehen könnten: einige Lösungsansätze.

Lösungsansatz: Riesco & Co.
Gastgeber Walter Trösch und sein Küchenchef Peter Amrein haben, als sich das Fachkräfte-­Problem immer mehr zuspitzte, damit begonnen, Riesco-Absolventen (Anm. d. Red.: Der Riesco-Lehrgang bietet Flüchtlingen und vorläufig aufgenommenen Personen die Möglichkeit, während zwölf Monaten eine praxisbezogene Ausbildung in der Gastronomie zu absolvieren) in den Betrieb zu integrieren. «Wir haben vor vier Jahren mit einem ersten Absolventen angefangen und dann halbjährlich einen weiteren hinzugezogen», erzählt der Küchenchef. «Und unser erster Riesco-­Mitarbeitende kann nun schon den EBA-Lehrgang absolvieren», führt Trösch weiter aus. «Ist das nicht toll?» Was die grössten Herausforderungen betreffend Zusammenarbeit mit Riesco-Absolventen waren? «Man braucht als Vorgesetzter viel Geduld, zudem ist die Sprache anfänglich eine ziemliche Hürde», sagt Peter Amrein, «und ja, wir mussten unsere Prozesse in der Küche anpassen.» Was heisst das? «Wir haben gewisse Tätigkeiten und Arbeitsabläufe, die sie in der Schule hatten, hier bei uns im Betrieb integriert. So konnten sie die gelernten Prozesse beibehalten, sich an etwas festhalten», erklärt Amrein. Mit der Integration der Riesco-Mitarbeitenden im Betrieb und der Anpassung der Prozesse hat der Küchenchef zudem weitere Veränderungen im Betrieb vorgenommen, um auch den übrigen Fachkräften künftig ein attraktiveres Arbeitsumfeld zu bieten. «Wir haben atypisch für unsere Branche eine flache Hierarchie eingeführt und arbeiten neu nur noch mit Verantwortlichkeiten», erzählt Amrein. «Das kommt sehr gut bei den Mitarbeitenden an, weil sie mehr Eigenverantwortung übernehmen können.» Als Chef müsse man hier halt lernen, Verantwortung abzugeben und nicht alles selber machen zu wollen. Aber habe man sich erst einmal daran gewöhnt, funktioniere es sehr gut. Und wie geht es weiter mit Riesco? «Wir wollen diesen ­halbjährlichen Eingliederungsrhythmus beibehalten, denn Riesco ist wirklich eine super Sache», betonen die beiden.

Lösungsansatz: Mitarbeiter-Community-Portale
Ein weiterer Ansatz, um Mitarbeitende zu rekrutieren und zu binden, sind Mitarbeiter-Community-Portale wie sie in den Destinationen Zermatt (www.jobszermatt.ch) oder Gstaad Sannenland (https://yourgstaad.ch) gepflegt werden. Letztere Plattform feiert dieser Tage ihr Zehn-Jahr-Jubiläum und funktioniert zur Zufriedenheit der Gastgeber wie auch der Mitarbeitenden in der Destination. Doch was bietet ein Online-Portal wie «YourGstaad» überhaupt? «Man muss wissen», sagt Gastgeber und Hoteliervereinspräsident Christof Huber, «ein Mitarbeitender sucht heute nicht mehr nur unbedingt ein hohes Einkommen und den damit verbundenen Status.» Vielmehr suche er einigermassen geregelte Arbeitszeiten, die ihm den Freiraum für Freizeitaktivitäten und ein soziales Umfeld erlauben. Zudem wünsche sich ein Mitarbeitender ein Arbeitsumfeld, in dem er sich selber einbringen (Stichwort: Kreativität ausleben) und persönlich wie auch beruflich weiterentwickeln könne. «Auch der Teamgedanke ist vielen Arbeitnehmenden zunehmend wichtig sowie das Freizeit- und Kulturangebot in der Region. Mit ‹YourGstaad› haben wir ein Instrument, das auf viele dieser Bedürfnisse eingeht», betont Huber.

«YourGstaad» biete den Mitarbeitenden zudem nicht nur regelmässige und kostenlose Schulungen an, sondern auch eine Art Member-Karte, mit der sie attraktive Benefits und Rabatte (beispielsweise Sport, Kultur, Wellness, Gastronomie usw.) erhalten, um die Region aktiv zu erleben. «In unseren Betrieben achten wir darauf, dass unsere Mitarbeitenden genügend Freizeit zur Verfügung haben, und bieten wann immer möglich eine optimierte Arbeitsplanung.» Wichtig seien auch interne Schulungen sowie Förderung der Mitarbeitenden mit Weiterbildungen. «Wir versuchen unseren Arbeitnehmenden ein angenehmes und anregendes Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem sie ihre Ideen miteinbringen können», betont Huber.

Lösungsansatz: Image-Wandel
Um in Zukunft Fachkräfte für die Branche zu finden, muss für Gastgeber Roland Furrer vom Hotel an der Aare in Solothurn ein Image-Wandel stattfinden. «Und zwar nicht im Sinne von ‹Wir machen das jetzt mal einzelbetrieblich›, sondern ‹Wir müssen hier alle zusammenspannen›.» Verbesserungspotenzial sieht Furrer hier vor allem in der Haltung gegenüber den Mitarbeitenden. «Wir sind in den meisten Betrieben nach wie vor führungstechnisch viel zu patriarchal unterwegs.» Konkret heisse das: Viele Aufgaben, viel Verantwortung, kaum Kompetenzen; das sei einfach nicht ausgewogen. «Auch bezüglich Arbeitszeiten hat unsere Branche einen grossen Handlungsbedarf, ich bin überzeugt, dass wir mit besserer Produktionsplanung, mehr Technologie et cetera unseren Mitarbeitenden attraktivere Arbeitszeitmodelle bieten können.»

Mehr auf die Bedürfnisse der künftigen Generationen Y und Z eingehen, um sie als Fachkräfte zu gewinnen und zu halten, versucht seit Längerem auch die Weisse Arena Gruppe, die erst kürzlich mit dem Aushilfepool (http://weissearena.com/de/flexibler-aushilfsheld/), GastroJournal hat berichtet, ein neues Rekrutierungsportal ins Leben gerufen hat. «Wir versuchen unseren Mitarbeitenden eine gute Grundinfrastruktur zu bieten, wie auch, sie bei der täglichen Arbeit zu fordern und zu fördern. Denn wenn wir bestehende Talente fördern, dann können wir sie auch langfristig an unser Unternehmen binden», ist Lisa Lerchi, PR- und Kommunikationsverantwortliche der Gruppe, überzeugt.

 

 

Gastgeber Roland Furrer: «Für die Zukunft braucht es …
• kooperative Führungsmodelle;
• dass Mitarbeitende nicht nur ­Verantwortung, sondern auch ­Kompetenzen erhalten;
• Mitarbeiterförderung (­abwechslungsreiche Aufgaben);
• eine nachvollziehbare ­Entschädigungspolitik.»

 

 

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